Wiesentheid

Widerstand gegen die Salatfabrik

Ein Bauantrag für ein Großprojekt stieß in der Sitzung des Wiesentheider Gemeinderates auf wenig Gegenliebe.
Artikel drucken Artikel einbetten
Baustellen rund um das Rathaus: Nach dem Neßtfellplatz wird die Neumannstraße in Wiesentheid Zug um Zug saniert. Diese und andere Baustellen beschäftigen die Marktgemeinde; in Sichtweite des Rathauses ist nach wie vor die mehrere Millionen Euro schwere Renovierung der katholischen Pfarrkirche im Gange. Foto: Foto: ANDREAS STÖCKINGER

Ein Bauantrag für ein Großprojekt stieß in der Sitzung des Wiesentheider Gemeinderates auf wenig Gegenliebe. Auf einer Fläche von 17,8 Hektar am östlichen Ortsrand, südlich des Sportzentrums, möchte ein Antragsteller ein Salatgewächshaus mit Verladebereich und Wärmespeicher errichten. Die Pläne wurden erst einmal einstimmig abgelehnt. "Bei uns in der Fraktion herrschte blankes Entsetzen. Das hat mit Landwirtschaft nichts zu tun, das ist eine Salatfabrik", machte Gemeinderat Michael Rückel die Meinung seiner Kollegen von den Freien Wählern deutlich.

"Strikt dagegen" sei man, so Rückel weiter. Er verband damit die Hoffnung, dass auch die Bevölkerung "auf die Barrikaden geht." Nicht viel anders sah es die CSU-Fraktion. Das Vorhaben sei "eine markante Veränderung unserer Landschaft", meinte Otto Hünnerkopf. Vor zwei Jahren bei der ersten Anfrage sei man nicht unbedingt begeistert gewesen und habe gedacht, dass man das Projekt verhindern könne. Nun liege es wieder auf dem Tisch.

Bereits im Mai 2017 lag die Anfrage einer holländischen Großgärtnerei auf dem Ratstisch, auf der Fläche an der Straße nach Abtswind eine Salatzucht zu errichten. Damals war von 30 Arbeitsplätzen die Rede, die dort entstehen würden. Das Ganze wurde zunächst abgelehnt und zur Prüfung an Fachbehörden weiter geleitet. Nun folgte der nächste Anlauf.

Bürgermeister Werner Knaier hatte zunächst die Fakten im Rat erläutert. Auf der Ackerfläche, die dem Haus Schönborn gehört, sieht der Plan zwei Gewächshäuser mit einer größe von 304 mal 180 Metern, beziehungsweise 220 mal 190 Metern, vorgesehen. In der Mitte des Ganzen ist ein Verladebereich mit 230 mal 45 Meter eingezeichnet. Dazu entstünden zwei Wärmespeicher mit 43 Meter Durchmesser und einer sichtbaren Höhe von 16 Metern. Zum besseren Vergleich der Dimension führte der Bürgermeister eine in Wiesentheid bestehende Gärtnerei Lang an, die in der Verlängerung der Gartenstraße etwa 13 Hektar unter Glas habe.

Die für die Salatzucht vorgesehene Fläche befindet sich zwar im Außenbereich, der Antragsteller mache jedoch laut Knaier seine Privilegierung durch die Landwirtschaft geltend. Das habe sich das Landratsamt noch einmal beim Amt für Landwirtschaft klären lassen. Vor zwei Jahren wurden unter anderem Bedenken wegen des Wassers geäußert. Die Gemeinde könne die benötigte Wassermenge nicht zur Verfügung stellen, der geplante Brunnen dürfe die unweit davon gelegenen Brunnen der gemeindlichen Eigenwasserversorgung nicht tangieren, hieß es. Eine Bewässerung der Pflanzen müsse ausschließlich über das im Evocat selbst gesammeltes Dachflächenwasser erfolgen.

Das Ganze ließ die Räte diskutieren. Nicht nur beim Thema Wasser zeigten sich die Räte skeptisch, ob dies ausreiche. Dazu wurde darauf hingewiesen, dass es bei Starkregen am Ortseingang im Bereich der Jahnstraße jetzt schon erhebliche Probleme gebe, das von Osten her in den Ort strömende Wasser abzufangen. Würden dort noch mehr Flächen versiegelt, verstärke sich das Problem noch, hieß es.

Schließlich wies Ratsmitglied Heinrich Wörner nach genaueren Durchsehen der Pläne auf eine Sache hin. Ein gemeindlicher Weg verlaufe direkt durch die gesamte Fläche. Dieser sei einfach überplant worden vom Antragsteller, das sei ein Eingriff ins Eigentum. Für die etwa 4000 Quadratmeter Weg sei keine Anfrage bei der Gemeinde eingegangen, sagte Bürgermeister Knaier.

"Wenn wir den Weg nicht hergeben, möchte ich einmal hören, wie sie dort eine Salatfabrik bauen wollen", meinte Ratsmitglied Michael Rückel. Er wetterte kräftig gegen das Projekt, nannte es "eine Flächenvergeudung." Nicht nur ihn störte außerdem, dass keine einzige Nachbarunterschrift auf den Plänen vorhanden sei.

Die Unterlagen gehen nun mit der Ablehnung der Gemeinde erneut an das Landratsamt. In Kürze dürften sie jedoch wieder auf dem Wiesentheider Ratstisch liegen, vermutete Bürgermeister Knaier.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.