Würzburg
Totschlagsprozess

Widersprüchliche Aussagen über Angeklagten

Was ist das für ein Mann, der seine Bekannte totgeschlagen und ihre Leiche mit dem Schubkarren transportiert haben soll? Von kindlichem Gemüt und nie aggressiv, sagt die Ex-Freundin in der Gerichtsverhandlung. Hilfsbereit, aber auch stur und uneinsichtig, sagt der Kollege.
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Archivbild: Ronald Wittek, dpa
Archivbild: Ronald Wittek, dpa
"Großer tapsiger Bär mit kindlichem Gemüt", so hat am Mittwoch vor dem Schwurgericht eine Ex-Freundin den wegen Totschlags angeklagten 45 Jahre alten Gärtner beschrieben. Sie habe ihn während einer monatelangen Beziehung nie aggressiv erlebt, selbst laut werden lag ihm nicht. Spontan habe er ihren Hund ausgeführt und ihre kleine Tochter habe sich schon darauf gefreut, endlich wieder einen Vater zu haben. Da der Gärtner sich allerdings während einer Kur neu verliebt hatte und sich auf die Schnelle nicht entscheiden konnte, habe sie ihm die "rote Karte" gezeigt.
Aus großen und kleinen Puzzle-Teilen zahlreicher Zeugen versuchte sich das Schwurgericht am dritten Verhandlungstag ein Bild zu machen von dem Angeklagten und seiner Beziehung zu drei "regional gestreuten" Frauen. Darunter war auch die am Abend des 16.
April 2012 getötete stellvertretende Marktleiterin eines Würzburger Lebensmittelmarktes, die er während eines gemeinsamen Abspeck-Kurses für Übergewichtige kennengelernt hatte. Ihrem Chef hat sie gesagt, berichtete der als Zeuge, dass plötzlich viele Männer was von ihr wollen, seit sie 25 Kilo weniger hat. Ob auch ein Kunde aus dem Einkaufsmarkt darunter sei, wollte der Marktleiter wissen und die Mitarbeiterin nannte den Stammkunden, der jetzt auf der Anklagebank sitzt. Dem habe sie aber schon gesagt, "dass da nichts läuft", aber der wolle das nicht kapieren.

Krasser Widerspruch

Die Aussage steht in krassem Widerspruch zu den Angaben des Angeklagten, dass die Bekannte von der Supermarkt-Kasse, als er sie in ihrer Wohnung aufsuchte und von einer neuen Freundin erzählte, aggressiv reagiert, eine feste Beziehung mit ihm und "Schluss mit den anderen" gefordert habe. So sei der Streit entstanden, der dann so tragisch endete, aus Sicht des Angeklagten angeblich ein Unglücksfall, weil beim Gerangel und Hinfallen seine Hand so nahe am Hals der Bekannten und der Daumen an deren Kehlkopf war. "Mit Frauenhänden wär' das nicht passiert", sagte der Gärtner entschuldigend zu den Richtern mit Blick auf seine großen kräftigen Hände.
Als die stellvertretende Marktleiterin am 16. April 15 Minuten nach Arbeitsbeginn noch nicht im Markt war und weder das Telefon zuhause noch das Handy abgehoben hat, war für ihren Chef bereits klar, dass etwas passiert sein muss und er rief die Polizei. Zu spät kommen, blau machen, nicht ans Telefon gehen, das habe es für diese Frau nicht gegeben, sie sei die Zuverlässigkeit in Person gewesen.

Weder gezittert noch geschwitzt

Für Schlagzeilen hatte der Gärtner gesorgt, weil er die Leiche der Bekannten in einem Schubkarren durch die Stadt gefahren und auf einem Acker am Stadtrand vergraben hat.
Der Kassier einer Tankstelle erinnerte sich als Zeuge vor dem Schwurgericht, dass der Angeklagte nach Mitternacht mit einem Rad unterm Arm zu ihm gekommen war und gefragt hatte, wo es Luft gebe, sein Schubkarren sei platt. Warum er deswegen so spät unterwegs sei, habe er den Mann nicht gefragt, sondern sich gedacht, dass der halt am nächsten Morgen früh anfangen wolle mit den Gartenarbeiten.
Der Kunde sei ihm bekannt gewesen, aber nicht von der Zapfsäule. Der Gärtner hat keinen Führerschein, sondern kaufte in der Tankstelle nur regelmäßig Getränke und Zeitschriften. Beim Füllen des Reifens sei der Mann so ruhig gewesen wie immer, auf Frage des Gerichts: "weder gezittert noch geschwitzt", obwohl der Gärtner da gerade angeblich in panischer Angst und Ratlosigkeit vom Tatort kam.

"Wie von der Rolle"

Der Vorarbeiter der Städtischen Gärtner-Kolonne, in der der Angeklagte seit vielen Jahren beschäftigt war, bezeichnete den Mitarbeiter als einfachen Menschen mit verlangsamter Aufnahmefähigkeit. Hilfsbereit sei er gewesen, aber auch stur und uneinsichtig.
Als er einige Monate vor der Tat von einer Kur zurückkam, sei er "wie von der Rolle" gewesen, " man kam nicht mehr klar mit ihm". Das muss die Zeit gewesen sein, als der Angeklagte, der bis zu deren Tod bei der Mutter lebte, plötzlich zwischen drei Frauen die Wahl hatte und sich nicht festlegen wollte.
Heute wird die Verhandlung fortgesetzt.

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