KITZINGEN

Whiskey im Blut und Wut im Bauch hatte ein Angeklagter

Whiskey, die Erinnerungen an die Kämpfe in Syrien und eine Provokation ließen einen 34-jährigen Kurden im Kitzinger Innopark ausrasten. Tatwaffe: eine Tasse.
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Schmerzhafte Folgen für einen angeblichen Kämpfer der Terrororganisation IS hatte im September 2016 ein Streit in der Gemeinschaftsunterkunft im Kitzinger Innopark. Der Mann hatte einen kurdischen Landsmann aus Syrien provoziert. Der zog ihm eine Tasse über den Kopf und bekam dafür vom Gericht die Quittung: Sechs Monate Haft auf Bewährung. Den Strafbefehl hielt der Mann für zu hart und zog jetzt vor das Kitzinger Amtsgericht.

Zwei Fraktionen im Streit

Die Geschichte – als gefährliche Körperverletzung angeklagt – ist irgendwie so was wie eine verspätete Folge der Kämpfe in Syrien. Da stammen Opfer und Täter her, der eine Araber, der andere Kurde. Beide kennen sich nicht namentlich, haben aber zusammen schon Fußball gespielt, wie der 34-jährige Angeklagte erzählt.

Am Tattag sind etliche der Flüchtlinge am frühen Nachmittag draußen im Innopark. Man raucht, unterhält sich. Und streitet. Über Politik. „Zwei Fraktionen“ – so der Angeklagte – kriegen sich in die Haare: „Ich habe mich da nicht eingemischt.“ Der Mann hört aber zu. Vor allem seinem späteren Opfer, das sich für die Terrortruppe vom Islamischen Staat (IS) stark macht, für die er angeblich gekämpft hat.

Der Trank des Vergessens

Als der Mann die Kurden beleidigt habe, die „ehrlos“ seien und den Tod verdient hätten, habe er allmählich die Kontrolle verloren, betonte der 34-Jährige. Er stamme aus der lange vom IS belagerten Kurdenhochburg Kobane, wo es niemanden gebe, der nicht ein Familienmitglied verloren habe, sagte der Angeklagte vor Gericht. Sein Vater sei durch Terroreinheiten des IS getötet worden.

Weil er kurz vor dem Ausrasten ist, zieht er sich aus dem Streit zurück und geht in die Kitzinger Innenstadt. Dort kauft er sich etwas zu trinken, um den Krach zu vergessen. Das Problem dabei: Der Trank des Vergessens ist Whiskey und die Menge davon wohl zuviel. „Ich war betrunken“, erklärt der 34-Jährige kleinlaut vor Gericht.

„Dann ist diese Sache passiert“

Mit der kräftigen Dosis Alkohol im Blut kehrt der Angeklagte nach vier bis fünf Stunden in den Innopark zurück, trifft auch gleich auf seinen Kontrahenten „und dann ist diese Sache passiert“. Die Tasse kracht auf den Kopf des Opfers, der sich eine Prellung mit einer Platzwunde einfängt. „Ich bedauere, dass das so gekommen ist“, so der Angeklagte. Und seine Verteidigerin ergänzt: „Man muss kein Kurde sein, um von diesen Beleidigungen gereizt zu sein.“

Mit der gewünschten Milde beim Strafmaß ist es allerdings Essig. Angesichts der langen Zeit zwischen den provokanten Äußerungen des späteren Opfers und der Tat könne von keiner – eventuell strafmildernden – Affekthandlung ausgegangen werden, meint die Staatsanwältin.

Sechs Monate Haft oder ...

Die wusste offensichtlich nichts von dieser Zeitdifferenz und rät dem Angeklagten, seinen Einspruch zurückzuziehen. Werde weiterverhandelt, könne es passieren, dass es nicht bei dem strafrechtlichen Minimum von sechs Monaten Haft auf Bewährung bleiben werde.

Nachdem der Amtsrichter „vorsichtig auch in diese Richtung“ tendiert und seine Anwältin ebenfalls auf die Bremse drückt, zieht der Angeklagte den Einspruch zurück.

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