Kitzingen

Wetterbilanz 2019: Ein Ausreißer in einem schwierigen Jahr

2019 war ein schwieriges Jahr für die Natur: Es hat zu wenig geregnet und es war deutlich zu warm. Einen nennenswerten Ausreißer gab es aber.
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15 Frosttage gab es im Januar. Auch der Breitbach in Marktbreit war gefroren. Foto: Karl Schönherr
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"Nicht ganz so extrem wie 2018", beschreibt Thomas Karl, Wetterexperte am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) das Wetter für das Jahr 2019. "Aber nachdem wir keine Reserven hatten, war es für Wald, Wiesen und Äcker ein schwieriges Jahr." Die Jahresdurchschnittstemperatur lag bei 11,2 Grad Celsius und war damit 1,9 Grad über dem langjährigen Mittel von 9,3 Grad. "Es war der drittwärmste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen", sagt Karl, der die Daten der Wetterstation in der Mainbernheimer Straße in Kitzingen aufzeichnet.

Wie 2018 fehlte auch im vergangenen Jahr der Regen. Statt 590 Liter pro Quadratmeter kamen nur 530 Liter vom Himmel. Das hat nicht gereicht, um das Wasserdefizit im Unterboden auszugleichen. "Wir bräuchten dringend wieder ein feuchtes Jahr", erklärt Karl. Besonders hoffnungsvoll ist er aber nicht. Dass das vergangene Jahr nicht ganz so extrem war, zeigt auch die Anzahl der Sonnenstunden. 1918 Stunden stand die Sonne am Himmel. 2018 waren es über 300 Sonnenstunden mehr. Der Durchschnitt liegt bei 1567 Stunden.

Januar

Der Januar 2019 war zu warm. Die Durchschnittstemperatur lag bei 1,4 Grad Celsius und damit 1,5 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Der wärmste Tag im Januar war am 13. Januar mit 8,2 Grad. Am kühlsten war es am 22. Januar mit -8,8 Grad. Dieser Tag fiel in die kälteste Periode, die zwischen dem 20. bis 25. Januar lag. "Da hatten wir fünf Tage mit Dauerfrost", erklärt Wetterexperte Thomas Karl. Insgesamt gab es im Januar 15 Frosttage. Positiv war, dass es mehr geregnet hat als im Durchschnitt. Statt 38,8 Litern pro Quadratmetern kamen an 18 Regentagen 41 Liter vom Himmel. Mit 38 Sonnenstunden lag der Januar fast im Schnitt von 40 Stunden.

Februar

Kühl hat der Februar angefangen, aber ab dem 15. wurde es warm. Den Spitzenwert von 17,5 Grad wurde am 27. Februar gemessen. Die Durchschnittstemperatur lag bei 3,3 Grad. Typisch für einen sonnigen Februar waren viele frostige Nächte und warme Tage, sogenannte Wechselfröste. 18 Nächte mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt zählte Karl. Von Haus aus ist der Februar kein regenreicher Monat, aber mit nur 34,5 Litern pro Quadratmetern fehlen über 20 Liter zum Durchschnitt. Ab Mitte des Monats lockten blauer Himmel und Sonne satt die Landkreisbewohner nach draußen. 124 Sonnenstunden schrieb Karl für Februar 2019 in seine Statistik.

März

Die Natur ist voll erwacht – so lässt sich der März 2019 zusammenfassen. 7,7 Grad Celsius im Durchschnitt errechnete Karl. Das ist 2,9 Grad wärmer als das langjährige Mittel (4,8 Grad). Nur drei Frosttage und damit erstaunliche wenige zählte der Wetterexperte am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kitzingen. Die insgesamt 27 Vegetationstage über 5 Grad nutzten die Bauern, um Rüben und Sonnenblumen zu säen. Gefreut haben sich die Landwirte über viel Regen. 51,5 Liter hat es in Kitzingen geregnet – deutlich mehr als im langjährigen Mittel mit 39,9 Litern. 146 Sonnenstunden zählte Karl, was etwa 20 mehr sind als im langjährigen Durchschnitt.

April

Einen kleinen Vorgeschmack auf den Sommer lieferte der April. Zwei Sommertage, also Tage mit einer Temperatur über 25 Grad, wurden gezählt. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von 11,4 Grad war der April 2019 erneut um 2,6 Grad Celsius zu warm. "Es ist mittlerweile – seit April 2018 – der 13. Monat in Folge, der mit mehr als 1,5 Grad Celsius über Normaltemperatur, deutlich zu warm ist", erklärt Karl besorgt. Insgesamt 222 Stunden lang schien die Sonne vom Himmel. Doch das schöne Wetter hatte seinen Preis: Mit nur 34 Litern pro Quadratmeter war der Monat deutlich zu trocken. Normalerweise liegt der Wert bei 47,7 Litern pro Quadratmeter. 

Mai

Der Mai war im vergangenen Jahr der absolute Ausreißer: Er war erste Monat seit März 2018 bei dem die Temperatur nicht über dem Durchschnitt, sondern sogar darunter lag. Mit einer Durchschnittstemperatur von 12,1 Grad war der Wonnemonat um 1,4 Grad kälter als üblich. Das spiegelt sich auch in den Sonnenstunden: Nur 194 Stunden schien im Mai die Sonne. Aber der Mai brachte den langersehnten Regen. Mit Niederschlägen von 70 Litern pro Quadratmeter lag der Wert um sechs Liter über dem langjährigen Durchschnitt. Glück für die Landwirte, da sich Ende April schon die ersten Trockenschäden auf den Feldern zeigten.

Juni

"Der Juni hat uns ermüdet", sagt Karl. Mit 4,2 Grad Celsius über dem Durchschnitt von 21 Grad war der  Monat "sehr viel zu warm". Karl zählte elf Tage über 30 Grad. "Wir hatten zwei richtige Hitzewellen und teilweise über 35 Grad", fasst er den sehr sonnenreichen Monat zusammen. 286 Stunden brannte die Sonne vom Himmel. Normalerweise gehören Juni und Juli zu den regenreichsten Monaten, da Sommergewitter den nötigen Niederschlag bringen. Doch mit 40 Litern pro Quadratmeter war der Juni deutlich zu trocken (Durchschnitt: 68,3 Liter.) Die Landwirte begannen bereits im Juni damit, die Wintergerste zu dreschen.

Juli

Es war heiß im Juli, doch den langjährigen Hitzerekord von 40,3 Grad Celsius konnte Kitzingen nicht verteidigen. 37,7 Grad maß das Thermometer in der Mainbernheimer Straße am 25. Juli, dem heißesten Tag des Monats. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von 20,7 Grad Celsius war der Juli um 2,2 Grad wärmer als das langjährige Mittel. Interessant dabei: Der Juni war wärmer als der Juli. Auch bei den Sonnenstunden lag der Juni (286) vor dem Juli (269). Ein heftiges Gewitter Ende Juli brachte in der Kreisstadt 25 Liter Regen pro Quadratmeter von insgesamt 54 gemessenen Litern. In anderen Orten des Landkreises sah es ganz anders aus. In Schwarzenau regnete es nur 34 Liter.

August

Neun Tage über 30 Grad Celsius schrieb Wetterexperte Karl im August 2019 auf. "Alles über 30 Grad tut unseren Kulturpflanzen richtig weh", erklärt er. Fehlt dann auch noch der Regen, stellen sie das Wachstum ein. Doch auch der August war zu trocken. Nur 43 Liter Regen pro Quadratmeter maß Karl. Zum langjährigen Mittel fehlen damit 16 Liter. Der fehlende Regen war besonders für die Rinderhalter problematisch. "Denen fehlt schlichtweg das Futter", erklärt Karl. Besonders an sehr sandigen Standorten sei der fehlende Niederschlag fatal gewesen. Die durchschnittliche Temperatur lag bei 20,1 Grad Celsius – 2,2 Grad wärmer als üblich. 219 Stunden schien in Kitzingen im August die Sonne.

September

Im Vergleich zum Niederschlag mangelte es im September  an Sonnenstunden nicht: Mit 194 Sonnenstunden war er ein sonniger Monat. Doch mit 27 Litern Regen war er wieder mal deutlich zu trocken. Der langjährige Durchschnitt liegt 46 Liter pro Quadratmeter. 15,3 Grad war die errechnete Durchschnittstemperatur, und damit lag sie ein Grad über dem langjährigen Mittel. Sogar drei Sommertage mit Temperaturen über 25 Grad verzeichnete Karl. Die überwiegend trockene Witterung führte jedoch dazu, dass die Erträge bei Sonnenblumen und Soja- oder Ackerbohnen unterdurchschnittlich ausfielen.

Oktober

Im Oktober kam er endlich – der Regen. Mit 69 Litern pro Quadratmeter sogar mehr als im Durchschnitt (41 Liter). Vor allem Pflanzen, hier besonders die Wintergerste, und Oberflächengewässer profitierten von diesen Niederschlägen. "Das Grundwasser erreichten wir damit noch nicht", erklärt Karl. Gerade am Anfang und in der Mitte des Monats regnete es viel, was an den milden Temperaturen lag. Denn der Oktober war mit einer Durchschnittstemperatur von 11,6 Grad Celsius "wieder deutlich zu warm". Bei 9,5 Grad liegt der langjährige Schnitt. 106 Stunden schien die Sonne im Oktober. Ein guter Durchschnittswert, aber kein besonders goldener Oktober.

November

Auch wenn es sich nicht so angefühlt hat: Der November war mit einer Durchschnittstemperatur von 6 Grad 1,6 Grad zu warm. Die feuchten Nebel sorgten dafür, dass der November trotzdem ein kaltes Gefühl hinterlassen hat. Fünf Frosttage – für November zu wenige – zählte Karl in der Mainbernheimer Straße. 39 Liter Regen pro Quadratmeter notierte er in seiner Bilanz. Damit wurde der Durchschnitt von 45,1 Liter um 13 Prozent verpasst. Bleiben zum Schluss noch die Sonnenstunden. 52 Stunden hat die Sonne geschienen. "Der November ist der klassische Herbstmonat. Nebel gehört einfach dazu", sagt Karl.

Dezember

Zwölf Vegetationstage, also Tage über 5 Grad, zählte Wetterexperte Thomas Karl im Dezember 2019,  aber keinen einzigen Tag mit Dauerfrost. In 13 Nächten hat es gefroren. Mit 3,7 Grad Celsius war der Dezember "wieder deutlich zu warm", der Durchschnitt liegt bei 2,4 Grad. Am wärmsten war es am 16. Dezember mit 13,5 Grad. Bei insgesamt 17 Regentagen vermerkte Karl im Dezember 50 Liter pro Quadratmeter an seiner Messstation in der Mainbernheimer Straße in Kitzingen. Das waren immerhin zwei Liter mehr als im langjährigen Durchschnitt. Mit 72 Sonnenstunden war es im Dezember relativ sonnig.

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