KITZINGEN/MARKTSTEFT

Sand: Überraschend Wertvoller Rohstoff

Zwischen Marktsteft und Kitzingen werden 370 000 Tonnen Sand und Kies gewonnen. Der Rohstoff ist rarer, als man auf den ersten Blick vielleicht denkt.
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Frank Sauer und Bastian Kretzer schauen sich den Plan noch einmal an. Auf rund 3,7 Hektar Gesamtfläche wird in der Nähe des Kitzinger Klärwerks Sand und Kies abgebaut. Foto: Fotos: Ralf dieter
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Was haben Sand und Gold gemeinsam? Mehr als wir denken. Beide Materialien finden sich im Erdreich, beide werden rar und rarer. Dennoch wäre es verwegen zu behaupten, dass zwischen Kitzingen und Marktsteft derzeit eine Goldgrube entsteht.

Bastian Kretzer und Frank Sauer stehen fünf Meter unter der Bodennarbe in einer riesigen Grube. Etwa 3,7 Hektar – rund fünf Fußballfelder – umfasst das Gebiet, in dem die Firma Wüffert in den nächsten drei bis fünf Jahren Sand und Kies in großem Stil abbauen will. Mit rund 370 000 Tonnen verwertbarem Material, also Sand und Kies, rechnet der Geschäftsführer der Marktbreiter Firma, die mit dem Gaibacher Unternehmen Beuerlein kooperiert. Es ist Material, das dringend benötigt wird.

Acht Tonnen Kies und Sand werden pro Kopf und Jahr in Bayern verbraucht. Diese Zahl gibt der Geschäftsführer des Industrieverbandes Steine und Erden, Bernhard Kling, bekannt. Bei zwölf Millionen Einwohnern lässt es sich leicht vorstellen, dass die Ressourcen irgendwann zur Neige gehen – zumal in Nordbayern. Aus geologischen Gründen sind die Vorkommen in Unterfranken auf das relativ enge Maintal beschränkt – und hier konkurrieren die Interessen der Sand- und Kiesindustrie mit landwirtschaftlichen und naturschutzrechtlichen Interessen. Gleichzeitig steigt der Bedarf nach Sand und Kies durch Neubauprojekte oder die Arbeiten entlang der Autobahnen.

Versorgungsknappheit

Kretzer und Sauer können das nur bestätigen. „Der Rohstoffhunger ist groß“, sagt Sauer. In Unterfranken könne man getrost von einer Versorgungsknappheit sprechen. Alleine die Arbeiten entlang der A3 bei Heidingsfeld mit dem Bau der Talbrücke und des neuen Katzenbergtunnels verschlingen an die 200 000 Tonnen Sand und Kies, die als Zuschlagsstoffe für Beton verwendet werden.

Und Beton ohne Sand ist noch nicht erfunden worden. Dass dieser Rohstoff nicht unendlich ist, sei vielen Verbrauchern noch gar nicht klar. „Man kann ihn einfach nicht ersetzen“, sagt der Geograf Kretzer. Natürlich finde man ihn in rauen Mengen an Stränden und in der Wüste. Aber der logistische Aufwand, dieses Material hier einzusetzen, lässt sich weder aus wirtschaftlichen, noch aus ökologischen Erwägungen heraus rechtfertigen. Schon bei 40 Kilometern liege die Schmerzgrenze, teilt Bernhard Kling mit. Muss Kies noch weiter zu einer Baustelle gefahren werden, übersteigen die Transportkosten bereits die Materialkosten. „Unsere Rohstoffe müssen deshalb möglichst ortsnah abgebaut werden“, erklärt er.

Der Abbau vor Ort ist allerdings reglementiert. Im regionalen Planungsverband sind derzeit 21 Vorrang- und Vorbehaltsgebiete definiert, die insgesamt rund 870 Hektar umfassen – bezogen auf die Landkreise Würzburg, Main-Spessart und Kitzingen. Etwa 114 Hektar sind bereits abgebaut, mehr als 750 Hektar noch nicht erschlossen. Dennoch kein Grund, sich entspannt zurückzulehnen. Die Sicherung der heimischen Rohstoffe sei eine der drängendsten Aufgaben des Planungsverbandes. „Wir müssen langfristig denken und brauchen deshalb größere Reserven“, erklärt Oliver Weidlich, Leiter des Sachgebietes Raumordnung, Landes- und Regionalplanung an der Regierung für Unterfranken – zumal die Erschließung einer Sand- und Kiesgrube erst einmal durch ein längeres Genehmigungsverfahren gehen muss. Und davor steht die Bereitschaft des Flächenbesitzers, sein Grundstück zu verkaufen. Bei der Regierung von Unterfranken laufen auch deshalb immer wieder Anfragen ein, die sich auf Flächen außerhalb der ausgewiesenen Vorrang-Gebiete beziehen – wie zuletzt in Nordheim.

Wie lange Sand und Kies noch entlang des Mains abzubauen sind, lässt sich nur schwer beantworten. „Die Stellen werden immer weniger“, weiß auch Sauer. Die Interessensvielfalt ist groß. Landwirtschaft, Straßen und nicht zuletzt der Umweltschutz engen die Abbaumöglichkeiten ein. Wobei: Sauer und Kretzer sind sicher, dass die Kiesgrube bei Marktsteft schlussendlich der Natur zugute kommt. „Hier wird nach dem Abbau ein Biotop entstehen“, erklärt Kretzer. Neu errichtete Messstellen sollen außerdem sicherstellen, dass der Gewässerschutz gewährleistet wird.

Seit diesem Sommer laufen die Abbau-Arbeiten, auch wenn die Grube noch lange nicht ausgebaut ist. 14 Meter soll sie an ihrer tiefsten Stelle werden. Ein Spezialbagger muss dafür eingesetzt werden.

Wer eine Grube graben will, der muss in Vorleistung gehen. Die ersten Gespräche liefen schon vor Jahren, im letzten Winter wurde es ernst. Das Projekt musste den Marktstefter und Kitzinger Stadtrat passieren. Mehr als 30 Träger öffentlicher Belange – von der Fischereifachberatung bis zum Bund Naturschutz – nahmen Stellung. Ein sichtbares Ergebnis: Die Zufahrt erfolgt über eine neu angelegte, asphaltierte Zubringerstraße, die am Eingang zum Kitzinger Klärwerk abzweigt. „Die Gemeinden wollten verständlicherweise nicht, dass der Verkehr in den Ortschaften zunimmt“, erklärt Frank Sauer. Und der Asphalt gewährleistet, dass sich Dreck und Staub schon frühzeitig abfahren und erst gar nicht auf der Staatsstraße landen.

Im Schnitt fährt ein Laster der Firma rund 25 Touren am Tag und bringt damit etwa 500 Tonnen Material aus der neuen Kiesgrube zur Weiterverarbeitung nach Marktbreit. Dort wird das Rohmaterial aufbereitet – also gereinigt, sortiert und gesiebt. „Wir überprüfen die Eigenschaften des Materials und ein Prüflabor klassifiziert die Qualität“, erklärt Sauer. Die Härte, die Druckfestigkeit oder die Reinheit des Materials sind Parameter für die Qualität und die Wiederverwertbarkeit.

Über die Qualität in der neuen Grube lassen sich bislang noch keine eindeutigen Aussagen treffen. „Die Qualität des Rohstoffes variiert mit der Tiefe und über die gesamte Abbaufläche“, erklärt Kretzer. Mit den bisherigen Ergebnissen ist er allerdings zufrieden. Drei bis fünf Jahre wird es dauern, bis die Grube ausgebeutet ist, bis kein Sand und Kies mehr zu finden sind. Eines weiß Kretzer aber jetzt schon: Von einer Goldgrube könne man bei Marktsteft nicht sprechen.

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