KITZINGEN

Wenn die Orgel rockt und schwelgt

In fünf Minuten ist „Showtime“, aber Musikproduzent, Organist und Chorleiter Patrick Gläser ist nach wie vor ganz gelassen. Dass die evangelische Stadtkirche in Kitzingen an diesem Sonntag bereits so voller Menschen ist, wie man das Gotteshaus eigentlich nur an hohen Feiertagen sieht, hat der Öhringer auf der Bank der Orgelempore noch gar nicht bemerkt.
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Lebt einen Musiker-Traum: Patrick Gläser feierte auch in Kitzingen einen großen Erfolg mit seinem „Orgel rockt“-Projekt. Foto: Foto: lECHNER

In fünf Minuten ist „Showtime“, aber Musikproduzent, Organist und Chorleiter Patrick Gläser ist nach wie vor ganz gelassen. Dass die evangelische Stadtkirche in Kitzingen an diesem Sonntag bereits so voller Menschen ist, wie man das Gotteshaus eigentlich nur an hohen Feiertagen sieht, hat der Öhringer auf der Bank der Orgelempore noch gar nicht bemerkt. Volles Haus beim ersten Konzert des Musik-Jahres – da freut sich auch Kantor Carl-Friedrich Meyet, der das Publikum zusammen mit Gläser wenig später bei „Orgel rockt“ begrüßt. Klassiker der Rock- und Filmgeschichte werde Gläser nun spielen, erklärt er den Besuchern. Und wenige Momente später beginnt mit Vangelis' „Conquest of Paradise“ eine ungewöhnliche musikalische Reise.

Die Orgel ist ja weithin als „Königin der Instrumente“ bekannt. Warum sie diesen Status inne hat, das rührt einerseits von ihrer Größe her, zum anderen ist es aber die große Bandbreite an Klängen, die das Instrument zu etwas Besonderen machen. Das wird an diesem Sonntag umso deutlicher, als man die meisten Stücke, die Patrick Gläser während des anderthalbstündigen Konzerts intoniert, ja auch kennt. Da raunt das „Phantom der Oper“ sich düster ins Kirchenschiff, im Anschluss lässt der Organist dort die „Angels“ von Robbie Williams fliegen und lässt den Rhythmus der (nachgeahmten) Gitarren der Metal-Band Knorkator bei deren „Kinderlied“ stampfen.

Es ist ein Traum, den sich Patrick Gläser mit seiner nun schon drei Jahre dauernden Konzertreise erfüllt hat, erklärt er. Aus der Not heraus sei die Idee einst geboren worden, als der Musiker vor einigen Jahren in seiner Heimatgemeinde nach der Gestaltung eines Orgelkonzerts gefragt wurde, jedoch auf Anhieb nicht das notwendige Repertoire an klassischen Stücken zusammenbrachte. Rock-Melodien auf der Orgel spielen, das könne er sich aber vorstellen, habe er damals dem Pfarrer gesagt und sich gewundert, als dieser der Idee sofort zustimmte. Noch mehr, als sein Konzert mit mehreren hundert Leuten voll war. Seitdem haben über 15 000 Menschen Gläsers Arrangements gehört.

James Bond lässt grüßen bei „Live and let die“ (Paul McCartney), wie geschaffen scheint das feierliche „All you need is love“ von den Beatles, und bei Gerry Raffertys „Baker Street“ vermisst man nicht mal das charakteristische Saxophon. Patrick Gläser moderiert sein Programm, erklärt den Zuhörern, was er da eben gespielt habe, sollte bei einem noch nicht der Groschen gefallen sein. Und auch eigene Stücke intoniert der freie Musik- und Tonproduzent und Komponist mit dem Schwerpunkt Audiomarketing. Darunter die Filmmusik „Schlagbäume“ und den Choral „Spirits“.

Stehende Ovationen sind der Dank nach einem mitreißendem Konzert, dem Gläser als Zugaben noch einen drauf setzt: „Nothing else matters“, die Klassiker-Ballade von Metallica, überzeugt durch eine sich stetig aufbauende Dynamik. Das Publikum ist begeistert, der Künstler auch. Und nicht zuletzt freut sich auch die Kirchengemeinde: Ein Teil der Einnahmen, die am Ende in die Gabenkörbe geworfen werden, kommt der demnächst anstehenden Renovierung der Orgel zugute.

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