KITZINGEN/MARKT EINERSHEIM

Wenn der eine zum anderen geht: Firmen tauschen Azubis

Die Industriebetriebe Franken Guss und Fritsch gehen einen in Mainfranken seltenen Weg, was ihre Lehrlinge angeht. Andere Unternehmen indes mauern hier offenbar.
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Der eine beim anderen: Dominik Will (links/Firma Fritsch) und Philipp Lewandowski (Franken Guss) haben vom Azubi-Tausch ihrer beiden Arbeitgeber profitiert. Foto: Foto: Jürgen Haug-peichl

Alles alleine machen, im eigenen Saft kochen – das ist nach gängiger Meinung keine gute Idee in Unternehmen. Längst ist es deshalb üblich, dass sich Betriebe für bestimmte Zwecke zusammentun. Vergleichsweise rar in Mainfranken ist eine solche Kooperation allerdings, wenn es um Auszubildende geht.

In dieser Hinsicht gehen die Industrieunternehmen Franken Guss in Kitzingen und Fritsch im benachbarten Markt Einersheim einen seltenen Weg.

Was der tiefere Sinn des Tausches ist

Seit 2016 tauschen sie für eine gewisse Zeit Lehrlinge. Auf diese Weise sollen „die jungen Menschen sehen, dass es auch noch eine andere Welt gibt“, beschreibt Christoph Willemsen den Sinn der Aktion. Der Personalleiter bei Franken Guss hat den Eindruck, dass die Unternehmer in Mainfranken generell für eine derartige Zusammenarbeit wenig bereit sind. Ausbilder Daniel Schubert ergänzt: „Es war schwierig, einen Kooperationspartner zu finden.“

Franken Guss suchte, Fritsch war bereit

Bei der Firma Fritsch rannte Franken Guss jedoch offene Türen ein, nachdem die Kitzinger eine ähnliche Kooperation mit einem örtlichen Unternehmen beenden mussten und auf der Suche nach einem neuen Partner waren. Für Fritsch wiederum war der Azubi-Tausch neu – das Fazit fällt schon nach zwei Jahren gut aus: Für die Lehrlinge sei die Zeit im anderen Betrieb stets aufschlussreich, betont Angelika Schäffel.

Das sieht Dominik Will ähnlich. Auch wenn der Tausch immer nur zwei Wochen dauert, habe er als Elektroniker-Lehrling bei Franken Guss Handgriffe machen können, die bei Fritsch aus betrieblichen Gründen nicht im Repertoire sind. Denn dort gebe es zwar Schaltschränke, aber sie werden Will zufolge in Markt Einersheim nicht zusammengebaut. Das durfte er dann während seiner Zeit bei Franken Guss machen, sagt der 19-Jährige aus Albertshofen (Lkr. Kitzingen).

„Ein Thema, das vielleicht noch Zeit braucht“

Mechatroniker Philipp Lewandowski aus Appenfelden im Steigerwald ist wie Will im dritten Lehrjahr und hat als Gast bei Fritsch eine andere Erfahrung gemacht: In der Endmontage all der Bäckerei-Maschinen „muss man komplett sauber arbeiten“. Sagt einer, der eher das naturgemäß Grobe einer Gießerei kennt.

Wie der Tausch geregelt ist

Geregelt ist der Azubi-Tausch in den beiden Firmen jeweils über eine Zusatzvereinbarung in den Lehrverträgen. Das habe vor allem versicherungsrechtliche Gründe, erläutert Fritsch-Personalleiterin Schäffel. Der Lohn laufe während der Zeit im anderen Betrieb ganz normal weiter. Je vier Auszubildende pro Firma sind bislang in den Genuss des Tausches gekommen, zur Hälfte Mechatroniker und Elektroniker. 2018 werde das Angebot auch auf Industriemechaniker ausgeweitet, kündigt Personalleiter Willemsen von Franken Guss an. Dass man sich durch die Aktion gegenseitig die Lehrlinge und späteren Fachkräfte abwerbe, sei keine Gefahr.

Gespräche mit den getauschten Azubis

Ausbilder Daniel Schubert bei Franken Guss gibt sich mit dem Azubi-Tausch besondere Mühe: Kommt ein Lehrling von Fritsch, macht er mit ihm ein Auftaktgespräch. Kommt ein Franken-Guss-Azubi von Fritsch zurück, läuft das ähnlich. Auf diese Weise will Schubert den jungen Kollegen und sich selbst Orientierung geben und Erfahrungen sammeln. Bei Fritsch gebe es vergleichbare Gespräche, ergänzt Personalleitern Schäffel.

IHK-Experte: Solche Kooperationen sind selten

Nach Einschätzung von Lukas Kagerbauer ist ein Schulterschluss wie bei Fritsch und Franken Guss in Mainfranken selten. Der Bereichsleiter Berufsausbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt führt das darauf zurück, dass sich viele Unternehmen einfach nicht in die Karten schauen lassen wollen. Sich bei den Azubis zusammenzutun, kenne er vor allem aus dem Medienbereich. In der Tat haben sich dafür in Würzburg die Verlage Krick, Vogel und Main-Post schon vor Jahren zur Würzburger Medienakademie (Wüma) verbandelt.

Solche Kooperationen sind für Kagerbauer „interessant“. Dass sie auch in Unternehmen anderer Branchen Wellen werfen, könne dann geschehen, wenn der Azubi- und Fachkräftemangel in Mainfranken noch schärfer wird. „Das ist ein Thema, das vielleicht noch Zeit braucht.“

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