Rüdenhausen

Wenn der Fürst seine Braut "heimführt" nach Rüdenhausen

Der junge Chef des Fürstenhauses pflegt eine alte Tradition: Otto Fürst zu Castell Rüdenhausen feiert die Heimführung seiner Frau – mit dem Ort. Was die Gäste erwartet.
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Nach der kirchlichen Hochzeit in Österreich am 15. Juni (im Bild) feiern Otto Fürst zu Castell-Rüdenhausen und seine Braut Sophia Mautner von Markhof nun die traditionelle "Heimführung der Braut" mit ganz Rüdenhausen. Foto: Teresa Marenzi und Daniel Bachler
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Das ganze Dorf einladen zur zweiten Hochzeitsparty ? Kann man machen, wenn man genug Platz hat. Im Fall von Otto Fürst zu Castell-Rüdenhausen ist das kein Problem. Denn der Chef des Fürstenhauses Castell-Rüdenhausen besitzt ein stattliches Schloss mit Park in Rüdenhausen. Das Dorf hat knapp 900 Einwohner, und diese sind allesamt eingeladen zur Party des Jahres: der Heimführung der Braut.

Diese Heimführung ist eine Tradition, die mindestens seit dem 19. Jahrhundert gepflegt wird. Das bedeutet, dass der Chef des Fürstenhauses seine Frau an den Ort ihres zukünftigen Wohnsitzes "heimführt", informiert Ludwig Dürr von der Fürstlich Castell'schen Kanzlei.

Dieses Fest ist somit Teil drei der Feierlichkeiten zur Hochzeit von Castell-Rüdenhausen mit Sophia Mautner von Markhof. Ende Dezember hatte der  Rüdenhäuser Bürgermeister Gerhard Ackermann das Paar standesamtlich getraut , Mitte Juni fand die kirchliche Hochzeit in der österreichischen Heimat der Braut statt. Nun folgt also das große Fest der Heimführung am Samstag, 3. August.

Vor 36 Jahren erlebte Rüdenhausen die letzte Heimführung

Gerhard Ackermann freut sich auf das Ereignis. "Es ist keine Pflicht, sondern etwas Besonderes, das aus Traditionsbewusstsein gemacht wird." Als Ottos Vater Johann-Friedrich zu Castell-Rüdenhausen 1983 die Heimführung von Maria Gräfin von Schönborn feierte, war Ackermann ein junger Mann. 36 Jahre später darf er das seltene Ereignis nochmals erleben – und als Bürgermeister um 12 Uhr an der Fürstlich Castell´schen Meierei die Gäste begrüßen. Darunter werden die Mitglieder des Rüdenhäuser Gemeinderats sowie Vertreter aller Vereine und Institutionen sein. Ein Zug durch den Ort bis zum Schlosspark schließt sich an.

Dort weht künftig eine neue Fahne: Die Flagge der Familie der Grafen von Schönborn (Mutter des Bräutigams) wird getauscht gegen die der Familie Ritter Mautner von Markhof (Braut). Anschließend folgt ein offizieller Teil aus Begrüßung und Reden, dem der Festbetrieb mit Imbiss und Getränken folgt. Dürr schreibt von einem "privaten Rahmen". Der fällt im Fall des Fürstenhauses allerdings sehr groß aus. Denn neben den persönlichen Gästen des Brautpaares, also Familie, Freunde und Geschäftspartner, wurde per Amtsblatt die gesamte Bevölkerung der Gemeinde Rüdenhausen eingeladen. Die darf sich dafür ruhig in Schale werfen. Von "angemessener Garderobe" ist die Rede.

Die neue Frau im Schloss ist Schuhdesignerin

Wer sich für Schuhe interessiert, sollte am Samstag übrigens einen zweiten Blick auf die des Bräutigams riskieren. Zur kirchlichen Trauung trug der 34-Jährige nämlich ein Modell, das Sophia Mautner von Markhof entworfen hat. Bürgermeister Ackermann spricht von einem guten Verhältnis zur neuen Frau im Fürstenhaus: "Es freut mich, dass unser Schloss in Rüdenhausen wieder mit Leben erfüllt wird."

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