Sickershausen

Wenn der Adventskranz von Haus zu Haus wandert

Wo er Station macht, wird es besinnlich: In Sickershausen gibt es einen "Laufenden Adventskalender". Jeden Abend ist jemand anderes Gastgeber für die Dorfgemeinschaft.
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"Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür". Die brennenden Kerzen auf dem "Laufenden Adventskranz" zeigen den Sickershäuser Kindern, wie lange es noch bis zum Weihnachtsfest dauert. Foto: Waltraud Ludwig

Gespannt sitzen die Kinder auf den kleinen Bänken. Vor ihnen liegt auf dem Boden der Adventskranz mit 24 kleinen Kerzen. "Braucht jemand noch ein Liederheft?", fragt Matthias Aigner. Nein, alle sind versorgt. Also kann es losgehen. "Wir sagen Euch an den lieben Advent" singen alle und es wird ganz still im Hinterhof. An diesem Winterabend ist Familie Aigner Gastgeber für den "Laufenden Adventskranz". Wo er Station macht, wird es besinnlich. Und obendrein stärkt das Ganze die Sickershäuser Dorgemeinschaft.

Weihnachtsmärkte gibt es zuhauf. Ruhe und Besinnlichkeit sind dagegen in der Adventszeit oft rar. Fast scheint es, als würde die religiöse Bedeutung des Advents im allgemeinen Vorweihnachtstrubel untergehen. Um einen Gegenpol zu setzen, hatte Pfarrer Simon Gahr, der evangelische Ortsgeistliche von Sickershausen, im vergangenen Jahr eine Idee: Wie wäre es, wenn sich die Ortsbewohner abends zu einer kleinen Adventsfeier treffen, die sie selbst gestalten? Zuerst waren die Reaktionen verhalten. Doch dann kam das Ganze so gut an, dass die Sickershäuser beschlossen: Das machen wir heuer auch.

Feier mit viel Liebe vorbereitet

"Laufender Adventskranz" heißt die vorweihnachtliche Aktion, an der sich nicht nur die örtliche Jugendvereinigung, der Posaunenchor, der Gesangverein und der Kindergarten beteiligen. Auch zahlreiche Familien haben sich bereiterklärt, an einem Abend im Advent Gastgeber für die Dorfbewohner zu sein. So wie Familie Aigner, die am Dienstag zu einer kleinen Adventsfeier in ihren Hinterhof eingeladen hatte. Mit viel Liebe und Mühe hatten sie diese vorbereitet: Die Kinder durften Lieder und Gedichte aussuchen, die Oma half beim Ulmer-Backen mit und Opa Reinhold sorgte für stimmungsvolle Beleuchtung und einen Christbaum.

Und so erwartet die Gäste am Dienstagabend ein schön geschmückter Hinterhof: Die Stehtische sind mit Tannenzweigen und Lichtern geschmückt, für die Kinder gibt es extra kleine Sitzbänke und auf zwei Tischen stehen drei große Behälter mit Kinderpunsch, Glühwein, Ulmer und Lebkuchen. Kurz vor 18 Uhr trudeln die ersten Gäste ein, wenig später ist der Hof voll. Während die Erwachsenen noch miteinander plaudern, nehmen die Kleinen aufgeregt auf den Bänken Platz.

"Man trifft Leute, die man das ganze Jahr nicht sieht und kommt miteinander ins Gespräch. Das ist hervorragend."
Rudolf Kehrer, Sickershausen

Dann wird es still. "Schön, dass Ihr wieder so zahlreich gekommen seid", begrüßt Christine Aigner ihre Gäste. Ein erstes Lied wird angestimmt, danach werden zehn Kerzen auf dem Adventskranz angezündet. Die Gastgeberin liest eine kleine Weihnachtsgeschichte vor und Tochter Nora ein Gedicht. Beim Lied "Kling Glöckchen, klingelingeling" dürfen alle Kinder mit kleinen Glöckchen bimmeln. Zum Schluss spricht Christine Aigner noch ein Segensgebet. Ganz still ist es zwischendurch und eine adventliche Stimmung liegt über dem Hof. Mit Glühwein und Ulmer klingt der Abend gemütlich aus.

Dass man sich jeden Tag an verschiedenen Orten im Dorf zu einer kleinen Adventsfeier trifft, finden die Sickershäuser wunderbar. "Es ist schön, abends noch einmal raus zu gehen, ein bisschen zur Ruhe zu kommen und andere Dorfbewohner zu treffen", meint Robert Uhl. Auch Andrea Studtrucker nutzt mit ihrer Familie das Angebot. "Anstatt vor dem Fernseher zu sitzen, macht man etwas zusammen. Außerdem stärkt es die Dorfgemeinschaft", erklärt die Sickershäuserin. Nicht weniger angetan ist Rudolf Kehrer: "Man trifft Leute, die man das ganze Jahr nicht sieht und kommt miteinander ins Gespräch. Das ist hervorragend." 

Glückliche Gastgeberin

Lilo Beer, die den "Laufenden Adventskranz" in diesem Jahr mitorganisiert hat, freut sich über die positive Resonanz. "Es ist total schön, dass man dadurch ganz viele Leute erreicht", sagt sie. Jeder einzelne Gastgeber gebe sich sehr viel Mühe und die Atmosphäre sei immer sehr schön. Auch Christine Aigner und ihre Familie, die bereits zum zweiten Mal eine kleine Adventsfeier organisiert hatten, waren am Dienstagabend sehr zufrieden. "Ich bin begeistert, dass wieder so viele gekommen sind. Das zeigt, dass es den Leuten gefallen hat", meinte die Gastgeberin und wirkte dabei sehr glücklich.   

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