KITZINGEN

Wenn Stahl auf Stahl knallt

Seit Ende April wird die Bahnbrücke in der Sulzfelder Straße erneuert. Die Anlieger sind seit gut zwei Monaten massivem Lärm ausgesetzt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Stahl trifft auf Stahl: Der Neubau der Bahnbrücke in der Inneren Sulzfelder Straße kostet die Anlieger Nerven. Vor allem, wenn die Güterzüge über die Hilfsbrücke donnern, nutzt auch die Dreifachverglasung der Fenster nichts mehr. Es ist extrem laut rund um den Bernbeckplatz. FOTO Siegfried Sebelka Foto: Sebelka

Seit Ende April wird die Bahnbrücke in der Sulzfelder Straße erneuert. Die alte Bahnüberführung ist inzwischen abgebaut, die Züge fahren über eine Hilfsbrücke. Während auf der einen Seite der Bau nach Plan läuft, liegen auf der anderen Seite die Nerven zunehmend blank. Die Anlieger sind seit gut zwei Monaten massivem Lärm ausgesetzt.

Ortstermin, Donnerstag, 9 Uhr, Bernbeckplatz. Wolfgang Fexer wohnt dort, höchstens 100 Meter von der Bahnlinie entfernt. Fexer ist vor ein paar Jahren in sein Elternhaus umgezogen. In dem lebt seine Mutter und einige Mieter – noch.

„Heute ist es verhältnismäßig ruhig“, sagt Fexer und wie zur Bestätigung rauscht ein ICE vorbei. Es wird zwar ein bisschen lauter, ein Zischen liegt in der Luft, aber unterhalten geht noch.

„Seit Ende April ist es hier kaum auszuhalten“, so Fexer. Es geht Tag und Nacht. Von den Ramm- und Bohrarbeiten am Anfang will er gar nicht reden. Aber von den Zügen, die Tag und Nacht unterwegs sind. Erneut folgt der Beweis direkt. Ein Güterzug donnert vorbei. Wenn die schweren Waggons über die Hilfsbrücke fahren, ist es vorbei mit der Unterhaltung. „Keine Chance“, sagte Fexer. Da helfen auch die dreifach verglasten Fenster nicht, die in einem Teil der Wohnungen eingebaut sind.

„Seit Ende April ist es hier kaum auszuhalten.“
Wolfgang Fexer Anwohner

Warum das so ist: Fexer hat Erklärungen. Einmal sind vor Beginn der Arbeiten die Schallschutzwände direkt an den Gleisen abgebaut worden. Die ebenfalls zumindest ein bisschen schützenden Bäume sind gefällt. Damit kann sich der Lärm ungehindert in Richtung Bernbeckplatz ausbreiten.

Dann ist da das Problem mit der Hilfsbrücke. „Da knallt Stahl auf Stahl“, sagt Fexer. Die Stahlträger der Brücke liegen direkt auf Beton. Auf diese Konstellation treffen die Stahlräder der Lokomotiven und Waggons. Das Ergebnis müssen die Anwohner ausbaden. „Und wir sind hier ein Wohngebiet“, sagt Fexer, „das ist unzumutbar“.

Fexer ist sich sicher, dass man die Hilfsbrücke auch anders und weniger lärmintensiv hätte bauen könne. „Technisch ist das sicher möglich, aber es kostet halt Geld“, sagt der Mann, der zu seiner aktiven Zeit bundesweit auf Baustellen unterwegs war. Auch Lärmschutz während der Bauzeit wäre möglich gewesen, aber auch das kostet.

So hat und hatte Fexer viele Fragen an die Stadt, die den Bau genehmigt hat, ebenso wie an die Bahn. Wer überprüft die Lautstärke, ist eine. Wer ist für die Einhaltung von Lärmschutzgrenzen zuständig, eine andere. Antworten oder gar Zusagen für eine Verbesserung hat er keine bekommen. Die Stadt verweist auf die Bahn. Und bei der Bahn ist es schwierig. Der Chef vor Ort darf nichts sagen. Der Bauleiter der Bahn in Nürnberg beruft sich darauf, nur für seine Baustelle zuständig zu sein. Der Rest der Fragen verschwindet im Organisations- und Zuständigkeitswirrwarr der Bahn. So sieht es zumindest Fexer.

Der und die anderen meist älteren Anlieger müssen mit dem Lärm und seinen Folgen leben, noch bis zum April 2016. Wenn bis dahin tatsächlich Mieter ausziehen oder die Miete mindern, wer ist dann zuständig? Das Wort Schadensersatz jedenfalls ging beim Ortstermin im Lärm des nächsten vorbeidonnernden Güterzugs erst einmal unter.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.