MARKTBREIT

Wenn Schüler eine Firma gründen

Sie sind keine Schüler mehr. Zumindest nicht an diesem Nachmittag. Sie sind Geschäftsleute, Finanzhaie, Unternehmer, rausgeputzt in Hemd und Sakko, Bluse und Blazer. Zumindest an diesem Nachmittag. Morgen sind sie wieder Abiturienten des Marktbreiter Gymnasiums, die auf die Abschlussprüfungen hinzittern.
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Junge Unternehmer und ihr Produkt: 14 Marktbreiter Abiturienten haben unter der Leitung von Lehrerin Gerlinde Eidel (links) eine Schul-T-Shirt-Firma gegründet. Foto: Foto: Lara Meissner

Sie sind keine Schüler mehr. Zumindest nicht an diesem Nachmittag. Sie sind Geschäftsleute, Finanzhaie, Unternehmer, rausgeputzt in Hemd und Sakko, Bluse und Blazer. Zumindest an diesem Nachmittag. Morgen sind sie wieder Abiturienten des Marktbreiter Gymnasiums, die auf die Abschlussprüfungen hinzittern.

Heute aber haben sie zur letzten Hauptversammlung der Anteilseigner ihrer Schülerfirma „DressedCool4School“ geladen. Die Firma, die Schul-T-Shirts entwickelt und vermarktet hat, soll nach anderthalb erfolgreichen Geschäftsjahren aufgelöst werden. Der Grund: Die 14 Mitarbeiter der Schulfirma sind ab Mai keine Schüler mehr. Dann haben sie ihr Abi in der Tasche und starten ins Berufs- oder Studentenleben.

Im Rahmen eines Projektseminars – ein Seminar, das jeder Gymnasiast seit Einführung des achtstufigen Gymnasiums in der Oberstufenzeit besuchen muss – haben 14 Schüler im Fach „Wirtschaft- und Rechtslehre“ die Aufgabe bekommen, eine eigene Firma zu gründen. Inklusive aller relevanten Posten, die ein Unternehmen hat: Technische Leitung, Marketing-Chef, Finanzabteilung und Verwaltung.

Neu, modern, schick

Als die jungen Leute in der elften Klasse begannen, ihr Projekt anzugehen, war schnell klar, was sie entwickeln und vermarkten wollen: Die alten Schul-T-Shirts mit dem verstaubten Spruch „Always look on the breit side of life“ hatten so langsam ausgedient. Was Neues musste her, was Modernes, schicke Shirts, mit denen man zeigen kann, Schüler des Gymnasiums zu sein.

Über die Junior gGmbH, ein Programm des Instituts der deutschen Wirtschaft, ließen die Jungunternehmer ihr Projekt laufen: Die Junior gGmbH fungiert bei Schülerfirmen sozusagen als Staat, an sie sind beispielsweise Sozialabgaben oder Steuern zu entrichten, außerdem fordert die Junior gGmbH regelmäßige Geschäftsberichte und Sitzungsprotokolle. Auf der Internetseite des Programms heißt es, Ziel sei es, „wirtschaftliche Zusammenhänge realitätsnah erlebbar zu machen.“ In Marktbreit ist das geglückt.

In einem schulinternen Wettbewerb wurden alle Schüler dazu aufgerufen, Vorschläge für ein Logo einzureichen. Gewonnen haben gleich zwei verschiedene Motive: Die Initialen der Schule – „G“ und „M“ – im Graffiti-Stil, gezeichnet von Neuntklässlerin Ivana Biscan und ein Schriftzug mit dem Baujahr der Schule – 1961 – im Stil amerikanische College-Sweatshirts, gezeichnet von Zwölftklässlerin Laura-Marie Weber.

24 verschieden Kombinationsmöglichkeiten mit den beiden Logos, verschiedenen Farben und T-Shirts, ärmellosen Tops oder Poloshirts standen für die Schüler des Gymnasiums zur Auswahl. Prospekte wurden gedruckt, Werbeplakate machten in den Fluren auf das Angebot aufmerksam, in den Pausen gab es Stände, an denen Bestellungen aufgegeben werden konnten. Insgesamt 223 Oberteile haben die 14 Abiturienten an den Schüler oder die Schülerin gebracht. Und stolze 135,33 Euro Gewinn gemacht.

Zu Beginn des Projekts vor über einem Jahr hat jeder der 14 Schüler und die fünf Firmenpaten, bestehend aus zwei Elternteilen, dem Schulleiter Toni Gernert, Marktbreits Bürgermeister Erich Hegwein und der projektleitenden Wirtschaft- und Rechtslehrerin Gerlinde Eidel, je zehn Euro als Anteil in die Firmenkasse gezahlt. Aus diesen zehn Euro pro Anteilseigner wurden im Laufe des Geschäftsjahres 17,20 Euro.

Eis für alle

Bei der Firmenauflösung am Montagnachmittag beschlossen die Schüler, sich nur ihre eingezahlten zehn Euro auszahlen zu lassen. Der Rest, je 7,20 Euro pro Schüler und die 17,20 Euro der fünf Paten werden in einen großen Topf geworfen – vom Geld gehen die Abiturienten zusammen mit Lehrerin Gerlinde Eidel essen.

Und das wieder in normalen Klamotten, denn die schicken Anzüge und Kostüme werden bis zum Abi-Ball im Schrank bleiben.

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