Die sieben Marmor-Heizkörper in dem kleinen Häuschen in Hüttenheim sind schuld: Weil sie Strom „fressen“ und der schon wieder teurer wird, hat sich Gisela Gonschorek „aufgeregt“. Über die Stromrechnung, die gar nicht zur Rente der 71-Jährigen passt. Während der Saft aus der Steckdose, mit dem das Haus gewärmt wird, in den letzten fünf, sechs Jahren explodierte, konnte die Rente nicht mal die Teuerung ausgleichen.

„Der Trend zur Altersarmut nimmt zu“

Roswitha Kramer VdK-Kreisgeschäftsführerin

Weil ihr Stromversorger schon wieder an der Preisschraube dreht und ab 1. März sechs Prozent mehr will, ist die Rentnerin aufgebracht. Weil sie sich an die ständigen Verteuerungen der Vorjahre erinnert. Den Beweis für die lange „Tradition“ der ständig höheren Rechnungen liefert der Stromordner: Seit 2005 hat sich der Preis für die Wärme aus den Marmorheizungen fast verdoppelt.

Was die dicke Rechnung noch verschärft: Die Rente von Gisela Gonschorek bleibt Lichtjahre hinter dem Preisschub zurück. Runde 30 Euro (oder fünf Prozent) stieg die in fünf Jahren. Und der Aufschlag für Heizung? Rund 1100 Euro pro Jahr sind der teure Unterschied zwischen 2005 und 2011. Ans Eingemachte geht's auch beim normalen Strom, der nach der Rechnungsakte der Rentnerin sich der Verdoppelung bis auf knapp zwei Cent (pro Kilowattstunde) angenähert hat.

Der Riesenaufschlag ist für die 71-Jährige keine Katastrophe. Dank einer Zusatzrente sei sie verhältnismäßig weich gebettet. Sie wisse aber – als ehemalige mit Rentenfragen beauftragte Sachbearbeiterin in der Verwaltungsgemeinschaft Iphofen – von den Nöten vieler älterer Menschen, bei denen die teure Heizenergie zu viel von der ohnehin mageren Altersversorgung auffrisst: „Da müssen sich viele sehr einschränken.“

Wie extrem die Situation für manche Senioren ist, beschreibt Roswitha Kramer, Kreisgeschäftsführerin des VdK, in schmerzhafter Deutlichkeit: „Viele überlegen sich. Heiz' ich, ess' ich oder kauf' ich Medikamente?“. Vor solchen Alternativen stünden viele ältere Menschen im Freistaat, die ein Opfer der zunehmenden Altersarmut seien. Nach den Zahlen des Sozialverbands seien inzwischen gut 400 000 Menschen in Bayern davon betroffen. Besonders heftig Frauen – die vor allem wegen der Jahre, die sie Kindern und Familie opferten, nur geringe Renten haben.

Gerade da schlagen die Energiekosten besonders schlimm zu: Weil die Altersbezüge zuletzt nur gering – wenn überhaupt – angehoben wurden und schon lange nicht mehr mit der allgemeinen Teuerung Schritt halten, machen die Renten unterm Strich ein Minus: laut VdK sind sie seit 1993 „real“ um acht Prozent gesunken.

Konsequenz: Immer mehr Ältere brauchen laut Kramer Sozialhilfe, müssen die Grundsicherung beantragen. Der schwere Weg ins Sozialamt treibt zwar laut Kramer nicht wenigen Älteren die Schamröte ins Gesicht, aber bevor – neben der sozialen Kälte der Politik – der Frost die Räume unterkühlt, beantragen viele Senioren die Hilfen im Landratsamt: Und da gibt's für Bedürftige Hilfen.

Allerdings sind denen Grenzen gesetzt: Wer für seine Heizkosten einen Zuschuss beantragt, bekommt laut Landratsamtssprecherin Corinna Petzold einen Zuschuss – nach einem festgelegten Wohnungsgrößenschlüssel, je nach Alter des Mietshauses und auf der Basis des Gaspreises. Und wer mit den Stromkosten Probleme hat, darf auch mit Hilfe rechnen: Runde 30 Euro pro Monat für einen Ein-Personen-Haushalt. Wer allerdings gerne wärmer wohnt oder mehr Strom verbraucht, muss das aus der eigenen Tasche zahlen.

Das Schlimme an der Geschichte: „Der Trend zur Altersarmut nimmt zu“, sagt Kramer. Einerseits seien die Renten „im permanenten Sinkflug“ und andererseits viele unabwendbare Kosten wie die für Strom und Heizung so extrem im Steigen, dass immer mehr Senioren in den Sozialhilfebereich abgedrängt und bei Frost begreifen werden, was Altersarmut bedeutet: „Sie bedeutet, die Heizung im Winter ganz klein zu stellen und manche Zimmer gar nicht mehr zu beheizen.“

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