Prichsenstadt
Stadtrat

Wenig Hilfsbereitschaft bei Hochwasser-Einsatz

Obwohl die Einsatzkräfte beim Hochwasser bis an ihre Grenzen gingen, trafen sie nicht überall auf Unterstützung. "In Prichsenstadt mussten sie sich von Anwohnern anmachen lassen", kritisierte Martin Ebert in der jüngsten Stadtratssitzung.
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Das Hochwasser überflutete Keller, Wege und Straßen. Die Feuerwehrleute waren stundenlang im Einsatz. Während in anderen Stadträten die Bürger mit anpackten, sei in Prichsenstadt keinerlei Hilfsbereitschaft vorhanden gewesen, kritisierten gleich mehrer Stadträte in der jüngsten Sitzung. Foto: Berthel
Das Hochwasser überflutete Keller, Wege und Straßen. Die Feuerwehrleute waren stundenlang im Einsatz. Während in anderen Stadträten die Bürger mit anpackten, sei in Prichsenstadt keinerlei Hilfsbereitschaft vorhanden gewesen, kritisierten gleich mehrer Stadträte in der jüngsten Sitzung. Foto: Berthel
Das jüngste Hochwasser in Prichsenstadt und den Stadtteilen verlangte von den Einsatzkräften sehr viel ab. "Die gingen bis an ihre Grenze", sagte dazu Martin Ebert (STOL) in der jüngsten Sitzung des Stadtrats. Beim Punkt "Bürger fragen - der Stadtrat antwortet" fielen auch einige deutliche Worte, da die Hilfsbereitschaft der Bürger nach den Worten einiger Ratsgmitglieder nicht überall gegeben war.

Werner Reuß, Sprecher der Bürgerinitiative "Gegen den Kanalwahn", wollte von Bürgermeister Adolf Falkenstein eine Stellungnahme zur Hochwassersituation in der Schlossgasse, zu Schutzmaßnahmen und eventuellen Ergebnissen und Kenntnissen hören. Er kritisierte, dass der Damm am Eichsee zu spät errichtet und dass das Anwesen Schlossgasse 3 nicht vor eindringendem Wasser geschützt worden sei. Er verwies darauf, dass der Kanal in der Schlossgasse sämtliches Wasser aufgenommen habe, "so dass weder Freihof- noch Kirchgasse betroffen waren. Es ist alles abgeflossen, der Kanal war es nicht." In diesem Zusammenhang forderte Reuß mit Blick auf die geplante Kanalsanierung dazu auf, "nicht an Rechenspiele zu glauben".

Der Bürgermeister erinnerte an "Niederschläge weit über das Maß hinaus" und daran, dass aufgrund des massiven Regens "die nordöstliche Stadt nicht beherrschbar war". Er verwies auch darauf, dass der Stadtrat auf seine Empfehlung hin 200 000 Euro zur Entschärfung der Hochwassersituation im Haushalt eingestellt habe. Einzelne Anwesen vor eindringendem Wasser zu schützen, sei nicht Aufgabe der Stadt, "das macht die Feuerwehr nach besten Kräften". Es sei ihm nicht möglich, alle Anwesen aufzusuchen. Falls wegen Schäden in der Schlossgasse Klage eingereicht würde, stelle sich auch die Frage, "ob der Kanal nach den Regeln der Technik gebaut wurde".

5000 Sandsäcke verlegt

"Die Hilfskräfte haben an fünf Baustellen ihr Möglichstes getan, etwa 5000 Sandsäcke verlegt und um 4 Uhr in der Frühe die Leute aufgeweckt. In manchen Ortschaften haben Leute geholfen, in Prichsenstadt mussten sich die Einsatzkräfte von Anwohnern anmachen lassen", lautete das Fazit von Martin Ebert. Diese Aussage bestätigte auch Helmut Happel (STOL), Aktiver in den Reihen der Feuerwehr: "Wir haben viele Keller leer geräumt und einige Feuerwehrler haben eine kaputte Heizung, weil sie woanders geholfen haben." Michael Glos jun. (CSU) erzählte, "dass wir uns selbst geholfen haben und auch ich habe erfahren, dass in Prichsenstadt keinerlei Hilfsbereitschaft vorhanden war".

Werner Klüber (SPD) wollte wissen, warum der Eichsee so hoch angestaut sei. "Der ist in Privateigentum, die Stadt hat da keinen Zugriff", antwortete der Bürgermeister. Ebert bezeichnete den Eichsee als Problem. "Der ist zu hoch angestaut, da kommt zu viel Wasser her und wir brauchen da einen anständigen Kanal." Eine Forderung, die mit starkem Beifall in der Runde quittiert wurde.

Lob für vorbildliche Arbeit der Helfer

2. Bürgermeister Alfons Saugel (CSU) hob die "vorbildliche Arbeit" der Helfer heraus: "Es hat alles gepasst". Bürgermeister Falkenstein richtete seinen "ausdrücklichen Dank" an die Adresse der Hilfskräfte und kündigte an, dass es da noch eine Spende an die Feuerwehren geben wird nach einem Gespräch mit den Kommandanten. Werner Reuß betonte, dass er nicht die Feuerwehr kritisiert habe, "sondern die fehlende Koordination vor Ort".
Zum Thema Hochwasserhilfe erklärte Bürgermeister Falkenstein, dass es da noch keine feste Regelung zur Entscheidung gebe, wer Geld bekomme. "Wir sollten da die Richtlinien abwarten". Harald Eger (CSU) zitierte eine Aussage von Umweltminister Marcel Huber, dass es nur im Katastrophenfall finanzielle Hilfe gebe.

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