Die Weichen für ein Großprojekt zu stellen, ist etwas Verantwortungsvolles. Dessen waren sich am Montagabend die Iphöfer Stadträte bewusst, als es darum ging, sich für Stein und Farbe der Fassade des Dienstleistungszentrums zu entscheiden. Jahrzehntelang werden die generalsanierte Alte Schule, Zwischenbau und neues Gebäude das Stadtbild prägen. Man wird das neue Dienstleistungszentrum in einem Atemzug mit dem Knauf-Museum nennen. Die Namen des Bürgermeisters und der Stadträte, die 2012 die entsprechenden Beschlüsse gefasst haben, werden in die Stadtgeschichte eingehen.
Bei solch einer Last auf den Schultern fühlte sich Otto Kolesch (SPD) überrumpelt, andere Ratsmitglieder hatten Vorstellungen, die von den Vorschlägen der Architektengemeinschaft abwichen.

Man stand also am Montagabend lange Zeit vor Farb- und Gesteinsbeispiele. Architekt Walter Böhm hatte Muster verschiedener Sandsteine mitgebracht.

Den grünen Schilfsandstein, aus dem die Alte Schule 1878 gebaut wurde, hält er von der Qualität her für kein ideales Material. Er platze leicht und sei nicht witterungsbeständig. Böhm empfahl, für die Fassade einen quarzitisch gebundenen Sandstein, den Oberkirchner Quarzit aus Niedersachsen, zu verwenden. Die monumental wirkende Fassade möchte er farblich gliedern und Akzente setzen. "Braun mit weißen Brüstungen wirkt viel einladender", sagte Böhm. Außerdem schlug er vor, die Steine zum Schutz zu lasieren, also anzustreichen.
Dies erregte den Unmut des Fachmanns Kolesch. "Der grüne Schilfsandstein lebt von seiner Struktur und seiner Eintönigkeit", sagte Kolesch und fügte hinzu: "Der fränkische Sandstein wird nicht angestrichen."
Noch lange standen die Stadträte vor dem Gebäude und diskutierten. Zurück am Ratstisch, fassten sie dann doch einige Beschlusse, auf deren Grundlage die Architekten weiterplanen können. Mit einer Gegenstimme beschlossen sie, einen quarzitischen Sandstein zur Reparatur der Fassade herzunehmen und diesen zu lasieren. Mit drei Gegenstimmen beschlossen sie, die Fassade farblich zu gliedern und zu akzentuieren. Welche Farben das Gebäude bekommen soll, dazu gab es noch kein Votum.
Ohne jegliche Diskussion stand schnell fest, dass für die Kunst am Bau der Glaskünstler Rainer John verpflichtet werden soll. Die Iphöfer hatten sich ebenfalls bei einer Abstimmung mit großer Mehrheit für den Künstler aus Althegnenberg begeistert. Auch John müsse die ungefähre Richtung wissen, wie das Gebäude künftig aussehen soll, lautete der Hinweis der Architekten.

Bald schon wird sich gegenüber dem Rathaus etwas tun.

Ende September soll nach Angaben der Architekten die Baustelle abgesichert werden. Ende Oktober sollen die ersten Gebäudeteile abgebrochen werden. Fertig soll das Großprojekt im Herbst 2014 sein. Das kann nach Auskunft der Architekten nur geschafft werden, wenn der Rohbau an Alt- und Neubau zur gleichen Zeit erledigt werden kann - und zwar im Sommer 2013.
Es gab in der Sitzung auch schon einige Details zu Einrichtung, Nutzung, Hochwasserschutz oder Heizsystem. Geändert haben sich gegenüber der ursprünglichen Planung zum Beispiel die Verteilung der Sanitäranlagen.
Um den Abwasserkanal nicht zu überlasten, werden die Abwässer aus dem Dienstleistungszentrum gesammelt und in eine Hebeanlage geleitet. Ein Regenrückhaltebecken im Außenbereich soll vor Überflutung bei Starkregen schützen. Beheizt werden soll der neue Stadtmittelpunkt mit Hackschnitzeln aus dem Stadtwald. Natürlich erfolgen Dämmung und Lüftung nach dem neuesten Stand der Technik.
Nach fast zweieinhalb Stunden Vorträgen und Diskussionen sagte Bürgermeister Josef Mend (FWG) abschließend: "Also, aus Sicht der Verwaltung wäre das Bauprojekt klar."