Volkach

Weinhotel: Verwaltungsgericht verhandelt Klage der Nachbarn

Die Baustelle Weinhotel geht auf die Zielgerade, doch vor dem Endspurt steht noch die Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Würzburg. Wird das Großprojekt doch gestoppt?
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Am Rand der Weinberge, am Ortsrand von Volkach, entsteht derzeit das Weinhotel. Anwohner, die sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen haben, klagen vor dem Würzburger Verwaltungsgericht gegen die Baugenehmigung. Foto: Michael Mößlein
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Es ist ein riesiges Gebäude, das im Osten Volkachs entsteht: Mitten in den Weinbergen liegt das "Sonnenhotel Weingut Römmert" mit seinen 104 Zimmern , das ab 1. September in Betrieb gehen soll. Doch die Nachbarn Manfred Fleischmann, Thomas Jäcklein und Winfried Langer haben sich zur Interessengemeinschaft (IG) Erlachhof zusammengeschlossen und klagen gegen die vom Landratsamt 2017 erteilte Baugenehmigung. Am Dienstag, 28. Mai, findet dazu die Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Würzburg statt.

Allzu groß scheint tags zuvor die Hoffnung Winfried Langers nicht, dass der Fall diesmal anders entschieden wird als bei den ersten beiden Anläufen im Sommer 2018. Erst hatte das Verwaltungsgericht Würzburg, dann der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in München die Eilanträge von Wolfgang Baumann, Rechtsanwalt der IG Erlachhof , abgelehnt. Der Grund dafür war die deutliche Überschreitung der Frist für einen solchen Einspruch.

"Ich bin nicht gegen Fortschritt und Übernachtungsmöglichkeiten, die bei uns tatsächlich gebraucht werden."
Winfried Langer, Winzer und Nachbar des Weinhotels

Langer und seine Mitstreiter ärgert vor allem, als Nachbar von Anfang an zu wenig in das Großprojekt einbezogen worden zu sein: "Man hätte beizeiten alle an einen Tisch holen müssen, aber das ist nicht passiert." Es sei zwar nicht notwendig gewesen, erklärt der Winzer, die Baupläne zu unterzeichnen, aber man hätte sie den Nachbarn wenigstens direkt zeigen müssen. "Das gehört sich doch so!" Für die mündliche Verhandlung erhofft er sich vor allem, persönlich erklären zu können, welche Probleme er bei dem Großprojekt Weinhotel sieht.

Langer betont abschließend: "Ich bin nicht gegen Fortschritt und Übernachtungsmöglichkeiten, die bei uns tatsächlich gebraucht werden." Er hat aber grundsätzlich Sorge, dass der Betrieb ihrer Höfe, die in den 50er-Jahren in den Außenbereich verlagert wurden, zu Konflikten mit den Hotelgästen führt. Ganz zu schweigen von den weiteren Kritikpunkten, wie fehlende Stellplätze, nicht genehmigten Kellerräumen und einer veränderten Außenfassade.

Ortstermin mit Sachverständigem war am 23. Mai

Fest steht aber, dass diese Punkte nicht Thema bei der Gerichtsverhandlung am Dienstag in Würzburg sind. Tags zuvor hat das von Anwalt Baumann stark kritisierte Kitzinger Landratsamt dennoch dazu eine Stellungnahme herausgegeben. Die Behörde verweist auf einen Ortstermin an der Baustelle in Volkach am 23. Mai. Das Ergebnis des Sachverständigen in punkto Brandschutz und durchgängige Holzfassade laute: "Das nach Bauordnung geforderte Sicherheitsniveau des baulichen Brandschutzes wird eingehalten." Zudem hält das Landratsamt die Erläuterungen des Bauherren zu den Fragen der Entwässerung, der Versammlungsräume und der Stellplätze für plausibel. Diese "werden aber noch im Detail überprüft". Derzeit bestehe kein Anlass für die von den Rechtsanwälten geforderte Baueinstellung, heißt es in dem Schreiben abschließend.

Weder einen solchen Baustopp noch eine Niederlage vor Gericht befürchtet Investor Peter Heidecker am Tag vor der Verhandlung. Er bezeichnet die erneuten Vorwürfe Baumanns als "Versuch, irgendwas zu erzählen, was ganz schlimm klingt". Erst sei von einem hässlichen Betonklotz die Rede gewesen, nun von einem gefährlichen Holzbau. Was Heidecker allerdings einräumt, sind Kommunikationsfehler, die "sicher gemacht worden sind". Vor allem zwischen dem ersten Antrag 2016 und den veränderten Bauplänen 2017. "Ich hätte nochmal auf die Leute zugehen sollen."

  • Aktuell informiert bleiben: Den Bericht über die Verhandlung lesen Sie am Dienstag hier.
Diskussion seit 2016: Überblick zum Weinhotel
August 2016: Ein erstes Konzept zu einem Wein-Erlebnishotel auf dem Gelände des Weinguts Römmert plus Flächen für Stellplätze und Weingut auf dem Grundstück gegenüber wird im Volkacher Ferienausschuss vorgestellt und gut aufgenommen. Einzig der zunehmende Verkehr steht in der Kritik.
August 2017: Mit 10:9 Stimmen lehnt der Volkacher Stadtrat die Bauvoranfrage für das laut Investor Peter Heidecker rund 20 Millionen Euro teure Projekt der Römmert Wein- und Ferienland GmbH überraschend ab.  Das Hotel war mittlerweile planerisch vom Erlachhof 1 auf das Grundstück gegenüber – mitten in den Weinbergen – gewandert.
September 2017: Zustimmung für das veränderte Weinhotel im zweiten Anlauf. Der Stadtrat stimmt mit 12:8 Stimmen den veränderten Plänen für das Hotel zu.
März 2018: Grundsteinlegung für das neue Weinhotel an den Erlachhöfen im Beisein von 100 Ehrengästen. 
Juni 2018: Niederlage vor Gericht für die Gegner des Weinhotels. Ihre Klage wird abgewiesen, weil die Frist für den Einspruch deutlich überschritten ist.
November 2018: Der Volkacher Bauausschuss genehmigt die ungeplanten Kellerräume nicht . Laut dem Investor sind diese nur aus Gründen der Stabilität entstanden. Die Gegner sprechen von 700 Quadratmetern Schwarzbau. Im zweiten Anlauf stimmt der Bauausschuss mit 7:2 Stimmen für die Nutzung des Kellers als Lagerfläche.
Mai 2019: Die Außenhülle des Weinhotels ist fertig, es fehlt nur noch der Innenausbau. Der Investor rechnet mit dem Start des Betriebs zum 1. September.

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