Kitzingen

Weinfest-Streit endet für Angeklagten glimpflich

Aus Mangel an Beweisen: Das Verfahren wegen Körperverletzung gegen einen 24-jährigen Mann hat das Amtsgericht Kitzingen eingestellt. Für ihn stand einiges auf dem Spiel.
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An einer Gefängnisstrafe vorbei kam ein 24-jähriger Mann, der vor dem Amtsgericht Kitzingen stand. Foto: Christopher Schulz

Wegen Körperverletzung musste sich ein 24-jähriger Kitzinger vor dem Amtsgericht verantworten. Bei einem Besuch des Kitzinger Weinfestes im Juni 2019 soll er einen 30-jährigen, syrischen Staatsbürger mit mehreren Faustschlägen und Tritten derart verletzt haben, dass dieser sich in ärztliche Behandlung begeben musste.

Eigentlich habe er sich zusammen mit seiner Freundin nur mit Freunden auf dem Weinfest treffen wollen, schilderte der Beschuldigte vor Gericht den Vorfall, doch dann sei das mutmaßliche Opfer, das ebenfalls mit einer größeren Personengruppe unterwegs war, aufgetaucht, habe sich neben ihn gestellt und angefangen, ihn zu beleidigen.

Auseinandersetzung zwischen Streithähnen

Daraufhin kam es zur Auseinandersetzung zwischen den beiden Streithähnen, die sich aus einer Shisha-Bar, in der der Syrer arbeitete und der Angeklagte häufiger zu Besuch war, kannten. Er habe sich aber nur verbal gewehrt, beteuerte der Angeklagte. Körperlich angefasst habe er sein Gegenüber nicht. Für den 24-Jährigen stand in der Verhandlung einiges auf dem Spiel. Schließlich ist er wegen anderer Delikte bereits auf Bewährung. Der mutmaßlich Geschädigte belastete den Angeklagten mit seiner Aussage. Dieser habe ihm mehrere Schläge und Tritte in den Bauch und ins Gesicht versetzt und ihn darüber hinaus durch verbale Aussagen in0 seiner Ehre gekränkt. Mehrere ihm bekannte Begleiter hätten die Tat gesehen.  An deren Namen könne er sich aber nicht erinnern. „Wenn ich jemanden kenne, weiß ich in der Regel auch seinen Namen,“ erwiderte Richterin Patricia Finkenberger.

Der 30-Jährige, der von einem Dolmetscher unterstützt wurde, führte weiter aus, dass der Angeklagte schon in früheren Jahren in der Shisha-Bar mehrfach auffällig geworden sei und Drogen konsumiert habe. Auch an besagtem Abend auf dem Weinfest habe der Beschuldigte auffällig große  Augen gehabt, was nach Meinung des mutmaßlich Geschädigten auf einen Drogenkonsum hingedeutet habe. Dies bestritt der Beschuldigte jedoch vehement. Er sei clean und nehme keine Drogen. Auch Alkohol habe er nicht getrunken.

Kein belastbares Material

Belastbares Material lag diesbezüglich weder der Staatsanwaltschaft noch dem Gericht vor. Ebenso wenig weiter brachte Richterin Finkenberger  die Zeugenaussage eines Freundes des mutmaßlichen Opfers, der mit diesem das Weinfest besucht hatte. Der Zeuge verstrickte sich vor Gericht nämlich in Widersprüche. Zunächst gab er an, genau gesehen zu haben, wie der Angeklagte seinen Freund geschlagen und getreten habe, nur, um hinterher festzustellen, dass sich das Geschehen in seinem Rücken abgespielt hatte. Den Einwand der Richterin, wonach man nicht sehen könne, was hinter einem passiere, wenn man nach vorne blicke, beantwortete der Zeuge mit dem Hinweis, das könne man am Bewegungsablauf erkennen.

Die Staatsanwaltschaft wie auch die Richterin überzeugte das freilich nicht. Aufgrund dieser Aussagen könne man niemanden einsperren, stellte Finkenberger fest. Dementsprechend plädierte sie für eine Einstellung des Verfahrens. Dem Urteil stimmte die Staatsanwaltschaft zu. Den sichtlich erleichterten Angeklagten, der zuvor beteuert hatte, aus seinen früheren Fehlern gelernt zu haben und reifer geworden zu sein, verabschiedete die Richterin schließlich mit den Worten: "Ich hoffe, wir sehen uns nicht mehr wieder.“

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