Würzburg
Gericht

Weihnachtsmarkt-Besucher pinkeln in die Kirche

Nach viel Glühwein verrichteten zwei Weihnachtsmarkt-Besucher ihre Notdurft in der Marienkapelle. Kombiniert mit Beleidigung machte das 2700 Euro an Geldstrafe.
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Beim Besuch des Würzburger Weihnachtsmarktes haben zwei Touristen aus Thüringen im vergangenen Dezember nach einigen Bechern Glühwein die Würzburger Marienkapelle teilweise unter Wasser gesetzt: Eine Frau, die am frühen Nachmittag zum Beten in der Kirche war, ist durch kräftiges Plätschern auf die Männer aufmerksam geworden, als diese durch ein schmiedeeisernes Gitter in eine Nische im Altarraum pinkelten.

Einem 31 Jahre alten CNC- Programmierer aus Zella-Mehlis ist gestern vom Amtsgericht Würzburg die Rechnung für den "Ausrutscher" präsentiert worden: Eine Geldstrafe in Höhe von 2700 Euro wegen Störung der Religionsausübung und anschließender Beleidigung von insgesamt sechs Polizeibeamten. Der Tourist hatte sich mit dem vorweihnachtlichen Kult-Getränk, wie später festgestellt wurde, 1,3 Promille angetrunken. Er kann sich angeblich überhaupt nicht daran erinnern und hält es für ausgeschlossen, dass er jemals in der Kirche war - schon gar nicht zum Pinkeln.

Die Zeugin, die in ihrer Andacht gestört worden war, hatte die Kirche sofort verlassen, um die Polizei zu verständigen. Sie sah drei Männer, als die grölend die Kirche verließen, darunter die beiden Pinkler. In der einen Hand hielten sie den Glühwein-Becher, mit der anderen zogen sie den Reißverschluss an ihren Hosen hoch. Die Zeugin blieb an den Männern dran, bis Polizeibeamte den "Fall" übernehmen konnten.

Pinkeln plus Beleidigung

Die Geldstrafe von 2700 Euro berücksichtigt auch die Beleidigung von insgesamt sechs Polizeibeamten - noch am Weihnachtsmarkt, auf der Fahrt zur Polizeiinspektion und später auf dem Weg zum Bahnhof. Es fielen Worte wie "Bullenschwein" aufwärts und der "Stinkefinger" kam zum Einsatz. Zu einem Polizeibeamten, der den Vorfall aufnahm, sagte der Angeklagte: "Du willst doch nur einen Stern mehr an der Uniform, aber aus Dir wird sowieso nichts mehr."

Gegen den Strafbefehl von 2700 Euro hatte der Mann aus Thüringen Einspruch eingelegt und gehofft, dass bei einer Verhandlung erheblich weniger oder sogar ein Freispruch "rauskommt". Da hatte er sich allerdings hoffnungslos verschätzt.

Die Richterin war davon ausgegangen, dass der Angeklagte gesteht und hatte deswegen keine Zeugen geladen. Da der Glühwein-Trinker davon überzeugt ist, dass er gar nicht in der Kirche war und schon gar nicht Polizisten beleidigt habe, wollte sie einen neuen Verhandlungstermin ansetzen und dazu alle Zeugen laden - insgesamt acht, darunter auch den zweiten Pinkler. Der Hinweis des Staatsanwalts, dass die Sache dann erheblich teurer wird, kam bei dem Angeklagten an: Er zog seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurück.

Tipp von der Richterin

Sein Kumpel hatte für "nur Pinkeln", ohne Beamten-Beleidigung, einen Strafbefehl über 1500 Euro erhalten und den sofort bezahlt. Richterin Martina Pfister-Luz richtete zum Schluss noch einen Hinweis an den Angeklagten, falls er in diesem Jahr wieder den Würzburger Weihnachtsmarkt besuchen sollte: "Ich kenne im Umfeld des Weihnachtsmarktes einige Gelegenheiten, wo man solche Bedürfnisse viel billiger erledigen kann."

In Thüringen kam der CNC-Fräser, der früher im Gartenbau gearbeitet hat, erst mit erheblicher Verspätung an: Im Regionalzug nach Erfurt war er aufgefallen, weil er rauchte und keine Fahrkarte hatte. Da er Polizeibeamte, die ihn in Bad Neustadt aus dem Zug holten, wieder erheblich beleidigte, nahmen die ihn mit und steckten ihn erst mal in eine Ausnüchterungszelle.


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