DETTELBACH

Weggang der Franziskaner: leidet Dettelbach?

Die Franziskaner verlassen Dettelbach nach 400 Jahren. Das hat Auswirkungen auf den Ort - auch auf den Tourismus.
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Thomas Dauenhauer, Besitzer des "Franziskaner" Foto: Robert Wagner
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„Nichts bleibt, wie es ist“, sagt Thomas Dauenhauer. 400 Jahre war das Kloster in Dettelbach im Besitz der Franziskaner. Vier Jahrhunderte betreuten die Brüder die Wallfahrt zur Kirche Maria im Sand. In wenigen Monaten ist Schluss. Dann könnte auch der Tourismus im Ort ins Straucheln geraten.

Dauenhauer ist Vorsitzender des Verkehrs- und Gewerbevereins und Besitzer des Hotels „Franziskaner“ direkt an der Wallfahrtskirche. Und er ist besorgt. „Die Wallfahrer sind bei uns im Haus ein großer Faktor“, sagt der Gastronom – und das nicht nur als Namensgeber. „Wir sind ja 1870 als Versorgungsstätte für die Wallfahrer entstanden.“ Sollte sich der Abgang der Franziskaner auch auf die Wallfahrt auswirken, schlage das auch auf den Tourismus durch. Da ist sich Dauenhauer sicher.

Auch Mathias Weissmann schwant Schlimmes. Der 72-Jährige ist nicht nur seit 34 Jahren Kirchen- und Stiftungspfleger der Wallfahrtskirche, sondern führt Touristen auch durch „seine“ Kirche. „Wenn sich rumsprechen würde, dass die Kirche nicht mehr besetzt ist, dann würden ganz schnell viele Busse nicht mehr kommen. Dann wäre der Tourismus in Dettelbach für mich gestorben.“

Drängendes Thema

Soweit ist es gottlob noch nicht. Sicher ist bisher nur, dass die Mönche zum Februar 2017 Dettelbach verlassen werden. Dann geht das Kloster zurück an die Diözese Würzburg – so wie es Fürstbischof Julius Echter vor 400 Jahren in einer Urkunde vorgesehen hat. Das betont Weissmann vehement. Denn damit würde der „Ball“ in Würzburg liegen. Die Nutzung des Klostergebäudes, die Pfarrstellen in der Stadtkirche und in Maria im Sand und nicht zuletzt die Pflege der Wallfahrt müsse dann zunächst dort geklärt werden.

„Die Wallfahrt ehrenamtlich zu betreuen, das ist nicht machbar“, sagt der Kirchenpfleger. Allein 70 gemeldete und organisierte Gruppen pro Jahr, dazu unzählige unangemeldete Besuchergruppen – das sei so nur schwer stemmbar.

In den Tagen nach Bekanntwerden der schlechten Nachricht wird in Dettelbach viel diskutiert. Zunächst natürlich darüber, wie es mit der Pfarrgemeinde weitergeht. Und wie traurig es ist, dass Dettelbach mit den Franziskanern ein Stück seiner Seele verliert. Schließlich aber auch darüber, wie sich der Weggang ökonomisch auswirken wird.

Ob und wie sehr der Tourismus leiden werde, ist bisher noch nicht absehbar. Die Brüder seien zwar „seit vielen Generationen sehr gute Nachbarn“ gewesen, sagt Hotelier Dauenhauer. Auf den Tourismus selbst hätten sie als Mönche aber keinen Einfluss. „Ich denke nicht, dass wir im Fremdenverkehr viel davon merken werden“, sagt Franziska Lichtenauer vom Kultur- und Kommunikationszentrum daher. Wichtiger seien der Wein, die Wander- und Radwege und der Main, erklärt die Tourismusexpertin.

Die Zahlen scheinen ihr Recht zu geben. Knapp 60 000 Übernachtungen verzeichneten die Dettelbacher im Jahr 2014. Das sind nach Volkach die zweitmeisten im Landkreis – fast 60 Prozent mehr als in Kitzingen. Dabei stehe bei den Gästen Natur, Erholung und Kultur sehr hoch im Kurs. Zwar schaue sich fast jeder zweite die Wallfahrtskirche an, die Wallfahrt selbst oder gar das Kloster hätten hingegen weniger touristische Bedeutung, sagt Lichtenauer.

„Dettelbach ist kein Ort, um acht Tage lang Urlaub zu machen“, betont Kirchenpfleger Weissmann. „Dettelbach hat den Nimbus der alten Gebäude und christlichen Geschichte.“ Dazu gehöre aber eben auch, diese zu betreuen und zu pflegen.

Unklare Ursache

Der Gastronom Dauenhauer versucht zu differenzieren: Einerseits seien die Wallfahrer „ja nicht zum Schlemmen gekommen.“ Andererseits sei ein Kaffee in der Stadt aber schon drin. „Und schließlich isst auch der Wallfahrer mal was.“

Zwar habe sich das Verhalten der Wallfahrer in den letzten Jahren sehr verändert. So würden die wenigsten länger in der Stadt bleiben. „Die Bedeutung der Wallfahrer für uns Gastronomen ist in den letzten 30 bis 40 Jahren stark gesunken“, sagt Dauenhauer. Dennoch würden viele, die einmal nach Dettelbach gepilgert seien, die Stadt auch so noch einmal besuchen. Wenn, ja wenn, sie ihnen denn gefallen hat. Und genau hier liegt laut Dauenhauer das Problem.

Der Tourismus sei ein sehr fragiles Gebilde. Ein Restaurant, das völlig überfüllt ist, schreckt ab. Eines, in dem kein Gast zu sehen ist, wirkt nicht anziehend. Genauso ist es auch mit einer ganzen Stadt, erklärt Dauenhauer. Heute sei es schwierig, als Gastwirt zu überleben. Zwar stehe die Gastronomie im Kitzinger Raum noch sehr gut da – „nur“ knapp 15 Prozent aller Betriebe hätten in den letzten zehn Jahren aufhören müssen. Zum Vergleich: In Bayern waren es fast 40 Prozent. Allerdings sei in den letzten 50 Jahren mehr als die Hälfte aller Gastronomen in Dettelbach verschwunden.

Ein negativer Trend

Wenn ein Tourist durch eine leere Stadt streift, dann werde er sich auch nicht lange aufhalten – und sicher nicht wiederkommen. „Die Altstadt wird immer leerer, diesen Negativtrend haben wir einfach“, sagt der Besitzer des „Franziskaner“. Sollte durch den Weggang der Brüder die Wallfahrt leiden, dann würde sich dieser Trend sicher noch einmal verstärken.

Dabei sind es letztlich Nuancen, die entscheiden. „Wenn ich sehe, wie viele Hotels in Würzburg und Umgebung gebaut werden, dann bekomme ich schon Bauchschmerzen“, fährt Dauenhauer fort. Der Konkurrenzkampf ist groß. Ein Alleinstellungsmerkmal wie die Wallfahrt und das Kloster ist deshalb Gold wert. Der Hotelier nennt als Beispiel den Streit um die Verlegung des Staatsarchivs nach Kitzingen. Über die paar zusätzlichen Arbeitsplätze hinaus habe so eine Entscheidung oft auch Auswirkungen auf eine Stadt als Tourismusstandort.

Und auch die „Publicity“ sei wichtig. Wenn man eine Stadt mit negativen Nachrichten verbindet, dann wirke diese automatisch weniger attraktiv. Und der Abzug der Franziskaner ist auf jeden Fall eine negative Nachricht.

Welche Folgen Dettelbach schließlich tatsächlich treffen werden, hängt stark von den Entscheidungen der nächsten Monate ab. Fest steht bis dahin nur eins: Nichts bleibt, wie es ist.

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