WIESENTHEID

Was wir beten ist was wir glauben

Jungen Leuten das Evangelium von Jesus Christus weitersagen, anstatt sie ins Gefängnis zu stecken: So hat der anglikanische Bischof Gerhard Meyer seine Berufung beschrieben.
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Seine Kirche ruht auf drei Säulen: Auf Einladung von Pfarrer Martin Fromm (links) war der anglikanische Bischof Gerhard Meyer in Rüdenhausen und Wiesentheid und gestaltete Gottesdienste. Der frühere Schwanbergpfarrer Johannes Halkenhäuser (Mitte) zählte zu den Zuhörern. Foto: Gerhard Krämer Foto: Gerhrad Krämer

Jungen Leuten das Evangelium von Jesus Christus weitersagen, anstatt sie ins Gefängnis zu stecken – so hat der anglikanische Bischof Gerhard Meyer in Wiesentheid seine Berufung beschrieben. Auf Einladung von Pfarrer Martin Fromm war er am Wochenende in den evangelischen Kirchen Rüdenhausen und Wiesentheid und gestaltete mit ihm die Gottesdienste.

Bei einer Begegnung nach dem Gottesdienst schilderte der Bischof Stationen seines Lebens und informierte über seine Kirche. Aus einer evangelischen Landeskirche kommend, erhielt er als Kind und Jugendlicher seine geistliche Prägung in einer Baptistengemeinde. Seinen ersten Beruf als Polizist in Frankfurt/Main gab er auf zugunsten seiner Berufung in den Dienst an Jugendlichen. Seine theologische Ausbildung in Deutschland und den USA führte ihn zur anglikanischen Kirche, die Gedanken der Reformation und der katholischen Tradition vereint und sich daher als „Brückenkirche“ versteht.

Heute amtiert Meyer als Bischof der Anglikanischen Kirche in Deutschland, auch bekannt als Reformierte Episkopalkirche. Dazu gehören derzeit sechs Gemeinden mit 120 Mitgliedern an verschiedenen Orten in Deutschland. Der Bischofssitz befindet sich im hessischen Schwarzenborn. Das weitläufige Gelände am Knüllköpfchen steht vor allem der Jugend offen. Gruppen können dort Freizeiten veranstalten. Eine Jausenstation versorgt Wanderer. Seit 2014 leben zwei junge Männer als anglikanisch-benediktinische Mönche dort. Einer ist im Kindergarten tätig, der zweite kümmert sich neben seinen Aufgaben als Prior um Asylbewerber. Ein weiterer Pater lebt in einer Außenstation. Außerdem hat sich kürzlich eine Novizin der Gemeinschaft angeschlossen.

Meyer ist überzeugt davon, dass die stark liturgisch geprägten Gottesdienste gerade Menschen ansprechen, die nach Orientierung im Leben und Glauben suchen: „Was wir beten ist was wir glauben.“ An jedem Morgen und Abend lädt die Gemeinde zu Stundengebeten ein. Am Dienstag- und Samstagabend feiern die Mönche Abendmahl, sonntags Gottesdienst. Am Donnerstag bietet der Bischof Unterricht über Grundlagen des Glaubens an.

Dass seine Gemeinde zahlenmäßig klein ist, entmutigt ihn nicht. Die Mutterkirche, die Anglican Church of North America, zähle 120 000 Mitglieder, die anglikanische Kirchengemeinschaft weltweit 85 Millionen, von denen freilich nicht alle die Reformierte Episkopalkirche anerkennen. Manchen Schwesterkirchen sei sie zu bibeltreu, erklärte Meyer. Seine Kirche ruhe auf drei Säulen: der Bibel, der Tradition und dem Verstand.

Auf die anglikanische Gemeinde wurde Martin Fromm durch eine Neuübersetzung des dortigen Gottesdienstbuches (Book of Common Prayer) aufmerksam. Nach der Klostergründung vertiefte der Ökumenebeauftragte des evangelischen Dekanats Castell den Kontakt auch als Zeichen der Verbundenheit der benediktinischen Orden auf dem Schwanberg und in Schwarzenborn. Im Sommer verbrachten die Geistlichen des Dekanats einen Studientag bei den Anglikanern, dem nun der Bischofsbesuch folgte.

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