Es ist ein großartiger Moment: Die Urkunde in der Hand zu halten, den Beifall der Menschen zu empfangen, Respekt und Anerkennung zu spüren. Die jedes Jahr im Juli organisierten Friedenspreisverleihungen sind ganz besondere Ereignisse.

Aber was passiert danach? Wie geht es weiter, wenn der Festakt vorbei ist? Wir hörten uns um. Und stellten ganz verschiedene Entwicklungen fest. Einige Preisträger sind nach wie vor mit großem Engagement bei der Sache. Andere gibt es (jedenfalls so) nicht mehr.

Er wisse leider Gottes noch immer nicht, wer einmal seine Arbeit übernehmen wird, klagt Erwin Koch. Der 67-Jährige erhielt vor zwei Jahren den Friedenspreis. Seit rund 25 Jahren kümmert sich der Senior aus Unfinden im Kreis Haßberge um krebskranke Opfer der Tschernobyl-Katastrophe aus der ukrainischen Region Tscherkassy. Die von ihm gegründete Initiative „Hilfe für Tschernobyl-Kinder“ hat zwar einige Mitglieder. Doch für die konkrete Arbeit haben die wenigsten Zeit. Und vielleicht auch nicht jene Courage, die Erwin Koch auszeichnet.

So muss man ganz schön dickfellig sein, um mit den Zumutungen der ukrainischen Behörden zurechtzukommen. Viel Energie kostet daneben das Zusammenstellen der Hilfstransporte, der Transport selbst und das Päckchenverteilen vor Ort. Das Elend sei in der Ukraine immer noch groß, Hilfe weiter nötig, so Koch: „Ich war richtig schockiert von dem, was ich sah, als ich im Winter wieder in Tscherkassy war.“

Den Friedenspreis erhalten Menschen, die sich für Frieden, Völkerverständigung und gewaltfreie Konfliktlösung einsetzen. Ein wenig aus der Reihe tanzten die „Frauen für die Vielfalt“, die 2010 den Preis erhielten. Die von fünf Kitzinger Landkreisbürgerinnen getragene Initiative kämpfte gewaltfrei gegen Gentechnik-Konzerne an.

Recht bald nach der Preisverleihung scheinen sich Gräben zwischen den fünf Frauen aufgetan zu haben. Sie und eine andere Aktivistin seien aus der Gruppe „hinausgeworfen“ worden, berichtet Barbara Keller. „Wir haben hiergegen nicht gekämpft, sondern beschlossen, das im Sinne des Friedenspreises zu ertragen“, meint die Gründerin des Saatgut-Festivals in Iphofen. Keller zufolge gibt es die Initiative nicht mehr. Nachfolger soll eine Frauengruppe namens „Wir für Vielfalt“ sein.

Manches Engagementfeld liegt, wie bei Erwin Koch, viele Autostunden von Unterfranken entfernt. Aber auch direkt vor Ort engagieren sich Friedensaktivisten. Petra Eicke-Abelmann-Brockmann zum Beispiel erhielt vor sieben Jahren den Friedenspreis, weil sie sich seit 1999 im Lengfelder „Arbeitskreis Integration durch Sprache, Sport, Spiel für Neubürger mit Migrationshintergrund“ engagiert.

Das tut sie im Ökumenischen Zentrum des Stadtteils immer noch. „Aktuell haben wir vier Konversations- und Sprachkurse verschiedener Schwierigkeitsgrade mit insgesamt 58 Teilnehmern“, berichtet sie. Eicke-Abelmann-Brockmann bereitet den Unterrichtet vor und hält ihn, sie leitete eine Theatergruppe innerhalb des Arbeitskreises und organisiert Fahrten für die Kursteilnehmer.

Langen Atem erfordert der Kampf gegen rechte Strömungen in der Gesellschaft. Dieser Aufgabe hat sich der „AK Gehwissen“ aus Iphofen verschrieben. Er gründete sich im Jahr 2000. Damals wollten Neonazis in Iphofen aufmarschieren.

Hunderte Iphöfer waren grimmig entschlossen, den Nazis entgegenzutreten. Ihr Engagement mündete in die „Iphöfer Erklärung“ gegen Gewalt, Rassismus, Extremismus, Angst, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz. 2001 erhielt der Arbeitskreis den Friedenspreis – wobei er damals noch „AK Gewissen“ hießen. „Der Name wurde als sehr moralisierend empfunden und deshalb geändert“, sagt Hanjo von Wietersheim, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Iphofen, der dem AK angehört. Nach seinen Worten gibt es heute „deutlich weniger“ Mitglieder als vor 13 Jahren: „Das liegt unter anderem daran, dass es in letzter Zeit keine Ereignisse mehr in Iphofen gab.“

Durch Addis Mulugeta bekamen viele Menschen eine Ahnung, was es heißt, Asylbewerber in Deutschland zu sein. Als Gründer des Zeitungsprojekts „Heimfocus“ erhielt der Äthiopier 2011 den Friedenspreis. Das Magazin existiert weiter mit gutem Erfolg, so Mulugeta: „Als ,Stimme für Menschen' hat es sich nach mittlerweile 16 Ausgaben einen überregional guten Namen gemacht und ist thematisch breit aufgestellt.“ Die Zeitschrift habe einen kleinen Beitrag dazu geleistet, dass Bewegung in die bayerische Asylpolitik gekommen sei: „So sind die Essenspakete an vielen Orten Vergangenheit. Und wir hoffen, dass auch die Residenzpflicht bald fällt.“

Würzburger Friedenspreis

Der Würzburger Friedenspreis wird am Sonntag, 20. Juli, 11 Uhr, im Mainfranken Theater (Foyer) zum 20. Mal verliehen – an eine Gruppe oder Einzelperson aus Unterfranken, die sich für Frieden, Völkerverständigung und gewaltfreie Konfliktlösung eingesetzt hat. Heuer geht der Preis an den katholischen Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose.

Der Preis ist mit 1500 Euro dotiert und wird verliehen vom Komitee Würzburger Friedenspreis, in dem sich – neben etlichen Einzelpersonen – über 20 Gruppen und Parteien zusammengeschlossen haben.

Kontakt über die E-Mail info@wuerzburger-Friedenspreis.de