Volkach

Was die Volkacher am Tourismus mögen – und was sie nervt

Überfordert der Tourismus die Volkacher in der Altstadt? Zu Jahresbeginn wirkte es fast so. Doch die Erkenntnisse des Anwohnertreffs überraschten sogar Marco Maiberger.
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Das Interesse am ersten Anwohnertreffen der Altstadtbewohner von Volkach im Februar 2019 war groß, gut 100 Bürger kamen. Nun stellte Tourismuschef Marco Maiberger die Ergebnisse dem Volkacher Stadtrat vor. Rechts im Bild die Moderatorin des Abends, Annette Schmidt. Foto: Guido Chuleck

Die Stimmung schien vergiftet zu Jahresbeginn: Volkach tue zu viel für die Touristen, zu wenig für die Anwohner. Das war in Leserbriefen und den sozialen Medien zu lesen. Die Kritik war so laut, dass es der Tourismusverein als notwendig ansah, sich öffentlich hinter Tourismuschef Marco Maiberger zu stellen. Zu rechten Zeit kam der erste Anwohnertreff Altstadt Ende Februar, den die Touristinfo zusammen mit dem Verein und Bürgermeister Peter Kornell organisiert hatte. Dessen Ergebnisse präsentierte Maiberger am Montagabend dem Volkacher Stadtrat. Und seine Freude über den gelungenen Abend voller Lob – und voller konstruktiver Kritik – war ihm deutlich anzumerken.

"Die Diskussion im Januar und Februar hat mich betrübt, was die Arbeit der Touristinformation angeht", sagte Maiberger vorab. Mit dem Treffen für Altstadt-Anwohner im Schelfenhaus habe man manchen Dingen auf den Grund gehen wollen. Und den Bewohnern auch mal Danke sagen. Das Konzept scheint aufgegangen zu sein. Der Tourismuschef bezeichnete den Abend als "sehr, sehr gutes Miteinander" und nahm als Erkenntnis mit: "Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird."

"Die Arbeit der Touristinfo wird alles in allem gelobt."
Bürgermeister Peter Kornell

Auch Bürgermeister Kornell freute sich in der Statdratssitzung: "Die Arbeit der Touristinfo wird alles in allem gelobt." Zur Sprache gekommen seien an dem Abend viele Alltagsthemen und auch die Belastung durch den Tourismus. Die sei da, räumte Kornell ein, aber sie habe längst nicht alles überlagert.

Äußern konnten sich die Bürger zu Themen wie touristische Infrastruktur (Parken, Beschilderung), Gastronomie, Veranstaltungen und Lebensqualität in der Altstadt sowie der Planung für 2019. Zu diesen Bereichen schrieben die Anwohner auf Zettel, was sie gut finden, was schwierig – und wie ihr Verbesserungsvorschlag lautet. Angefangen von fehlenden Parkplätzen in der Altstadt über kontroverse Ansichten zum Thema Fußgängerzone bis zu Menschen, die nachts laut feiern, wurden Dutzende Dinge angesprochen. Viele waren darunter, die die Touristinfo nicht ändern kann. Die Themen anpacken müssen die Stadt (mehr Abfalleimer und Toiletten, Freibad erhalten), die Gastronomie (laute Warenanlieferung nachts um 3 Uhr) oder die Anwohner selbst (lang herumstehende Mülltonnen).

Sperrstunde draußen auf 22 Uhr verkürzt

Die vierseitige Liste als Ergebnis des ersten Anwohnertreffs haben alle Stadträte erhalten. Gastro und Handel bekommen die Auswertung ebenfalls und die Stadtverwaltung wird sich damit befassen. Ziel sei es, erläuterte Maiberger, die Veranstaltung jährlich zu wiederholen. Dann könne man auch zeigen, was sich verändert hat. Ein konkretes Beispiel ist bereits jetzt die frühere Freiluft-Sperrstunde in Volkach: Vor den Gaststätten draußen ist seit diesem Jahr um 22 Uhr Schluss.

Das wiederum könnte allerdings denen missfallen, die sich sogar mehr Nachtleben ("Wir sind ja kein Altersheim!") wünschen und sich auf "einen langen Sommer am Brunnen" freuen. Das ist vielen Punkten der Liste gemein: Sie zeigen zwei Seiten derselben Medaille. Während die einen finden, "der Tourismus hat nichts mehr mit Gemütlichkeit zu tun", sind mehrere begeistert von der "Volkacher Lebensart". In einem Punkt waren sich aber anscheinend alle einig: Nur Lob gab es für Gästeführer, Touristinfo und deren Chef. "Super, dass wir Herrn Maiberger haben", stand auf einem Zettel.

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