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Nordheim

Was Walter Braun nach 50 Jahren Main-Post noch immer antreibt

Außergewöhnliches Jubiläum: Seit 50 Jahren schreibt und fotografiert der Nordheimer Walter Braun für die Zeitung. Zum 70. Geburtstag verrät er eine weitere Leidenschaft.
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Immer im Einsatz: Walter Braun (links) beim Interview mit dem ehemaligen Bundestrainer Erich Ribbeck. Die AH-Mannschaft des SV/DJK Sommerach kickte 2015 gegen eine prominent besetzte Dortmunder Auswahl, zu der auch Ribbeck gehörte.   Foto: Archiv Walter Braun
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Vor fünf Jahren, zu seinem 65. Geburtstag, hatte Walter Braun noch ein großes Ziel: 50 Jahre Zeitung wolle er erreichen, sagte er damals. Und heute? Hat er als freier Mitarbeiter der Main-Post genau dieses außergewöhnliche Ziel erreicht. Aber ans Aufhören denkt der Nordheimer deshalb noch lange nicht. Das Schöne an der Zeitung sei, sagt Walter Braun beim Gespräch kurz vor seinem 70. Geburtstag, dass er sich immer wieder neu beweisen könne. Von gelangweilter Routine keine Spur. "Wenn ich zu einem Termin gehe, stehe ich immer noch unter Strom wie am ersten Tag."

Erstaunlich angesichts tausender Termine, auf denen der Vater von drei Kindern und Opa von zwei Enkeln in seinem Leben war. Der erste, wenig überraschend für einen Nordheimer Ureinwohner, war im Herbst 1970 während der Weinlesezeit.

"Wenn ich zu einem Termin gehe, stehe ich immer noch unter Strom wie am ersten Tag."
Walter Braun, seit 50 Jahren freier Mitarbeiter

Damals war ein Termin bei der Nordheimer Winzergenossenschaft und deren damaliger Chef sagte: "Mensch, Walter, schreib doch mal, wie die Ernte heuer war." Und ab da schlittert der gelernte Industriekaufmann mit späterer Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter rein ins Zeitungsgeschäft. Dabei immer an seiner Seite: seine Martha, sein "Sechser im Lotto". Das diktiert er der Reporterin in den Block; das muss rein in den Artikel. Die Sommeracherin ist die erste Liebe seines Lebens; ihr begegnet er beim Faschingstanz 1970. Ein halbes Jahr später trifft er auf seine zweite Liebe: das Reporterleben.

Welch großes Glück, dass seine Ehefrau (seit 1972) und die Zeitung als zeitaufwändige Geliebte sich von Anfang an so gut verstehen. Walter Braun, Kürzel "wabr", schreibt und fotografiert; sie entwickelt zuhause die Bilder und fährt sie in die Redaktion nach Kitzingen. Die Aufträge häufen sich. So sehr, dass Braun in den 1980er-Jahren bis 1992 sogar hauptberuflich als Reporter für die Main-Post unterwegs ist.

Sein Metier ist vor allem die Sportberichterstattung für die Ausgabe Gerolzhofen/Kitzingen. Da kennt sich der erfolgreiche Leichtathlet, Fußballer und Tischtennisspieler aus. Nach und nach kommen mehr lokalpolitische Aufgaben hinzu, vor allem in Nordheim und Sommerach. Und damals wie heute gilt: "Martha ist die Zweitleserin jedes Berichts." Erst dann geht er raus an die Redaktion – heute natürlich längst online. 

Und was bleibt einem Zeitungsreporter im Gedächtnis nach fünf Jahrzehnten voller Termine?  Schwer zu sagen, findet er. Die Promis vielleicht, wie Ex-Bundestrainer Erich Ribbeck, den er nach einem Freundschaftsspiel der Sommeracher AH-Mannschaft gegen eine Dortmunder Auswahl interviewt. Der Mensch dahinter ist es auch, der Braun an Gräbern von Prominenten fasziniert. Er outet sich als Fan solcher Grabstätten. "Wenn ich da hingehe, sehe ich Heinz Rühmann und Gert Fröbe vor mir." Als Reporter aber mache er keine Unterschiede, welchen Status jemand habe.

Das ist ihm sehr wichtig: "Ich war immer neutral, egal, wie ich behandelt wurde." Dieses Wie registriert der 70-Jährige genau. Er ist eher sensibel als abgeklärt, ärgert sich schon mal länger, wenn jemand unfair zu ihm ist. Umgekehrt hat er aber auch viele schöne Begenungen abgespeichert. So wie das Wiedersehen mit Reinhard Rauball, dem Präsidenten des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund. Als der ihn beim Sommeracher Weinfest sieht, schert er aus dem Reigen der Ehrengäste aus und begrüßt den Nordheimer: "Hallo, Braun, wie geht's dir denn mein Freund?"

Das Gesicht der Main-Post ist Walter Braun aber auch, weil seine Frau dort seit 25 Jahren die Zeitung austrägt. "Ich bin eigentlich nur der Handlanger." Aber gemeinsam stehen sie täglich um 2 Uhr nachts auf und drehen ihre Runden. Alles zu Fuß. Das ist auch gut für die Gesundheit, die bei ihm wegen des Diabetes etwas angeschlagen ist. Doch so hält den 70-Jährigen der Zeitungsjob doppelt fit. Und vielleicht gelingt ihm sogar noch ein weiteres Jahrzehnt freie Mitarbeit. Tatsächlich fehlt ihm im Landkreis noch eine Gemeinde auf der Liste: "Rödelsee ist der einzige Ort, an dem ich noch nie einen Termin hatte."

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