Konzentriert sind einigen Mädchen und Buben dabei, mit Bleistiften Maße auf Furnierholz zu übertragen. Mit dem Meterstab messen sie noch einmal nach. An die Tafel hat Fachlehrer Peter Nun eine Materialliste geschrieben. Zwei Mädchen setzen eine Ständerbohrmaschine in Betrieb.

Wir sind in der Lehrwerkstatt für Schreiner in der stattlichen Berufsschule Kitzingen und erleben mit, wie ein knappes Dutzend Mittelschüler aus der achten Jahrgangsstufe eine für sie neue Welt entdecken. Im Moment sind sie damit beschäftigt, sogenannte Cajons zu bauen. Das sind Holzkisten, auf denen man später sitzen und trommeln kann. Auch praktische Dinge wie Spielbretter oder Behälter für Stifte entstehen. Eine größere Herausforderung steht den Schülern noch bevor. Der Fachverband der Schreiner hat einen Bausatz für einen Profi-Tischkicker zur Verfügung gestellt, den sie demnächst zusammenbauen dürfen. Wenn er fertig ist, wird er in einer der Schulen aufgestellt.

„Mittelschule und Berufsschule in Kooperation“, kurz MuBiK, heißt das Projekt. Als Versuch begonnen hat das Ganze 2013. Weil sich schnell ein Erfolg zeigte, soll es auch in Zukunft fortgesetzt werden, erklärte der Schulleiter der Berufsschule, Frank Delißen, bei einem Pressegespräch. Schüler 8. Klassen der Paul-Eber-Mittelschule, der Mittelschule Siedlung und seit heuer auch der Mittelschule Buchbrunn werden über zehn bis zwölf Wochen für jeweils drei Stunden die Schreinerwerkstatt der Berufsschule besuchen. Dort sollen sie unter Anleitung von Peter Nun die Möglichkeiten der Holzbearbeitung kennenlernen und in den Beruf des Schreiners hineinschnuppern.

„Für alle Beteiligten an den Schulen ist es eine große Herausforderung, den Schülern einen erfolgreichen Übergang von der Mittelschule in die Berufsausbildung zu garantieren“, ist sich Delißen mit der Schulleiterin der Paul-Eber-Schule, Birgit Säger, dem Leiter der Siedlungsschule, Friedrich Tasch, und der Leiterin der Schule in Buchbrunn, Christa Feineis, einig.

Schwieriger Übergang

„Der Übergang von der Mittelschule in die Berufsschule ist für die Jugendlichen oft schwierig“, weiß Stephan Kropf, der Fachbetreuer für Holztechnik. Zunächst habe man versucht, Klassen für das Projekt zu gewinnen. Das sei gescheitert. Jetzt kommen einzelne Schüler in die Lehrwerkstatt. Die Schüler sind mit Begeisterung dabei, sagt der Konrektor der Paul-Eber-Schule, Friedrich Maag-Holzgartner. Er unterstützt an der Berufsschule gezielt Schüler einer Berufsvorbereitenden (BIJ) Klasse, die nachträglich noch den Quali oder einen Mittelschulabschluss anstreben.

„Die Schüler sind hochmotiviert“, bestätigt auch Säger. Durch die räumliche Nähe der Schulen zueinander lasse sich die Kooperation gut in den Unterrichtsablauf integrieren, sagt sie. Und noch ein Lerneffekt komme dazu: Die Schüler stellen sehr schnell fest, dass man auch als Schreiner so ungeliebte Fächer wie Mathe oder technisches Zeichnen braucht. „Vielleicht strengt sich ja dann der eine oder andere dann im Unterricht mehr an“, hofft er. Begeistert von der Idee ist auch der Obermeister der Schreinerinnung Frank Ackermann. Er und seine Kollegen hoffen, dass sich möglichst viele der jungen Menschen für eine Ausbildung im Schreinerhandwerk entscheiden. Eine Hoffnung, die sich im Jahr 2013 bereits erfüllte. Einige, die am ersten Projekt teilnahmen, haben die Ausbildung zum Schreiner gewählt. Norbert Zwicker, der Leiter des staatlichen Schulamtes, begrüßt das Projekt. Das würde man seitens der Schulen gerne auf weitere Berufe ausdehnen. Das Problem: Es gibt weder extra Unterrichtsstunden, noch lässt das enggeschnürte Budget des Schulamtes eine Ausweitung des Projektes zu, so Zwicker.