Dettelbach

Warum Dettelbachs Kämmerer vom Stadtrat Sparsamkeit fordert

Ein Hauch von vorweihnachtlichem Frieden wehte durch den Sitzungssaal im Dettelbacher Rathaus: Denn bei der Abstimmung über den Haushaltsplan für das nächste Jahr herrschte absolute Einigkeit. Der Stadtrat verabschiedete einstimmig den Stellenplan, die Haushaltssatzung und das Investitionsprogramm für die nächsten vier Jahre.
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Der letzte Teil des Euerfelder Baugebiets "An der Bibergauer Straße" soll 2020 erschlossen werden. Entsprechende Finanzmittel wurden im Haushaltsplan der Stadt Dettelbach eingestellt. Foto: Walter Sauter
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Ein Hauch von vorweihnachtlichem Frieden wehte durch den Sitzungssaal im Dettelbacher Rathaus: Denn bei der Abstimmung über den Haushaltsplan für das nächste Jahr herrschte absolute Einigkeit. Der Stadtrat verabschiedete einstimmig den Stellenplan, die Haushaltssatzung und das Investitionsprogramm für die nächsten vier Jahre.  

Zufrieden fasste Stadtkämmerer Thomas Mayer die finanzielle Lage Dettelbachs zusammen: "Die Haushaltslage lässt eine solide Finanzplanung zu." Der Überschuss aus dem Verwaltungshaushalt, der nicht zur Deckung von Schulden verwendet werden müsse, betrage rund 1,7 Millionen Euro. Daraus ergebe sich ein Spielraum für einige noch nicht in Zahlen festgeschriebene Vorhaben für 2020 wie den Bauhof, das städtische Verwaltungsgebäude oder die Maintalhalle.

Stadt soll sparsam wirtschaften

Weil notwendige Voruntersuchungen noch nicht abgeschlossen sind, seien für diese Vorhaben aber noch keine Mittel im Haushaltsplan eingestellt, informierte Mayer. Daher machte er deutlich: "Wie bei einer schwäbischen Hausfrau ist eine sparsame Haushaltsführung unbedingte Voraussetzung, um die bevorstehenden Aufgaben finanziell zu bewältigen."

Denn 2020 finden sich bereits einige Großprojekte wie die Sanierung des Götzhauses am Marktplatz und der Umbau der ehemaligen Schule zwischen Bibergau und Effeldorf in eine Kindertagesstätte im Haushalt. Beide schlagen mit jeweils einer halben Million Euro zu Buche. Enthalten sind zudem weitere kostspielige Maßnahmen wie die Erschließung der Baugebiete "Am Bromberg" in Dettelbach und "An der Bibergauer Straße" in Euerfeld sowie die Sanierung der Kläranlage.

Einige Großprojekte im Haushalt

"Es ist aus unserer Sicht sehr positiv, wie sich derzeit unsere Finanzlage darstellt", freute sich der Fraktionsvorsitzende Roland Nagel (FW). Er zählte vor allem den abnehmenden Schuldenberg und die Rücklagen in Höhe von 7,7 Millionen Euro auf. "Damit haben wir den erforderlichen finanziellen Spielraum für wichtige und kostenintensive Zukunftsaufgaben", erklärte er. Nagel begrüßte es, dass sich Anträge und Vorschläge seiner Fraktion im Haushaltsplan finden: die Anschaffung mobiler Geräte zur Geschwindigkeitsmessung, den Radweg zwischen Effeldorf und Dettelbach-Bahnhof oder das kommunale Förderprogramm für regenerative Energien.

Das Thema Energie lag auch CSU-Fraktionschef Marcel Hannweber am Herzen. Es seien zwar "wichtige Dinge für die Stadt im Etat berücksichtigt" worden. Maßnahmen zum Energiesparen oder für regenerative Energien seien aber aus seiner Sicht bisher "stiefmütterlich behandelt" worden. Als Beispiele, die sich zügig umsetzen ließen, führte er die Umstellung von Straßenlampen auf LED-Beleuchtung, die konsequente energetische Sanierung städtischer Gebäude oder den Aufbau eines Nahwärmenetzes für den Osten Dettelbachs an. Er plädierte nachdrücklich für eine "Energiewende für Dettelbach", die er als Zukunftsaufgabe sieht.

Wie lange reichen die Rücklagen?

"Wir haben in den Haushalt reingepackt, was ging", stellte der SPD-Fraktionsvorsitzende Manfred Berger fest. Als wichtige Vorhaben bezeichnete er die Baugebiete in Dettelbach und Euerfeld. Dabei seien ihm sowohl der soziale Wohnungsbau als auch bezahlbare Mieten "ganz wichtige Anliegen". Was ihm aber fehle, sei die Ansiedlung von Gewerbe, das "nicht nur Lkw-Verkehr bringt". Er merkte ebenfalls an, dass einige Projekte im Haushalt noch nicht berücksichtigt seien, die Rücklagen aber in zwei Jahren aufgebraucht sein könnten: "Wir übergeben dem neuen Bürgermeister und dem neuen Stadtrat ein dickes Brett zum Bohren."

Dettelbachs Haushaltsplan 2020
Fast 250 Seiten dick ist Dettelbachs Haushaltsplan für 2020. Der Verwaltungshaushalt schließt mit 23,6 Millionen Euro ab. Sein Volumen erhöht sich somit um 3,9 Prozent. Die Einkommensteuer-Beteiligung mit 40 Prozent und die Gewerbesteuer mit 31 Prozent sind bei den Einnahmen die größten Posten.
Der Vermögenshaushalt beläuft sich auf fast 8,2 Millionen Euro. Die Einnahmen speisen sich vor allem aus der Entnahme von Rücklagen mit 51 Prozent und aus der Zuführung aus dem Verwaltungshaushalt mit 24 Prozent. Baumaßnahmen rangieren mit 79 Prozent bei den Ausgaben mit großem Abstand an erster Stelle.
Positiv entwickelt haben sich die Schulden, die seit 2014 sinken. 2020 sollen sie unter 2,5 Millionen Euro liegen. Die Pro-Kopf-Verschuldung würde sich dann auf 334 Euro belaufen und bis 2023 auf 268 Euro sinken. Steigern müsse die Stadt laut ihres Kämmerers die Finanzkraft, die mit 657 Euro unter dem Landesdurchschnitt liege.

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