Etwashausen

Warenbezugsgenossenschaft: Gärtner kaufen gemeinsam ein

Der Zusammenschluss der Etwashäuser feiert sein 100-jähriges Bestehen. Die Gemeinschaft gilt als Erfolgsgeschichte. Der Zukunft sehen die Genossen gelassen entgegen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Den genossenschaftlichen Raiffeisen-Gedanken leben und praktizieren die Etwashäuser Gärtner mit ihrer Warenbezugsgenossenschaft. Foto: Rene Schmiedel
+2 Bilder

Die Warenbezugsgenossenschaft Etwashausen wird in diesem Jahr 100 Jahr alt, aber ihr Auftrag und das Geschäftsmodell der Genossenschaft ist heute so aktuell wie im Jahr der Gründung, im Jahr 1919. Dass die Gärtner im Einkauf ihrer Waren gemeinsam stark sind, gilt heute wie damals und sie müssen nicht dem Handel Gewinnspannen überlassen, sondern profitieren direkt von einer strategischen und guten Einkaufspolitik.

Die Etwashäuser Gärtner hatten schon vorher zusammen Waren bestellt, doch nachdem das Finanzamt einst Probleme mit der Steuer machte, schritten die Etwashäuser zur Genossenschafts-Gründung. Ein erster Standort der Genossenschaft war in der Oberen Neuen Gasse und seit dem Jahr 1964 befindet sich das Genossenschaftsgelände in der Richthofenstraße.

Genossenschaft zählt 100 Mitglieder

Schon seit 25 Jahren steht Harald Herr als Geschäftsführender Vorstandsvorsitzender an der Spitze der Genossenschaft, die weiteren Vorstandsmitglieder sind heute Rudolf Nagel, Birgit Knott und Gerhard Lauck II, Aufsichtsratsvorsitzende ist Rosa Neubert. Die Genossenschaft umfasst 100 Mitglieder, davon 40 aktive Gärtner. Die Mitglieder sind hauptsächlich Gärtnereien aus Etwashausen, Albertshofen, Mainsondheim und Segnitz, es gibt aber auch Mitglieder weit über Kitzinger Landkreisgrenzen hinaus.

"Einkaufen kann bei uns jeder, da sind wir ganz offen", sagt Herr. Seit 1985 hat die Genossenschaft für Nicht-Mitglieder geöffnet und gewinnt dadurch jährlich rund zwei neue Mitgliedsbetriebe, weil der Mehrwert der Genossenschaft die Kunden überzeugt. Herr schildert das Geschäftsmodell, nachdem die Genossenschaft einer schwarzen Null verpflichtet ist und Überschüsse eines Geschäftsjahres als Rückvergütung sofort wieder an die Mitglieder zurückfließen. Weil die Genossenschaft große Mengen bewegt, kann sie weit bessere Einkaufspreise für ihre Mitglieder erzielen, als wenn jeder selbst einkaufen würde. Produktionsmittel wie Gewächsfolien, Kartonagen, Verpackungsmittel oder Nützlingen und Düngemittel für den Gemüseanbau kauft die Genossenschaft in großen Mengen ein und erzielt dadurch einen Jahresumsatz von rund 650 000 Euro.

Die Waren müssen abgeholt werden

Setzte die Genossenschaft einst ganze Eisenbahnzüge an Lose-Torf um, hat sich das total geändert. Denn vor Jahrzehnten zogen die Gärtner ihre Jungpflanzen noch selbst, während die meisten Gärtner die Jungpflanzen heute zukaufen und deswegen kaum noch Torf brauchen. Die Warenbezugsgenossenschaft arbeitet grundsätzlich als Abholgeschäft und Herr sieht den Standort in der Richthofenstraße als ideal an. Die Gemüseanbauer machen 70 Prozent des Umsatzes aus und die restlichen 30 Prozent laufen über Zierpflanzen-Gärtner.

Die Verantwortlichen der Jubiläums-Genossenschaft sind sich des Strukturwandels im Gartenbau und der erhöhten Anforderungen des Handels bewusst. "Wenn wir am Ball bleiben und die aktuellen Trends im Gemüse- und Zierpflanzen-Anbau aufgreifen, wird es unsere Genossenschaft noch lange geben", ist sich Herr sicher. "Jetzt wird ordentlich gefeiert, Grund genug haben wir als alteingesessene Genossenschaft", meint der Geschäftsführende Vorstandsvorsitzende.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren