LANDKREIS KITZINGEN

Wald vor Wild lautet die Prämisse

Es ist keine große Überraschung: Die revierübergreifende Drückjagd auf Wildscheine im Steigerwald, über die wir am Montag berichtet haben („Im Sauen-Paradies herrscht Aufruhr“) hat in Internet-Foren zu Diskussionen geführt: Die Jagd wird dort äußerst kritisch gesehen, ihr Sinn in Frage gestellt.
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Umstritten: Tierfreunde stellen den Sinn von Drückjagden in Frage, Experten halten dagegen. Foto: Foto: Ralf Weiskopf

Es ist keine große Überraschung: Die revierübergreifende Drückjagd auf Wildscheine im Steigerwald, über die wir am Montag berichtet haben („Im Sauen-Paradies herrscht Aufruhr“) hat in Internet-Foren zu Diskussionen geführt: Die Jagd wird dort äußerst kritisch gesehen, ihr Sinn in Frage gestellt.

Das Ergebnis der Treibjagd, die gleichzeitig in 17 Jagdrevieren stattfand, liegt jetzt vor: Insgesamt 27 Schwarzkittel wurden zur Strecke gebracht. Tierfreunde bewegt dieser Abschuss von Wildschweinen. Für diese Zeitung Grund genug, bei Fachleuten noch einmal nachzuhaken, warum so eine Treibjagd nötig ist.

„Wir brauchen wirksamere Methoden, den Sauen beizukommen.“
Alois Kraus, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes.

Befragt nach ihrer Einschätzung wurden Manfred Engelhardt, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz (BN), der Revierförster Stefan Kraus (Wiesentheid) und der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Alois Kraus.

„Für den Tierschutz müssen in einem besonderen Umfeld wie dem Wald andere als die sonst üblichen Maßstäbe gelten“, sagt Engelhardt. Für den Naturschutz gelte die Prämisse „Wald vor Wild“. Bei den Verbiss-Schäden spiele das Rotwild die Hauptrolle. Angesichts der immensen Schäden für die Landwirte durch die Sauen seien verstärkte revierübergreifende Jagden durchaus ein Mittel. Dies gelte auch wegen der steigenden Zahl von Unfällen mit Schalenwild.

Ein Problem sei überdies der zunehmende Maisanbau, der im Landkreis allerdings bei vergleichsweise geringen zehn Prozent der Anbaufläche liege. Der BN plant laut Engelhardt demnächst eine Veranstaltung zum Thema Wild und Verkehrssicherheit, wobei man auch über Geschwindigkeitsbeschränkungen auf besonders gefährdeten Streckenabschnitten nachdenken müsse. „Manchmal muss sich auch menschliches Verhalten ändern“, findet Engelhardt.

BBV-Mann Kraus sagt, seitens der Landwirte begrüße man grundsätzlich jede Maßnahme, die helfe, die Zahl der Wildschweine zu minimieren. „Wir brauchen wirksamere Methoden, den Sauen beizukommen“, fordert der Obmann. Vom Hochsitz alleine könnten die Jäger das Problem nicht in den Griff bekommen. Die Landwirte wollen die Jäger unterstützen, wo dies möglich ist.

Kraus spricht in diesem Zusammenhang allerdings von einer schwierigen Situation und verhärteten Fronten. „Ich hoffe bei diesem leidigen Thema auf eine baldige Einigung, die dann zum Erfolg führt.“

Der Revierleiter des Forstbezirkes Wiesentheid, Stefan Kraus, begrüßt Drückjagden ebenfalls. Sie seien die einzige Möglichkeit, dass mehrere Jäger pro Rotte zum Schuss kommen. „Der Einzelne hat hier keine Chance.“ Eine begrenzte Anzahl von Wildschweinen sei für den Wald kein Problem. Sie durchpflügen und lockern den Boden.

Ein Problem sei aber inzwischen, dass die Tiere die Einzäunungen von neugepflanzten Waldflächen eindrücken. Das führt dazu, dass damit der Weg frei wird für das Rot- und Damwild. Das führe dann zu Verbiss-Schäden an den jungen Bäumen.

Ebenfalls zum Problem geworden seien die Wildschweine in Eichen- und Buchenwäldern. „Die Tiere fressen inzwischen fast die gesamte Saat weg“, sagt Stefan Kraus. Eine Naturverjüngung werde dadurch erschwert, da kaum noch Keimlinge aufgehen.

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