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Dettelbach

Wahlforum: Viele Dettelbacher haben ihren Favoriten gefunden

Es ist ein spannendes Rennen ums Bürgermeisteramt in Dettelbach: Mit dem Wahlforum der Main-Post startete der Endspurt. Wie haben die Kandidaten die Zuhörer überzeugt?
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Wahlforum in der Dettelbacher Maintalhalle: 750 Besucher kamen, um sich die Bürgermeisterkandidaten Joachim Beck, Matthias Bielek und Marcel Hannweber anzuhören. Foto: Fabian Gebert
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Das Wahlforum in Dettelbach ist schon im vollen Gange, als eine Frau in den vorderen Reihen ihren Mann anstupst und ihm zuflüstert: "Ich bin gespannt, ob die anderen dann auch solche Fragen gestellt bekommen." Da sitzt mit Marcel Hannweber (CSU) gerade der erste Bürgermeisterkandidat zum Einzelgespräch mit Moderator Andreas Brachs auf der Couch. Und muss passen bei der Frage nach der Legende von Maria im Sand. Seine beiden Konkurrenten Joachim Beck (parteilos, SPD) und Matthias Bielek (Freie Wähler) können währenddessen kurz durchschnaufen. Sie dürfen später auf dem Sofa Platz nehmen.

750 Zuhörer sitzen in der ausverkauften Maintalhalle beim zweiten Wahlforum der Main-Post nach dem in Kitzingen. Erstaunlich daran ist, das zeigt auch die eingangs geschilderte Szene aus der zweiten Reihe: Es ist trotz der Menschenmasse sehr ruhig; die Leute hören aufmerksam zu. Und sie verfolgen sehr genau, was die drei Männer zu den Themen Leerstände, Infrastruktur, Verkehr und Klima zu sagen haben. Und wie sie auf die Fragen der beiden Redakteure Andreas Brachs und Michael Mößlein reagieren.

Lesen Sie hierzu den Kommentar.

Wahlentscheidung schon getroffen

Über die Hälfte der Leute, beweist eine Publikumsfrage zu Beginn des Abends, hat ihre Wahlentscheidung schon getroffen. So wie Benedikt Schraud aus Dettelbach, der sich als guter Freund von Marcel Hannweber zu erkennen gibt. An seinem Favoriten, ist sich der 28-Jährige sicher, wird sich auch nichts mehr ändern. "Aber ich bin gespannt, ob er sich gegen einen ausgebildeten Moderator und einen Schauspieler durchsetzen kann." Damit gemeint sind Sportmoderator Bielek und Hoteldirektor Beck, der früher auf der Bühne unzählige Rollen verkörperte.

Nun gehört die Bühne allen drei Männern, die Bürgermeisterin Christine Konrad gerne im Rathaus beerben möchten. Und das Trio konzentriert sich auf die sachliche Diskussion zu den vielen Themen, die in ihren Augen in Dettelbach dringend angepackt gehören. Nur in den drei Minuten, die den Kandidaten eingangs alleine gehören, blitzt Angriffslust durch. Später hören sich die Antworten teilweise eher nach Kuschelkurs an. Das macht es schwieriger, die Unterschiede zwischen den drei Bewerbern herauszufiltern, doch das konstruktive Miteinander haben sie sich alle groß auf die Fahnen geschrieben für die Amtsperiode ab Mai.

Damit entsprechen sie dem Wunsch Christoph Grabers aus Euerfeld. Der 48-Jährige ist mit einem Favoriten in die Veranstaltung gegangen, "aber das kann sich noch ändern". Er erwarte sich von dem Abend, den Bürgermeisterkandidaten zu finden, der es schafft, aus dem Stadtrat ein Team zu bilden, das die Interessen der Bürger vertritt. Die Stadtratsmitglieder sollten sich auf die Sachpolitik konzentrieren.

Lauter Applaus für gute Ideen

Genau darauf liegt der Fokus von Hannweber, Bielek und Beck an dem Abend. Zwar sind manche Reihen klar der CSU oder den Freien Wählern zuzuordnen, doch auch Außenseiter Joachim Beck bekommt lauten Applaus, wenn das Publikum seine Ideen zu schätzen weiß.

Den Blick von hinten über das gesamte Geschehen haben Karin Zängler (49) und Petra Sauer (52). Die beiden Dettelbacherinnen helfen im Kolping-Stand, hätten sich sonst aber eine Karte gekauft. Sauer erwartet von den Kandidaten, "dass ihre Stärken und Schwächen zum Vorschein kommen". Für Zängler ist "Herr Beck noch nicht so präsent". Darum sei sie auch auf ihn gespannt. Einen Favoriten haben sie zwar schon, den Abend wollten sie aber keinesfalls verpassen. "Wann hat man schon die Chance, die Drei im direkten Vergleich zu erleben? Das ist mega-interessant", sagt Zängler.

Altbürgermeister Reinhold Kuhn unter den Gästen

Die Frage ist dann nur noch, wie dieser direkte Vergleich interpretiert wird. Das fragt sich auch Altbürgermeister Reinhold Kuhn (CSU), der in der Pause angeregt über die erste Hälfte des Wahlforums diskutiert. Wichtig sei es, dass die Leute "das ein oder andere hinterfragen", so Kuhn. Sicherlich spielt er damit auch auf die ebenso guten wie kostspieligen Vorschläge der Kandidaten an, die letztlich für die Stadt auch bezahlbar sein müssen.

Damit geht's in den zweiten Teil des Abends, der unter anderem die Schnellfragerunde beinhaltet. So erfahren die Zuhörer, dass nur Marcel Hannweber sich um eine Anlegestelle für Ausflugsschiffe bemühen würde, nur Joachim Beck mit der Arbeit des Stadtrats zufrieden ist und dass (angeblich) keiner der drei Männer je nackt im Dettelbacher Baggersee gebadet hat. Lautes Gelächter.

Nach dem letzten Themenblock zum Klima sind die Zuschauer an der Reihe. Von Müdigkeit keine Spur: Zehn Fragen zur Altstadtsatzung, der Feuerwehr, zum Kopfsteinpflaster am Marktplatz und fehlenden Hallenkapazitäten, und noch immer lauscht die volle Halle diszipliniert. Nur wenige streichen frühzeitig die Segel. Wer bis zum Ende durchhält, hört noch, wie Hannweber seine Aussage vom drohenden, gesellschaftlichen Zusammenbruch mit dem Mangel an Ehrenamtlichen erklärt. Und  wie Bielek sich von der Bürgermeisterin (ebenfalls FW) abgrenzt: "Ich bin nicht Christine Konrad." Was er anschließend hinzufügt, scheint allen Kandidaten – und dem Publikum – gleich wichtig zu sein: "Egal, wer Bürgermeister wird, wichtig ist, dass es wieder ein Wir gibt."

Die Favoriten haben sich bestätigt

Das bestätigt Christoph Graber. Da geht es schon auf 23 Uhr zu, aber viele Dettelbacher stehen noch im Foyer der Maintalhalle und diskutieren das Gehörte. Dem Euerfelder hat gefallen, dass es sehr sachlich war und "dass man in die Zukunft blickt". Sein Favorit habe sich bestätigt. So geht es auch Petra Sauer und Karin Zänglein, deren Entscheidung sich gefestigt hat. Und was sagt Benedikt Schraud? Er findet, sein Freund Marcel Hannweber habe das super gemacht, "besser als gedacht". Doch er mache sich keine Sorgen, falls er es nicht werden sollte: "Die haben alle einen sehr guten Eindruck hinterlassen."

Der Verlauf des Abends im Live-Ticker.

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