„Hier wird der Wählerwillen mit Füßen getreten. – Eine Schande. Soviel zur Kollegialität.“ oder „Frechheit“. Dazu Buhrufe aus den Reihen der Zuhörer. Die Wahl von Günter Bauer zum stellvertretenden Bürgermeister von Sulzfeld endete am Montagabend mit einem Eklat.

Insider hatten es kommen sehen. Nachdem bei den Kommunalwahlen am 16. März nicht wie in den vergangenen Wahlperioden nur die „Sulzfelder kommunale Liste“ (SKL) angetreten war, sondern mit der Wählergemeinschaft pro Sulzfeld (WPS) ein Konkurrent zur Wahl stand, war politischer Streit programmiert. Zwar hatte Bürgermeister Gerhard Schenkel (SKL) mit 1190 Stimmen gegenüber seinem Konkurrenten Heinrich Hofmann (1055 Stimmen) die Nase vorne, doch die WPS erzielte mehr als einen Achtungserfolg. Sechs der zwölf der Ratssitze gingen an die neue Gruppierung und ihr Kandidat Ulrich Luckert holte bei der Wahl mit Abstand die meisten Stimmen (1235).

„Von uns tritt keiner an, wir wollen keinen Trostpreis.“
WPS verzichtet auf den dritten Bürgermeister

Mit Heinrich Hofmann schickte die WPS am Montag ihren Spitzenkandidaten in die Wahl zum Stellvertreter Schenkels. Die SKL schlug Günter Bauer vor. Der hatte es bei der Wahl mit 514 Stimmen gerade noch in das Gremium geschafft hatte. Es kam wie es kommen musste. Die Ratsmitglieder der SKL nutzten ihre Einstimmenmehrheit. Günter Bauer wurde mit sieben zu sechs Stimmen gewählt. Der Protest der unterlegenen WPS und der Mehrheit der Zuhörer kam heftig. Vorwürfe aus dem Wahlkampf wurden laut; die Mannschaft der SKL musste sich „mangelnde Größe“ vorwerfen lassen. Ratsneuling Johannes Luckert drehte Bauers Vereidigung durch Schenkel demonstrativ den Rücken zu.

Als es um die Wahl eines weiteren Stellvertreters ging und unter anderem Ulrich Luckert vorgeschlagen wurde, lautete die Antwort aus den Reihen der WPS: „Von uns tritt keiner an, wir wollen keinen Trostpreis.“ Die Wahl wurde auf einen späteren Zeitpunkt vertagt.

Eine gute Stunde nahm dann die Beratung der Geschäftsordnung in Anspruch, an der auf Antrag der WPS eine ganze Reihe von Änderungen vorgenommen wurden. Wichtigstes Ergebnis für die zukünftige Arbeit: Die Ausschüsse (siehe auch nebenstehenden Bericht) sollen zur Hälfte mit Mitgliedern des WPS und der SKL besetzt werden. Dennoch entbrannte, als es um die Besetzung des Bau- und Umweltausschusses ging, erneut eine Debatte und es kam zu Vorwürfen seitens des WPS.

Dass der neue Rat auch einstimmige Beschlüsse fassen kann, zeigte sich bei der Abstimmung über die Entschädigung, die die Ratsmitglieder für ihr Ehrenamt bekommen sollen. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, das Sitzungsgeld auf 25 Euro je Sitzung anzuheben. Bisher gab es 20 Euro. Jürgen Johanni schlug vor, es bei 20 Euro zu belassen. Das Gremium stimmte diesem Vorschlag zu. Beifall gab es für den neu gewählten stellvertretenden Bürgermeister Günter Bauer. Dem stünden 161,76 Euro monatlich zu. Bauer gab sich mit 100 Euro zufrieden.

Um weit mehr ging es bei der Entschädigung für Bürgermeister Schenkel. Bei einer Gemeinde in der Größe Sulzfelds stünde ihm monatlich ein Betrag zwischen 2681 Euro und 4022 Euro zu. Der Betrag richtet sich nach der Einwohnerzahl und dem Arbeitsaufwand. Würde man nur die Einwohnerzahl als Maßstab nehmen, würde Schenkel 2908 Euro bekommen. In einer schriftlichen Begründung, warum, wie in der Vergangenheit eine höher Entschädigung angemessen sei, hatte Schenkel unter anderem mit einem hohen Zeit- und Arbeitsaufwand begründet. Mit 3821 Euro lag die Entschädigung Schenkels bisher bei 95 Prozent des gesetzlich vorgesehenen Höchstbetrages. Einige der neuen Ratsmitglieder wollten den von Schenkel geltend gemachten Mehraufwand nicht gelten lassen. Gegen drei Stimmen segnete das Gremium die Aufwandsentschädigung in Höhe von 3821 Euro ab.