Kitzingen

Vortrag über den Wert unserer Lebensmittel

Bio-Unternehmer Ferdinand Plietz kritisiert die Knausrigkeit der Deutschen, wenn es um den Kauf von Lebensmitteln geht und fordert zum Umdenken auf.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bio-Erzeuger Ferdinand Plietz zeigte bei seinem Vortrag in Kitzingen Preis und Wert von Lebensmitteln auf und bezog das Publikum aktiv mit ein. Foto: Andreas Ruhsert

"Kaum jemand wäre bereit, bewusst 60 bis 80 Euro für ein Kilogramm Kaffee auszugeben", ist sich Ferdinand Plietz sicher. Dass viele Kaffeegenießer auf andere Art sehr viel Geld für ihr Heißgetränk bezahlen, zeigte der Bio-Unternehmer in Kitzingen auf Einladung der Volkshochschule in einem spannenden Vortrag in der alten Synagoge.

"Werbung erzielt Begehren. Wenn der Kaffee in Fünf-Gramm-Kapseln verpackt als Markenartikel angeboten wird, ist es den Leuten das Geld wert", stellt er fest. Während Kosten für ein Produkt objektiv zu bewerten sind, gestaltet sich der Wert und damit die Zahlungsbereitschaft für einen Artikel bei jedem Verbraucher individuell. Einer Kaffee-Marke gelinge es also im Voraus, den Wert für das Produkt zu schaffen, der Verbraucher bezahlt den entsprechenden Preis.

In einer "Überflussgesellschaft" landen gute Lebensmittel in der Tonne

"Es sind jedoch genau die Produkte ohne das Label großer Marken, die wir zum Leben brauchen", stellt Plietz klar und kritisiert die Zahlungsbereitschaft der Deutschen für ihre Grundnahrungsmittel. "Nur 14 Prozent des Einkommens privater Haushalte werden für Lebensmittel ausgegeben. Hier sind Tabak und alkoholische Getränke sogar inkludiert", zitiert er eine aktuelle Statistik. "Urlaub und Feiertage berücksichtigt, arbeitet man damit im Schnitt nur 2,6 Tage im Monat für etwas existenziell Lebensnotwendiges", rechnet Plietz vor. Weiter würden in einer "Überflussgesellschaft" gute Lebensmittel weggeworfen. "Heute geht es zu oft um das Aussehen von Gemüse mit richtiger Form, nicht mehr um Geschmack und Gesundheit", bedauert er.

In einer anschließenden Diskussionsrunde bestätigten die gut 40 Zuhörer den Referenten. "Paradox ist doch, dass selbst Bio-Gemüse im Supermarkt in Plastik verpackt angeboten wird", sagt eine Zuhörerin. Die Macht zur Entscheidung liegt letztlich beim Verbraucher, der für sich den ersten Schritt tun muss, zum Beispiel durch Bezug von Lebensmitteln direkt vom Erzeuger.

Bio-Erzeuger schreibt Blogs und plant Podcasts

Nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann suchte Plietz nach einem Weg, sinnvoll und nachhaltig zu arbeiten. "Mein Platz ist definitiv nicht in der Großindustrie", erzählt er seinen Zuhörern überzeugt. Woher seine Überzeugung für biologische Lebensmittel kommt, braucht man ihn nicht zu fragen. In der Raritätengärtnerei seines Vaters Veit Plietz in Schwarzach konnte er reichlich Erfahrungen in der ökologischen Landwirtschaft sammeln, bevor der Gedanke aufkam, Anbau und Vertrieb zu trennen. Sein Unternehmen "Ökokiste Schwarzach" sieht Plietz als "ein Sammelbecken für regionale Bio-Erzeuger mit großer Produktvielfalt". Ferdinand Plietz publiziert monatlich einen thematisch wechselnden Artikel per Internet-Blog unter medium.com/@fplietz und betreibt die Facebook-Seite "Ferdinand Plietz". Demnächst wird er erste Podcasts veröffentlichen.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.