Kitzingen

Vor Gericht: "Sonderangebot" nach uneidlicher Falschaussage

Aus Angst vor dem Lebensgefährten hat eine 40-Jährige das Gericht angelogen. Auch wenn sie sich dafür entschuldigte, um eine Geldstrafe kam sie nicht herum.
Artikel drucken Artikel einbetten
Symbolbild Gericht Foto: liveostockimages

900 Euro muss eine 40-Jährige zahlen, weil sie vor Gericht gelogen und so eine Verurteilung vereitelt hat. Die Frau hatte ihren Lebensgefährten nach einem Streit angezeigt, beim Prozess wegen Körperverletzung und Bedrohung ihre Aussagen aber zurückgezogen. Jetzt stand sie wegen uneidlicher Falschaussage selbst vor Gericht. Sie kam mit 90 Tagessätzen zu zehn Euro davon. Zuvor hatte sie sich für ihre falsche Aussage entschuldigt.

Dass es sich bei der Geldstrafe um ein "echtes Sonderangebot" handelt, hatte die Richterin der Angeklagten zu Beginn des Verfahrens deutlich gemacht. Die Frau war zu einem ersten Termin erst gar nicht erschienen. Gegen den daraufhin erlassenen Strafbefehl hatte sie Einspruch eingelegt und so fand sie sich jetzt auf der Anklagebank wieder.

An einer Stelle hat die Frau gelogen

"Deutsche Behörden lassen sich nicht verarschen", sagte die Richterin und fand damit deutliche Worte. Sie machte der Frau klar, dass sie entweder bei der Anzeige bei der Polizei falsche Angaben und sich so einer falschen Verdächtigung schuldig gemacht habe, oder aber vor Gericht – vermutlich aus Angst – falsch ausgesagt habe.

Die Frau hatte nach einer häuslichen Auseinandersetzung ihren Lebensgefährten bei der Polizei angezeigt. Danach soll dieser sie mit der Hand ins Gesicht geschlagen, sie zu Boden gestoßen und gewürgt haben. Die Folge war ein Verfahren wegen Körperverletzung und Bedrohung vor dem Amtsgericht. Dann die Überraschung: Trotz intensiver Hinweise auf ihre Wahrheitspflicht gab es plötzlich keine Schläge mehr. Auch kein Würgen, und die leichten Verletzung stammten von einem Sturz über eine Treppenstufe. Folge: Der Mann wurde frei gesprochen.

Mit dem Strafbefehl nicht einverstanden

Die Frau aber hatte ein Problem. Denn nach der Verhandlung war für die Staatsanwaltschaft klar: Entweder hatte die Frau bei der Polizei gelogen, oder aber vor Gericht. Damit hatte sie sich entweder eine falschen Verdächtigung oder einer uneidlichen Falschaussage schuldig gemacht. Beides sind Straftaten. Im Strafbefehl standen dafür 90 Tagessätze zu 40 Euro. Das wollte die Frau nicht akzeptieren. Sie legte Einspruch ein.

Nach den deutlichen Worten der Richterin und der dringenden Empfehlung, den Einspruch auf die Höhe der Tagessätze zu beschränken, trat die Frau den Rückzug an. "Es tut mir leid, dass ich vor Gericht gelogen habe", sagte sie und folgte der Anregung des Gerichts. Angesicht der aktuellen Einkommensverhältnisse passte das Gericht den Tagessatz auf zehn Euro an. Damit ist die Frau mit 900 Euro und dem schon erwähnten "Sonderangebot" davongekommen.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren