Kitzingen

Vor Gericht: Raser kassierte mehrmals Fahrverbote und fuhr weiter

Sechs Mal in zwei Jahren zu schnell gefahren, den Führerschein abgegeben und dann noch eine Fälschung vorgelegt: Ein Angeklagter mit dickem Punktekonto stand vor Gericht.
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Mehrmals mit Fahrverboten belegt war ein Mann, der kürzlich vor dem Kitzinger Amtsgericht stand. Foto: Andrea Warnecke

Wenn man ihn als Raser bezeichnet, kann sich der 43-Jährige kaum beschweren. Er war innerhalb von zwei Jahren sechs Mal zu schnell unterwegs. Er hat dafür mehrere Fahrverbote kassiert. Als das Punktekonto voll war, war er auch seine Fahrerlaubnis los. Jetzt ist noch eine Verurteilung wegen Urkundenfälschung und Fahrens ohne Fahrerlaubnis dazu gekommen – sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Als er im Oktober auf der Autobahn mit einem Lieferwagen kontrolliert wurde, hatte der Fahrer gerade drei Tage vorher seinen Führerschein abgegeben – wieder mal. Das Fahrverbot hinderte ihn aber nicht, sich hinter das Steuer zu setzen. Weil er ein Handy am Ohr hatte, war der 43-Jährige von einer Streife gestoppt worden. Dabei versuchte er, die Beamten zu täuschen. Er legte einen gefälschten Führerschein vor. In der Anklage las sich das als vorsätzliches Fahren trotz Fahrverbots plus Urkundenfälschung.

Das Fahren räumte der Gebäudereiniger vor Gericht ein. "Das ist unter Zwang des Chefs passiert", versuchte er die Fahrt zu erklären, ohne sich allerdings an den Namen des Chefs erinnern zu können. Von der Urkundenfälschung wollte er nichts wissen. Er habe seinen Ausweis gezeigt. "Ein falscher Führerschein oder eine andere Fälschung ist nie übergeben worden", sagte er dem Gericht.

Hat der Angeklagte eine Fälschung vorgelegt?

Wie kam aber dann eine Führerscheinnummer in den Anhörungsbogen, den die Polizisten nach der Kontrolle gemacht hatten? Als Zeugen konnten sich die beiden Beamten nicht mehr an den Vorfall vor gut einem Jahr erinnern. "Wir haben so viele Handyverstöße. Da muss ich passen", sagte der eine. Und eine vom Gerichte gewünschte "aktive Erinnerung" hatte der andere auch nicht. Beide verwiesen auf den routinemäßigen Ablauf solcher Kontrollen. An deren Ende stand der Vorwurf des Fahrens ohne Führerschein und der Urkundenfälschung.

Nachdem das Gericht alle Möglichkeiten abgeklopft hatte, gab es nur eine Lösung für das "große Rätsel". "Es muss eine Fälschung vorgelegt worden sein", sagte die Staatsanwältin. Sie forderte im Blick auf mehrere Vorstrafen und die vielen Einträge im Fahreignungsregister sechs Monate Freiheitsstrafe und Bewährung, plus Führerscheinsperre für ein Jahr und eine Geldauflage von 300 Euro.

Der Angeklagte blieb bei seiner Version und musste sich von der Richterin vorhalten lassen: "Führerscheindaten fallen nun mal nicht vom Himmel." "Es muss eine Fälschung oder eine Kopie gegeben haben", so das Gericht, anders sei das Auftauchen der Nummer nicht zu erklären. Auch das Gericht kam unterm Strich auf sechs Monate Freiheitsstrafe und Bewährung. Weil der Mann kaum Geld, aber Schulden und Unterhaltspflichten hat, wurden aus der Geldauflage 100 Stunden gemeinnützige Arbeit. Dazu  hat der Mann ein Jahr Zeit – und solange hat er auch keine Chance auf eine neue Fahrerlaubnis.

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