Kitzingen

Vor Gericht: Ein Nasenbeinbruch nach „leichtem“ Faustschlag

Mit 60 Arbeitsstunden für soziale Hilfsdienste und der Einstellung des Verfahrens wegen Körperverletzung ist ein 15-Jähriger davongekommen. – Das hatte seine Gründe.
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Das Amtsgericht in Kitzingen Foto: Andreas Brachs

Mit einem Nasenbeinbruch, einer Platzwunde und Prellungen endete im Juli eine Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen am Mainkai in Kitzingen. Gut drei Monate später stand ein 15-Jähriger jetzt wegen Körperverletzung vor dem Jugendgericht. Er kam mit der Einstellung des Verfahrens und 60 Stunden Arbeit für soziale Hilfsdienste davon.

"Nutzen Sie die einmalige Chance, ohne Arrest hier rauszukommen", gab Jugendrichter Wolfgang Hülle dem Jugendlichen mit auf den Weg. Für das Gericht stand am Ende der Verhandlung fest, dass sich "der Sachverhalt nahe an der Notwehr bewegt". Ein Freispruch kam dennoch nicht in Frage. Zu gravierend waren die Folgen des Schlages. Zudem hätte der Jugendliche der Konfrontation im Vorfeld ausweichen können, so das Gericht.

Belästigung, Schubserei und Schläge

Zu der war es im Sommer am Mainkai gekommen. Drei Kumpel waren auf dem Weg dorthin, als ihnen ein flüchtiger Bekannter folgte. Der wollte sich nicht abschütteln lassen, belästigte und beleidigte den 15-Jährigen. Es kam zu Schubsereien. Als der ungebetene Begleiter immer näher rückte und dann zu einem Faustschlag ausholte, passiertes es. "Ich habe zuerst zugeschlagen", sagte der Angeklagte. Mit den gravierenden Folgen habe er nicht gerechnet. "Es war ein eher leichter Schlag", sagte er. Dass danach das Nasenbein gebrochen war, das Opfer zudem eine Platzwunde und Prellungen hatte, habe ihn überrascht. Der Mann jedenfalls ging zu Boden und brach später in einer Spielothek zusammen. Er wurde mit dem Notarzt ins Krankenhaus gebracht.

Der Sachverhalt stand schnell fest, zumal die beiden Freunde des 15-Jährigen dessen Version bei der Polizei bestätigt hatten. Eine Aussage des Opfers gab es nicht. Der ist geistig schwer behindert und zu einer Aussage nicht fähig. Von der Behinderung wusste der Jugendliche nichts.

"Nahe an der Notwehr"

Auf der einen Seite "ein Sachverhalt, der nahe an der Notwehr liegt", wie es Hülle formulierte, auf der anderen die gravierenden Verletzungen: Was in diesem Fall tat- und schuldangemessen ist, war die Frage. Während die Jugendgerichtshilfe, die den jungen Mann seit seiner Geburt kennt und betreut, einen Freizeitarrest vorschlug, hielt Hülle "einen Arrest nicht für unbedingt nötig". "Das Verfahren und der ganze Rattenschwanz dahinter hat den Angeklagten beeindruckt", sagte Hülle.

Er schlug die Einstellung des Verfahrens gegen 60 Arbeitsstunden für soziale Hilfsdienste vor. Der Staatsanwalt machte mit. Der 15-Jährige war froh, ohne Arrest davongekommen zu sein. Er kann sich jetzt darauf konzentrieren, Schule und Ausbildung auf die Reihe zu kriegen. Zudem muss er seine Aggressionen und die dahinter stehende Krankheit mit Hilfe von Therapeuten in den Griff bekommen, um weiter in seiner Pflegefamilie leben zu dürfen.

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