Kitzingen

Vor Gericht: 31 Vorstrafen und eine allerletzte Chance

Ein 54-Jähriger fährt in Kitzingen mit 2,7 Promille mit dem Elektroroller der Polizei in die Hände. Das Gericht war ein letztes Mal gnädig und erspart ihm den Knast.
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Smbolbild Gericht Foto: liveostockimages

Der Mann ist körperlich am Ende, hat Probleme mit Alkohol und Drogen. Er hat 31 Vorstrafen und war mehrfach hinter Gitter: Jetzt saß der 54-Jährige wieder auf der Anklagebank des Amtsgerichts Kitzingen. Zum wiederholten Mal wegen Trunkenheit im Verkehr. Mit 2,7 Promille war er mit einem Elektroroller unterwegs. Drei Monate Freiheitsstrafe erhielt er dafür – und Bewährung.

Dass das die "allerletzte Chance" ist, bekam der Mann gleich mehrfach zu hören. Weil Vertrauen gut, Kontrolle aber besser ist, hat das Gericht die Bewährung gleich mehrfach untermauert. Einmal wird der Mann, der bereits einen Betreuer hat, für drei Jahre noch einem Bewährungshelfer unterstellt. Dann muss er die Finger von Alkohol und Drogen lassen. Und das wird bei drei Untersuchungen pro Jahr überprüft. Fällt er dabei auf, führt der Weg ins Gefängnis.

Polizei kennt ihn als Alkoholsünder

Der Mann war im August mit einem Elektroroller auf der neuen Mainbrücke unterwegs. Weil der 54-Jährige jedem Kitzinger Polizisten ein Begriff ist, war es kein Wunder, dass er einer Streife auffiel. Die hatte den richtigen Riecher und der Mann 2,7 Promille im Blut. Mit ähnlichen Werten war er in den vergangenen Jahren bereits erwischt worden, immer auf dem Fahrrad. Zuletzt war er jeweils mit einer Geldstrafe davon gekommen. Darauf hoffte er dieses Mal auch. "Ich zahle auch gerne mehr", sagte der Hartz-IV-Empfänger, wenn sich dadurch der Gang hinter Gitter vermeiden ließe.

Der Mann versuchte dem Gericht wortreich und ausführlich klar zu machen, dass er jetzt seine Probleme in den Griff kriegen wird. Seine Saufkumpane möchte er meiden, die Hände vom Alkohol lassen. Er will sich um seine kranke Mutter und den Stiefvater kümmern. "Meine Mutter ist meine Therapie", sagte er. Er will sich auf kein Fahrzeug mehr setzen. "Ich fahre nicht mal mehr Autoscooter", sagte er. Und er ist dabei, zusammen mit seinem Betreuer einen Rentenantrag zu stellen. Er versprach dem Gericht: "So einen Tag wie im August will ich nicht mehr habe, so etwas kommt nicht mehr vor."

"Hoch und heiliges" Versprechen

Von einer Geldstrafe war er dann doch ein bisschen entfernt. Vor allem mit Blick auf das Vorstrafenregister und die drei Trunkenheitsfahrten in den vergangenen drei Jahren hielt die Staatsanwältin fünf Monate für angemessen. Bewährung sei "zum allerletzten Mal" möglich. "Er hat hoch und heilig versprochen, dass es in Zukunft etwas geschmeidiger läuft", sagte der Verteidiger und sprach sich für drei Monate aus. Die wurden es dann auch, mit den schon erwähnten verschärften Auflagen.

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