Würzburg
Gericht

Von wegen saubere Sache

Die Idee eines Kaufmannes klang für viele Menschen, bis hin zum ehemaligen Bundesminister, verlockend. Rapsöl sollte Turbinen von Blockheizkraftwerken antreiben. Doch die 65 Anleger verloren über zwei Millionen Euro.
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Symbolbild
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Seit über zwei Jahren sitzt ein Kaufmann (51) aus Würzburg bereits in Untersuchungshaft. Sein Geschäftsmodell - Strom aus Rapsöl umweltfreundlich mit einer dennoch satten Rendite - hält er nach wie vor für eine saubere Sache. Dennoch kann er voraussichtlich noch Jahre hinter Gitter darüber nachdenken, warum 65 Kunden, die ihm vertrauten, über zwei Millionen Euro verloren haben.

Modell vom alten Goldesel

Der Kaufmann präsentierte Kapitalanlegern ein neues Modell vom alten "Goldesel" so überzeugend, dass ein Mitglied des Würzburger Stadtrates und ein ehemaliger Bundesminister die Berufung in den Aufsichtsrat seiner "QuadroSol AG" annahmen.
Herausgekommen ist allerdings, wie bei Eseln üblich, nur "Mist". 65 Kunden haben für nicht gelieferte, nicht einmal produzierte Blockheizkraftwerke mit einer angeblich revolutionär neuen Technik, 2,7 Millionen Euro bezahlt. Das Geld ist weg.

Und weil der Angeklagte das wissen musste und vorhersehen konnte, hat der Staatsanwalt für ihn eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und zehn Monaten wegen Betrug in einem besonders schweren Fall beantragt. Zwei weitere Jahren und vier Monate forderte er für Steuerhinterziehung.

Das Ergebnis der über ein Jahr dauernden Beweisaufnahme sei, so der Staatsanwalt, bei dem Kaufmann nicht "angekommen". "Er verweigert sich der Realität." Fest steht, dass provisionsorientierte Vertriebsleute von den Millionen der 65 Kraftwerks-Käufer allein schon über 800 000 Euro kassierten. 700 000 Euro gingen in den Geschäftsbetrieb der Firma, 400 000 Euro nahm sich der Kaufmann, um alte, private Schulden zu bezahlen und über 350 000 Euro zahlte er an unruhig gewordene Kunden nach dem Schneeball-System: Angeblich erste Abschlagszahlen für die Einspeisung ihrer umweltfreundlich produzierten Energie ins öffentliche Stromnetz.

Luxusfreie Lebensumstände

Der Kaufmann stehe vor Gericht, so seine Verteidiger, weil er von "provisionsgeilen", raffinierten Vertriebsleuten mit falschen Verkaufszahlen gefüttert wurde. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Kaufmann niemand betrügen wollte, seien die luxusfreien Lebensumstände des von den erneuerbaren Energien faszinierten ehemaligen Polizeibeamten: Er lebte bei seiner Mutter und hatte dort ein Zimmer, zu keiner Zeit habe er daran gedacht, sich mit Geld der Kunden ins Ausland abzusetzen.

Der Angeklagte sei an einen Erfinder geraten, der ebenfalls den Bezug zur Realität - absichtlich oder ungewollt - verloren hatte. Für die bei ihm bestellten hohen Stückzahlen der Klein-Kraftwerke mit einer von ihm erfundenen Turbinentechnik hatte er jedenfalls überhaupt keinen ernst zu nehmenden Produzenten gefunden. Neu an dem Blockheizkraftwerk sollte sein, dass Rapsöl oder andere Öle vergast werden und dann die Turbine antreiben - mit einem erheblich günstigeren Kosten-Leistungs-Verhältnis als bei anderen Blockheizkraftwerken. Den Kunden waren die Mini- Kraftwerke mit einem "Rundum-Sorglos-Paket" angeboten worden: Die Firma versprach den Anlegern Service und Wartung, man kümmere sich um Stellflächen und bezahle dafür die Miete. Der gesamte technische Betrieb der Anlagen werde überwacht und auch der Papierkrieg mit Behörden werde den Kunden abgenommen. Als Anleger immer häufiger Zweifel daran hatten, ob die "QuadroSol AG" hält, was die Firma verspricht, hat der Angeklagte bei verschiedenen Firmen Stromaggregate angemietet, die in Würzburg in einer ebenfalls angemieteten Lagerhalle aufgestellt und Fotos davon als Beweis für die bereits laufenden Geschäfte verschickt.

An den Stromaggregaten sollen vorher die Namen der Firmen und die Typenbezeichnungen überklebt worden sein. Die Sechste Große Strafkammer des Landgerichts verkündet ihr Urteil am Donnerstag.
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