Kitzingen

Von der Zelle in den Knast

Diebstahl oder Hehlerei, das machte beim Amtsgericht keinen Unterschied: Ein Saisonarbeiter muss für fünf Monate hinter Gitter – ohne Chance auf Bewährung.
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Prozess in Köln
Symbolbild: Ein Richter im Gerichtssaal hält das Strafgesetzbuch (StGB) in der Hand.

Der 45-Jährige ist Alkoholiker. Er weiß es und räumt ein, dass er trotz mehrerer Versuche nicht von seiner Sucht wegkommt. Jetzt hat er fünf Monate und zwei Wochen Zeit für einen neuen Anlauf, in einer Justizvollzugsanstalt.

Dorthin hat ihn das Kitzinger Amtsgericht geschickt. Allerdings, nicht weil er trinkt und danach regelmäßig pöbelt und randaliert. Auch der Diebstahl oder Kauf eines gestohlenen Mofas und die geklauten zwei Bierflaschen hätten nicht für die Freiheitsstrafe ohne Bewährung gereicht. Mit der Vorgeschichte des Mannes dann aber doch.

Einschlägige Vorstrafen

Der Saisonarbeiter ist mehrfach vorbestraft. Immer wieder kommt seit 2014 Diebstahl im Bundeszentralregister vor. Genau deshalb war er zuletzt 2016 nach mehreren Geldstrafen zu zwei Monaten und zwei Wochen verurteilt worden – auf Bewährung. Die Chance hat er nicht genutzt. Nach einer weiteren Straftat wurde die Bewährung widerrufen, er musste einrücken.

Aus dem Knast kam er auch zum Verfahren nach Kitzingen. Hier ging es um einen Fall aus dem Sommer 2017. Der Mann war schon am Morgen in der Stadt aufgefallen. Nach einem Platzverweis nahmen ihn die Beamten am Mittag in die Ausnüchterungszelle mit. Dabei brachte er es auf über zwei Promille. Am Abend wurde er wieder entlassen. Er hatte zwar immer noch einen hohen Promillewert, machte aber einen so vernünftigen Eindruck, dass die Beamten ihn gegen 18 Uhr gehen ließen.

Zwei Versionen

Für das, was dann passiert ist, gibt es zwei Versionen. Nach der ersten und von der Polizei favorisierten hat er im Sparkasseninnenhof ein Mofa im Wert von rund 700 Euro geknackt und mitgenommen. Nach der Version des Angeklagten hat er das Mofa für 200 Euro von einem Unbekannten gekauft.

Hehlerei oder Diebstahl?

Im ersten Fall wäre es Diebstahl, im zweiten Hehlerei. „Das ist ein klassischer Fall“, sagte der Staatsanwalt. „Wer ein Mofa ohne Schlüssel und Papiere zu dem Preis kauft, muss davon ausgehen, das da was nicht stimmt.“ Ob die Straftat Diebstahl oder Hehlerei heißt, für das Strafmaß macht das wenig Unterschied.

Zwei Bier obendrauf

Klarer war die Sache danach: Da schob der Mann das Mofa zu einer Tankstelle. Dort holte er sich zwei Bier aus dem Eisfach, „köpfte sie“ und trank eine Flasche davon gleich leer. Bezahlen konnte er nicht. Damit hatte er noch eine Anzeige wegen Diebstahls am Hals.

Jetzt saß er auf der Anklagebank und einem Staatsanwalt gegenüber, für den Bewährung nicht mehr in Frage kommen kann. Auch der Versuch von Richter Peter Weiß, doch noch eine Perspektive und etwas Positives auszumachen endete im Nichts: Die Sache mit dem Alkohol kriegt der Mann nicht in die Griff: „Ich habe es mehrfach probiert, ich schaffe es nicht.“

Weg vorgezeichnet

Damit war der Weg zurück in die Justizvollzugsanstalt vorgezeichnet. Am Ende setzte Richter Weiß die Strafe auf fünf Monate und zwei Wochen fest und blieb damit knapp unter den sechs Monaten, die der Staatsanwalt beantragt hatte. Der Angeklagte nahm das Urteil an und kehrte dahin zurück, wo er herkam, in den Knast.



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