KITZINGEN

Von der Geburtstagsfeier mit dem Auto im Main gelandet

Donnerstag Mittag: Selinhan Ibragimov sitzt der Schreck noch in den Gliedern. Vor wenigen Stunden wurden er und seine Frau aus dem Krankenhaus entlassen. Sie waren in der Nacht auf Donnerstag mit ihrem Mitsubishi am Oberen Mainkai in Kitzingen wegen plötzlich auftretenden Blitzeises über die Kaimauer in den Main gestürzt.
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Auto landet im Main.
An Ketten befestigt wurde der Mitsubishi am Donnerstagmittag von Mitarbeitern des Wasser- und Schifffahrtsamtes mit einem Kran aus dem Main gehoben Foto: Ralf Weiskopf

Donnerstag Mittag: sitzt der Schreck noch in den Gliedern. Vor wenigen Stunden wurden er und seine Frau aus dem Krankenhaus entlassen. Sie waren in der Nacht auf Donnerstag mit ihrem Mitsubishi am Oberen Mainkai in Kitzingen wegen plötzlich auftretenden Blitzeises über die Kaimauer in den Main gestürzt.

Der 31-jährige Tschetschene hatte an diesem Abend seinen Geburtstag gefeiert und befand sich auf dem Nachhauseweg. Kurz vor seiner Wohnung passierte das Unglück. „Die Straße war nass – und plötzlich, als ich nach links abbiegen wollte, rutschte der Wagen einfach geradeaus. Ich konnte weder lenken noch bremsen“, erzählt er in einem Gespräch mit der Main-Post.

Regen hatte die Betonsteinplatten am Mainkai, die dort an den Asphalt angrenzen, in eine einzige Eisfläche verwandelt. Selinhan Ibragimows Auto riss eine Bank aus ihrer Verankerung und stürzte über die dort befindlichen Stufen in den Main.

„Ich habe gedacht, jetzt ist alles aus“, berichtet der schmächtige Mann. Dann habe er versucht mit aller Kraft und unter Zuhilfenahme der Füße die Tür des Fahrzeugs zu öffnen. „Als mir dies gelang, habe ich meiner Frau herausgeholfen. Dann versuchten wir das Ufer zu erreichen.“

13 Meter sind es von der Stelle aus, wo das Auto im Main verschwand, aber das Wasser war 2,5 Grad kalt. „Ich habe gedacht, meine Kräfte reichen nicht, aber dann habe ich es doch geschafft“, berichtete Selinhan Ibragimow. Etwa 50 Meter unterhalb der Unfallstelle erreicht das Paar das rettende Ufer – mit letzter Kraft. Holger Dubovy, Diakon bei der evangelischen Gemeinde und Feuerwehrmann, ist zur Stelle und hilft ihnen an Land.

Er hatte von seiner Wohnung aus den Aufprall des Fahrzeugs auf das Wasser gehört und war sofort aus dem Haus gelaufen, um zu helfen. „Ich hab die Lichter des Fahrzeugs noch gesehen, als es unterging“, berichtet Dubovy, während die beiden Autoinsassen vom Roten Kreuz versorgt werden und ins Krankenhaus kommen.

In der Unglücksnacht hatten Technisches Hilfswerk und Feuerwehr vergebens nach dem Auto gesucht. Aus diesem Grund sperrte das Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt die Schifffahrt auf dem Main. Mit einem Peilschiff ging die Suche nach dem abgetauchten Auto am Donnerstag weiter. Erfolgreich: Der Wagen wurde nach rund 30 Minuten nur 13 Meter vom Ufer entfernt geortet.

Taucher befestigten die Kette eines Bergekranes an dem Auto, das anschließend aus dem Wasser gehoben wurde. Unter den zahlreichen Zuschauern war auch Selinhan Ibragimow, der direkt vom Krankenhaus kam. Sein Anliegen war es aber, sich bei seinem Helfer Holger Dubovy zu bedanken.

Dieser Tag wird ihm für immer in Erinnerung bleiben: „Ich werde in Zukunft meinen Geburtstag immer zweimal feiern.“

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