Die Fertigwandteile sind nicht, wie vereinbart, geliefert worden. Architekt Karl-Heinz Schmidt ist etwas enttäuscht, blickt aber gleich wieder zuversichtlich nach vorne: "Wir sind noch im Zeitplan", sagt er. Seine Worte beziehen sich auf ein kulturelles Großprojekt, wie es in Deutschland einmalig ist: auf das Kulturzentrum Deutsches Fastnachtmuseum in Kitzingen. Schmidt obliegt die Bauüberwachung.
Zwischen dem Gebäude Rosenstraße 10 und Luitpoldstraße 4 entsteht das überregional bedeutende neue Fastnachtmuseum mit über 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche. In den Falterturm, seit 1967 Heimat des Deutschen Fastnachtmuseums, konnten aus Brandschutzgründen keine großen Besuchergruppen mehr gelassen werden. Außentreppen hätten angebracht werden müssen.
Erster Spatenstich war am 3. März dieses Jahres. Gestern empfingen die Bauherren von der Stiftung Kulturzentrum Fasching-Fastnacht-Karneval einen dicken Zuschuss aus der Leader-Förderung, die vom Regionalmanagement am Landratsamt abgewickelt wird. Mit den 403 361 Euro kann die fast eine Million teure Ausstattung des Museums zur Hälfte bezahlt werden. Das sei der zweithöchste Leader-Betrag, der in den Landkreis Kitzingen geflossen ist, betonte Karl-Heinz Suhl von der Leader-Förderstelle Bad Neustadt. 1,2 Millionen Euro gingen nach Dettelbach.
Längst haben die Bauherren die Ausstattung und Innenplanung im Blick. Momentan werden die noch im Falterturm befindlichen Exponate dokumentiert. Wissenschaftliche Erkenntnisse steuern die Fachleute des Lehrstuhls für Volkskunde der Universität Bamberg und der Bezirksheimatpfleger bei. Die Exponate lagern derzeit noch im Falterturm und in der Rosenstraße 10, aber auch im Haus Schulhof 6.
Auf 4,2 Millionen Euro wurden die Kosten für den Um- und Neubau berechnet. Da sind die Bauherren Bernhard Schlereth, Präsident des Fastnacht-Verbandes Franken, und Stiftungsvorsitzender Hans Waldmann sehr froh, dass alle ihre Zuschussanträge inzwischen bewilligt wurden. Der Präsident und seine Mitstreiter haben Mittel aus gleich elf Fördertöpfen beantragt.
Im Stadtkern zu bauen, ist schwierig. Wo früher ein landwirtschaftlicher Hof war, ist ein Riesenloch entstanden. Das Haus Rosenstraße 8, das es hier einmal gab, hat die Stiftung schon vor einigen Jahren erworben und abbrechen lassen.

Denkmalschutz passt auf


Die Planer müssen darauf Rücksicht nehmen, dass die Häuser Rosenstraße 10 und Luitpoldstraße 4 denkmalgeschützt sind. Der Verband hat deswegen rund 20 000 Euro in die Voruntersuchungen gesteckt. Auch den Archäologen musste erst einmal Zeit eingeräumt werden, den Boden nach Hinterlassenschaften der Vorfahren abschürfen.
Teuer macht das Projekt schließlich auch die vierseitige Grenzbebauung. Die Statik der Nachbargebäude muss gesichert werden. Das angrenzende Haus wurde unterfangen, eine Wand aus Spritzbeton stützt das Fundament. "Außerdem sind rechts und links überall Gewölbekeller, auf die besonders geachtet werden muss", sagt Karl-Heinz Schmidt.
Ins Nichts führt derzeit die Tür auf der Rückseite des Gebäudes Rosenstraße 10. Unterhalb ist mit grüner Sprühfarbe die momentan nicht sichtbare Tür in den Gewölbekeller markiert. An dieser Stelle soll sich einmal der Aufzug befinden.
Bis Ende September soll die Kellerdecke fertig sein. Schmidt: "Wenn wir das mal haben, dann haben wir das Wichtigste geschafft." Termin für die Einweihung soll im November 2013 sein. Denn dann ist es 50 Jahre her, dass der Falterturm als Fastnachtsmuseum eingeweiht wurde.
Architekt und Bauherr stehen in ständigem Kontakt mit allen Beteiligten. Manchmal kommen sie täglich auf die Baustelle. Zusätzlich finden regelmäßig große Gesprächsrunden mit allen Ingenieuren, Fachplanern und Handwerkern statt. Schmidt: "Das ist ein ständiger Prozess, der hört nie auf."