KITZINGEN

Von Leerständen und Marshall Heights

Knapp 50 Bürger waren am Montagabend in die Alte Synagoge zur Bürgerversammlung für die Kitzinger Innenstadt gekommen. So viele wie schon lange nicht mehr. Dies lag vermutlich am dominanten Thema, der Zukunft der einstigen US-Wohnsiedlung Marshall Heights.
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Thema Nummer eins in Kitzingen: Die Zukunft der Ex-US-Wohnsiedlung Marshall Heights überstrahlte auch die Bürgerversammlung für die Innenstadt. Unser Foto entstand beim Tag der offenen Tür am vergangenen Sonntag. Foto: Foto: Daniel Peter

Knapp 50 Bürger waren am Montagabend in die Alte Synagoge zur Bürgerversammlung für die Kitzinger Innenstadt gekommen. So viele wie schon lange nicht mehr. Dies lag vermutlich am dominanten Thema, der Zukunft der einstigen US-Wohnsiedlung Marshall Heights. Daneben ging es in der gut zweistündigen Versammlung um das Gutachten „Wohnraumkonzept 2030“ und um einen Bericht zu den Bauarbeiten am unteren Markt.

Am Markt wird derzeit der Übergang von der Alten Mainbrücke zur Fußgängerzone umgestaltet. Die Arbeiten sollen laut Bauamtsleiter Oliver Graumann Ende Juni fertig sein.

Dominiert wurde der Abend von den Plänen rund um Marshall Heights. Ein Thema, das derzeit viele Bürger beschäftigt und das eng mit den Inhalten des jüngst im Stadtrat präsentierten „Wohnraumkonzepts 2030“ (wir berichteten) verknüpft ist. Das über 70-seitige Werk, das laut Oberbürgermeister Siegfried Müller als Arbeitsgrundlage für die Entwicklung Kitzingens dienen soll, wird in Kürze auf den Internetseiten der Stadt veröffentlicht.

Kern des Gutachtens ist das Wohnungsangebot: Rund 10 400 Wohnungen gibt es laut Graumann in Kitzingen, die Leerstandsquote liege bei 6,7 Prozent – in der Altstadt seien es 9,6, in der Siedlung Nord etwa neun Prozent. Nach Berechnungen komme das Papier zu dem Schluss, dass im Jahr 2030 in Kitzingen wegen eines erwarteten Bevölkerungsrückgangs im schlimmsten Fall 691 Wohnungen leer stehen, im günstigsten Fall 234 Wohnungen.

Aus Sicht des Gutachtens müssten rund 1900 Menschen zusätzlich nach Kitzingen ziehen, um die dort vorhandenen gut 700 Wohnungen oder Häuser zu füllen. Laut Graumann und OB Müller müsse künftig das Hauptaugenmerk der Stadtentwicklung auf der Innenstadt, der Siedlung und den Marshall Heights liegen, wobei die Altstadt als Kitzingens Kern Priorität haben müsse.

Karin Böhm wollte wissen, ob bei dem Gutachten die Qualität der vorhandenen Wohnungen untersucht worden sei. Dies verneinte Graumann. Kritisiert wurde, dass die Zahl der Zweitwohnsitze in dem Gutachten nicht berücksichtigt wurde.

Zweifel äußerte Wolfgang Haupt daran, dass sich das Wohngebiet Marshall Heights auf die Bevölkerungsentwicklung der Innenstadt auswirken werde. Eher würden Auswärtige nach Kitzingen ziehen, wie die Herkunft der Interessenten beim Tag der offenen Tür in der Wohnsiedlung gezeigt habe. Hiltrud Taylor sagte, wer eine schöne Wohnung in der Innenstadt habe, werde nicht in die Marshall Heights ziehen. Allerdings verdiene mancher Wohnraum in der Altstadt den Namen Wohnung nicht.

Beifall erntete Helmut Stetter mit der Feststellung, Marshall Heights biete für Kitzingen und die Bürger eine einmalige Chance. Hier hätten Menschen, die sich sonst nie Wohneigentum leisten könnten, die Möglichkeit günstig zu den eigenen vier Wänden zu kommen.

Er sei einer der letzten sieben Bewohner am Marktplatz, erklärte Jürgen Wohlfahrt. Das Problem hauptsächlich für Ältere sei, dass es mit Ausnahme der Norma kein Lebensmittelgeschäft mehr in der Altstadt gebe. Max Michelsen zweifelte die vorgestellten Statistiken und Prognosen an. Er berichtete von Leerständen in der Innenstadt wegen horrender Mieten von bis zu 1000 Euro.

Die Stadt wolle Marshall Heights keineswegs verhindern, betonte OB Müller. Aber es müsse mit dem Investor Georg Wittmann gemeinsam eine für die Stadt verträgliche Lösung gefunden werden. Bedacht werden müsse auch, die Schulen und Kindergärten in der Siedlung in ihrem Fortbestand zu sichern.

Investor Wittmann sagte, beim Tag der offenen Tür hätten sich 297 Besucher als konkrete Interessenten in die Listen eingetragen. „107 waren Auswärtige, 180 aus Kitzingen“, so Wittmann. Er habe nicht vor, die gut 700 Wohnungen auf einmal zu vermarkten. Dies sei wegen der nötigen Sanierungen nicht möglich.

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