WIESENBRONN

Von Borkenkäfern und Motorsägen

Tief im Wiesenbronner Wald, an der Hangkante zum Schwanberg: Ein kleiner Kahlschlag neben einem Forstweg. Ausnahmslos große Fichten, die zwar die Motorsäge gefällt hat, aber für deren Ende ein Schädling verantwortlich ist: der Borkenkäfer. Der macht's nicht nur den Fichten schwer, weil „man gegen ihn aktiv nichts machen kann“, wie Forstexperte Peter Aichmüller vom Kitzinger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten betont. Einzige Chance: Beobachten und bei Befall – fällen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Abgeholzt: Weil der Borkenkäfer dieses bis vor Kurzem von Fichten bestandene Eck im Wiesenbronner Wald befiel, mussten die geschädigten Bäume schnellstens gefällt werden, um eine weitere Ausbreitung des Schädlings zu verhindern, wie Förster Max Bartholl bei einem Vorort-Termin erklärte. Foto: Fotos: Harald Meyer
+2 Bilder

Tief im Wiesenbronner Wald, an der Hangkante zum Schwanberg: Ein kleiner Kahlschlag neben einem Forstweg. Ausnahmslos große Fichten, die zwar die Motorsäge gefällt hat, aber für deren Ende ein Schädling verantwortlich ist: der Borkenkäfer. Der macht's nicht nur den Fichten schwer, weil „man gegen ihn aktiv nichts machen kann“, wie Forstexperte Peter Aichmüller vom Kitzinger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten betont. Einzige Chance: Beobachten und bei Befall – fällen.

9.30 Uhr morgens: „Waldbegang“ im Wiesenbronner Forst mit Bürgermeisterin Doris Paul. Die weiß, das der rund 200 Hektar große Forst ein paar Dauerprobleme hat. Speziell die Inseln im Wald, wo die Fichten stehen und der Borkenkäfer immer wieder seinen Appetit austobt. Das große Fressen unter der Rinde, das meist die Bäume absterben lässt, fiel vor Kurzem auf – wenig später fielen die Stämme. Rund 70 Kubikmeter „Käferholz“ liegen seither im Wald, wie Förster Max Bartholl erklärt.

Langes Zögern gibt's nicht, wenn die Käfer sich in die Rinde bohren. Von der Diagnose bis zum Eingreifen dürfen maximal sechs Wochen vergehen, sagt Aichmüller beim Ortstermin zur Serie „Grünes Zentrum“. Wenn die Insekten ausfliegen, ist es zu spät. Dann ist das Fressgeschwader nämlich unterwegs zur nächsten Eiablage in gesunden Fichten.

Wehrlos sind Waldbesitzer und Forstleute nicht. Die müssen nur aufpassen – vor allem bei Monokulturen von Fichten oder an sonnenverwöhnten Standorten, wie Bartholl sagt. Wenn beispielsweise die Baumkronen stark kränkeln, dürfte der Borkenkäfer dort am Fressen sein – und zwar die Variante des Kupferstechers. Dessen deutlich aggressiverer Verwandter, der Buchdrucker – seine Fressspuren erinnern an ein aufgeschlagenes Buch – verrät sich durch Bohrmehl an der Rinde.

Ein Vorwarnsystem steht im Wiesenbronner Wald: Pheromonfallen in schwarzen Kästchen. Die werden einmal pro Woche kontrolliert, gefangene Insekten gezählt. Der aktuelle Blick offenbart Erfreuliches: „Nur der Borkenkäfer vom Dienst ist drin“, sagt Aichmüller. Die Saison für den Schädling sei vermutlich am Ende.

Allerdings noch nicht lange: Alarmstufe Gelb gab's noch vor rund vier Wochen, als sich gut 2000 Buchdrucker in den Fallen in Wiesenbronn fanden. Um die Zahl einzuordnen, hilft ein Satz von Aichmüller: „Mehr als 200 Käfer kann ein Baum nicht abwehren“.

Die beste Abwehr gegen die Käfer ist den Forstexperten zufolge ein Mischwald. Da ist der Wiesenbronner Forst schon gut dabei, der zu rund drei Vierteln aus Laubbäumen besteht. Und weil der Umbau der Wälder – dem Klimawandel geschuldet – ohnehin im Gange ist, verliert der Borkenkäfer zunehmend seine Nahrungsgrundlage. Aus 15 Prozent Fichte seien inzwischen zehn Prozent geworden, so Aichmüller.

Trotzdem plagt den Wald ein weiteres Problem. Wenn, wie beim Borkenkäfer-Kahlschlag oder nach einem Windbruch, größere Lücken im Forst entstehen, muss wie beim Borkenkäferbefall rasch gehandelt werden. Kommt nämlich die Sonne rein, sind nachgepflanzte Bäume schnell zugewuchert.

Ein „schönes“ Beispiel bietet der Wiesenbronner Forst. Da hatte ein Sturm ein paar tausend Quadratmeter platt gemacht. Die Nachpflanzung finden inzwischen nur noch die Experten Aichmüller und Bartholl. Büsche und Sträucher, vor allem die dominante Brombeere haben das Terrain erobert, machen den jungen Bäumen das Leben schwer. Da heißt es für Waldbesitzer: rechtzeitig „ausgrasen“, damit die „Konkurrenzvegetation“ nicht die Bäumchen erdrückt.

Das Grüne Zentrum, Bereich Wald und Forstwirtschaft

Das Grüne Zentrum: 13 landwirtschaftliche Organisationen unter einem Dach – das ist das „Grüne Zentrum“ in der Mainbernheimer Straße.

Wald und Forstwirtschaft: Der Bereich Wald und Forstwirtschaft ist Teil des Grünen Zentrums. Klaus Behr ist Bereichsleiter, hat acht Mitarbeiter, davon drei Forstrevierleiter für die Bereiche Rödelsee, Kitzingen und Wiesentheid.

Aufgaben: Der Bereich Forsten ist als Untere Forstbehörde für hoheitliche Aufgaben verantwortlich, für Erstaufforstung, Waldrodung, die sachgemäße Waldbewirtschaftung. Weitere wichtige Aufgabe ist die Beratung vor allem der Kommunen und der Privatwaldbesitzer.

Wald im Landkreis: Rund 15 300 Hektar insgesamt. Besitzverhältnisse: Privatwald 7400 Hektar; Kommunalwald 5660; Staatsforsten 2100 und Bundeswald 130.

Waldumbau: Das forstpolitische Ziel ist ehrgeizig. 130 Hektar Wald sollen pro Jahr im Landkreis umgebaut werden. 2013 waren es 163 Hektar. Der Landkreis ist Vorreiter in Bayern. Seit 2008 wurden 760 Hektar geschafft. Dafür nimmt der Freistaat Fördermittel in die Hand: 167 000 Euro allein im Jahr 2013.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.