KITZINGEN

Vom Versuch zur Dauereinrichtung?

Es läuft. Uwe G. Hartmann ist jedenfalls zufrieden. Und deshalb hat er schon seinen Antrag bei der Stadt Kitzingen abgegeben: Der soziale Zaun soll eine Dauereinrichtung werden.
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Gut beschriften und nicht zu voll machen: Uwe G. Hartmann, Initiator des Sozialen Zauns in Kitzingen. Foto: Fotos: Ralf Dieter
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Rückblick: Vor vier Wochen haben Mitarbeiter des Bauhofes den Zaun im Hof der Feuerwehr, unterhalb der B8-Brücke, aufgestellt. Schnell hingen dort die ersten befüllten Tüten: Kleidung, Hygieneartikel, Tiernahrung. „Am Anfang waren manche Tüten noch zu voll bepackt“, erinnert sich Hartmann. Also hat er sie mit nach Hause genommen und umgepackt. Seine Erfahrung: Einzelne Kleidungsstücke werden besser nachgefragt – sprich schneller mitgenommen. Die Hilfsgüter sind vor alllem für bedürftige Rentner und für Obdachlose gedacht. Kleidung ist vor allem gefragt, mitunter wurden aber auch spezielle Güter am Zaun abgelegt und mitgenommen: Ein Badewannensitz, ein Kindertöpfchen, ein Elektrogrill. „Alles außer Lebensmittel ist erlaubt“, sagt Hartmann.

Länger als drei Tage hängt nach seinen Worten keine Tüte am Zaun. Wie viele Bedürftige sich schon bedient haben? Hartmann schüttelt den Kopf. „Schwer zu sagen.“ Der Zaun wird ja nicht durchgehend beobachtet. Einmal am Tag kommt aber mindestens jemand vorbei, um nach dem Rechten zu sehen.

Berthold Weinmann, Harald Nagel, Sascha Kecke und Siegmar Dönig sind die Männer, auf die Hartmann ein wenig stolz ist, wie er sagt. Die Bayernpartei-Mitglieder schauen abwechselnd am Feuerwehrhof vorbei. „Wir wollen ja nicht, dass hier Unordnung herrscht“, erklärt Hartmann. „Dass der Platz vermüllt.“

Bis dato gab es keine Beanstandungen. „Der Standort macht absolut Sinn“, sagt Hartmann. Eine Verbesserung wäre allerdings notwendig: Eine Überdachung. „Wenn es stark regnet, kann es schon passieren, dass einige Kleidungsstücke nass werden“, bedauert Hartmann. In seinem Antrag ist eine Überdachung deshalb auch vorgesehen. Wann sich der Stadtrat mit dem Thema befasst, kann Hartmann noch nicht sagen. Die „Probezeit“ für den Zaun läuft am 1. April aus.

Würzburg lehnt Anfrage ab

Während in Kitzingen in Kürze über die Zukunft des sozialen Zaunes abgestimmt wird, ist er in anderen Städten noch gar nicht gegenwärtig. Einige Gemeinden haben allerdings ihr Interesse bekundet. Hartmann hatte Anfragen aus Bad Aibling, Markt Oberdorf und Schweinfurt. Auch in Würzburg ist der soziale Zaun auf Interesse gestoßen. Allerdings nicht bei der Stadt.

Michael Zehner, Begründer der Facebook-Plattform „Fair-Teiler“ ist von der Kitzinger Initiative begeistert. Mit seinem Wunsch, das Projekt auch in Würzburg zu etablieren, ist er jedoch vorerst gescheitert. Das Argument der Verwaltung: Die Stadt Würzburg arbeite sehr eng mit den Würzburger caritativen Verbänden und Sozialkaufhäusern zusammen. Dort werde die Bevölkerung schon mit äußerst preisgünstigen Waren versorgt. „Aktuell wird für das Stadtgebiet deshalb keine Notwendigkeit für ein weiteres Angebot auf diesem Sektor gesehen“, heißt es in dem Antwortschreiben.

Zehner will sich von dieser Antwort nicht unterkriegen lassen und sucht nun das Gespräch mit kirchlichen Verbänden. „Vielleicht findet sich auch ein privater Standort“, sagt er. Über seine Facebook-Plattform sollte sich ein Sympathisant finden. Rund 47 000 Menschen sind dort gelistet.

So geht es: Wer Hilfsgüter am sozialen Zaun platzieren will, der sollte sie einzeln in eine Tüte packen und mit einem wasserfesten Stift beschriften.

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