DETTELBACH

Vom Baumeister und dem „Arschblecker“: 500 Jahre Rathaus

Zum großen Jubiläum im vergangenen Jahr ist es nicht mehr fertig geworden, doch nun liegt es vor: das Buch über die 500-jährige Geschichte des Dettelbacher Rathauses. Geschrieben hat es Stadtarchivar und Kreisheimatpfleger Hans Bauer, der wohl profundeste Kenner der Dettelbacher Stadtgeschichte.
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Nie verwirklicht: Plan aus dem Jahr 1873 für eine neogotische Umgestaltung. Foto: Foto: Röll-Verlag
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Zum großen Jubiläum im vergangenen Jahr ist es nicht mehr fertig geworden, doch nun liegt es vor: das Buch über die 500-jährige Geschichte des Dettelbacher Rathauses. Geschrieben hat es Stadtarchivar und Kreisheimatpfleger Hans Bauer, der wohl profundeste Kenner der Dettelbacher Stadtgeschichte.

Für das 144 Seiten starke, reich bebilderte Buch aus dem J. H. Röll Verlag hat sich Bauer einerseits auf seine jahrzehntelangen Forschungen stützen können; schon in seiner 1983 erschienenen Stadtgeschichte ist dem Rathaus ein eigenes Kapitel gewidmet. Doch fürs Jubiläumsbuch hat der Autor noch einmal intensiv in den Akten des Stadtarchivs nachgeschaut, kultur- und kunstgeschichtliche Aspekte beleuchtet und dabei auch manch amüsante Anekdote zutage gefördert – zum Beispiel die Geschichte vom „Arschblecker“.

Zur Bauzeit um 1500 soll der Baumeister in geselliger Runde eine wagemutige Behauptung aufgestellt haben: „Ich kann das Rathaus so geschickt anlegen, dass es drei Leute gleichzeitig betreten können, ohne sich zu sehen!“ Am Wirtshaustisch glaubte man ihm nicht: „Das schaffst Ihr nie! Eher könnt Ihr Euch selbst am Arsch lecken!“, entgegnete der Legende nach ein Ratsherr reichlich drastisch.

Zungenblecker als Rache

Aus Rache für die höhnischen Bemerkungen soll der Baumeister dann am Westportal die bekannte Maske mit herausgestreckter Zunge angebracht haben – und nicht nur das. Bei einer Restaurierung des Rathauses 1988 fand man eine noch weitaus obszönere Figur: einen auf dem Rücken liegenden Mann „Arschblecker“, der genau das versucht, was der Ratsherr dem Baumeister empfohlen hatte.

Letzterer behielt übrigens Recht: Alte Ansichten des Rathauses zeigen, dass man es früher sogar aus vier Richtungen betreten konnte, ohne sich zu begegnen. Beim Anekdotischen bleibt der Autor allerdings nicht stehen, gleichwohl behält er in den elf Kapiteln des Buches seinen auch schon von früheren Veröffentlichungen Erzählstil bei, der das Buch auch für den interessierten Laien lesbar macht.

1484, im Jahr der Stadterhebung, war mit dem Bau begonnen worden, erst 1512 wurde er fertiggestellt. Interessant zu erfahren, dass das historische Rathaus schon einen Vorgängerbau gehabt haben muss. In einer Dorfordnung von 1482 findet sich so die Formulierung „uff dem rathaus“. Ein Gerichtsprotokoll von 1460 beschreibt zudem eine bereits funktionierende Verwaltung. Ein Hinweis auf einen früheren Bau geben auch Untersuchungen an den Holzbalken des jetzigen Rathauses: Sie stammen zum Teil aus dem Jahr 1388 und waren wohl bereits in einem Vorgängerbau verwendet gewesen.

Dass die Stadt überhaupt zu einem solch repräsentativen Rathaus kam, hat sie wohl Bischof Rudolf von Scherenberg zu verdanken, der die aufstrebende Siedlung förderte und sich im Gegenzug aus Dettelbach wirtschaftliche Einnahmen erhoffte. Nach der Fertigstellung 1512 hatte das Gebäude eine wechselvolle Geschichte, und das beileibe nicht nur als Verwaltungssitz. Im Rathaus wurde Recht gesprochen, aber auch Markt gehalten, hier befanden sich die Schule und sogar eine Fleischbank.

Viele unveröffentlichte Bilder

Wer tiefer in die Dettelbacher Rathaus- und Stadtgeschichte eintauchen will, dem liefert der Autor am Schluss einen Anmerkungsteil mit Quellenverweisen. Attraktiv machen das Buch nicht zuletzt die zahlreichen Abbildungen, darunter viele bisher kaum oder gar nicht veröffentlichte Darstellungen, Fotos und Dokumente.

Dank Hans Bauer verfügt die Stadt Dettelbach inzwischen über eine in mehr als drei Jahrzehnten gewachsene Bibliothek zur Stadtgeschichte – mit „Das Rathaus 1512-2012“ ist nun ein neuer, lesenswerter Band dazugekommen. Dass sich der Veröffentlichung der ortsansässige Röll-Verlag angenommen hat, ist dabei ein glücklicher Umstand. Verleger Josef Röll steckt in die Veröffentlichungen zur Regionalgeschichte nämlich nicht weniger Herzblut als die Autoren – was der Gestaltung der Bücher sichtlich gut bekommt. Hans Bauers Rathaus-Buch macht da keine Ausnahme.

Das Buch: „Das Rathaus 1512-2012. 500 Jahre Rathaus Dettelbach“ ist im J. H. Röll Verlag Dettelbach erschienen (144 Seiten, zahlreiche Abbildungen), Preis 19,90 Euro. ISBN: 978-3-89754-425-3

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