Die Eimer stehen nicht nur in der großen Halle, sondern auch auf den Treppen in Richtung Obergeschoss. Sie machen eines ganz deutlich: Ein geregelter Sportunterricht ist in der Deusterhalle nicht mehr möglich. Zwei Schulen müssen deshalb für das kommende Schuljahr umplanen. Der Sportunterricht der St.Hedwig-Schule und der D. Paul-Eber-Schule findet im Innopark statt. Schüler und Lehrer müssen durch die halbe Stadt fahren, um Sport zu treiben.
Klaus Rützel steht in der Halle und runzelt die Stirn. "Es gibt keinen Zweifel", sagt der Mitarbeiter des Stadtbauamtes mit Blick nach oben. "Das Dach muss saniert werden." Rützel betont das Wörtchen muss. Gerade die zwei starken Regengüsse im Juli mit rund 30 und 40 Millimeter Niederschlag haben das Problem verstärkt: Das Flachdach aus den 60er Jahren ist einfach nicht mehr dicht. "Wir hatten eine Batterie an Tropfstellen", formuliert es Hausmeister Hans-Werner Meier. "Bei Unwetter wird es extrem."
So extrem, dass die Halle mit seit Freitag gesperrt ist. Der Stadtrat hat am Donnerstagabend noch einmal über die Problematik diskutiert. Ohne endgültige Lösung. Ob die Halle generalsaniert wird oder ob ein Neubau im Deustergelände favorisiert wird, lässt sich derzeit nicht sagen. Zu viele Unwägbarkeiten gibt es, zu viele offene Fragen.

Welche Lösung ist besser?


Die CSU-Fraktion beantragte eine Voruntersuchung durch die Verwaltung. Dabei soll geklärt werden, welche Lösung - Sanierung oder Neubau - die bessere sei. Der Charme eines Neubaus auf dem Deustergelände: Die ewige Frage nach einer Stadthalle, die seit Jahrzehnten in Kitzingen diskutiert wird, könnte endlich mitgelöst werden.
Klaus Rützel zieht auch bei diesem Thema die Stirn in Falten. Möglich wäre ein Neubau auf dem Gelände sicherlich. Allerdings befinden sich im Untergrund etliche Gänge und Keller, warnt er. Sie könnten einen Neubau erschweren und die Kosten in die Höhe treiben. Eine Voruntersuchung wäre deshalb mehr als wünschenswert - zumal auch die Höhe der Förderung von den Gegebenheiten abhängt.
Die Deusterhalle wird dringend gebraucht. "Sie ist bis in den Abend hinein belegt", sagt Hausmeister Meier. Nach den Schulvormittagen kommen Vereine wie der TV Etwashausen, die TG Kitzingen oder die Gardemädchen. Im Winter sind auch die Fußballer froh, wenn sie eine Halle zum trainieren haben. Auch die Volkshochschule bietet dort einige Kurse an. Wohin diese Vereine ausweichen können, muss die Stadtverwaltung jetzt abklären. Keine einfache Aufgabe. Fast alle Hallen sind in Kitzingen ausgelastet.
Im Innopark ist anscheinend noch Luft. Die Halle, die früher von den US-Soldaten genutzt wurde, war schon Schauplatz von Basketball-Meisterschaften. Jetzt werden die beiden Schulen dort ihren Unterricht abhalten. Zur Verfügung stand auch die Sporthalle des TSV Hohenfeld. Während in der TSV-Halle 49 Euro je Unterrichtsstunde einschließlich Busverkehr angefallen wären, sind es in der Innoparkhalle 45 Euro. Weiterer Vorteil: Im Innopark können dank der Größe auch zwei Schulklassen gleichzeitig unterrichtet werden. Außerdem sind die Schüler dort etwas schneller als im Stadtteil Hohenfeld. "Die Entscheidung richtet sich nicht gegen den TSV", betonte Hauptamtsleiter Ralph Hartner während der Stadtratssitzung am Donnerstagabend.
Während die Entscheidung über das Ausweichquartier relativ leicht fiel, gestaltete sich die Frage nach Neubau oder Generalsanierung schwierig. Der Vorschlag, die Voruntersuchung an das Planungsbüro Geiger zu vergeben, gefiel Jens Pauluhn (ödp) gar nicht. Für Sportanlagen müsse ein Fachbüro beauftragt werden, das sich auskenne, meinte er. Zudem sei die Vergabe nichtöffentlich zu behandeln. Pauluhn beantragte eine Vertagung des Themas.
Dabei ist der Auftrag schon längst vergeben worden, wie Bauamtsleiter Oliver Graumann erinnerte. Das Architekturbüro Geiger war für die Generalsanierung der D.Paul-Eber-Schule, die vor rund einem Jahr abgeschlossen wurde, zuständig. In diesem Zusammenhang sei auch der Auftrag für die Hallenplanung erteilt worden. Das Büro habe bereits mit diesen Arbeiten begonnen. Graumann unterstrich, dass das Büro lediglich den Kostenansatz ermitteln soll. Mit diesen Zahlen könne der Stadtrat dann über Sanierung oder Neubau entscheiden.

Vorentscheidung schon gefallen?


Oberbürgermeister Siegfried Müller (UsW) zitierte aus dem Protokoll vom 13.12.2007 die einstimmig getroffene Stadtratsentscheidung, den Planungsauftrag an das Architekturbüro Geiger aus Kitzingen zu vergeben und im Haushalt 900 000 Euro bereit zu stellen. Für Klaus Christof (KIK) stand damit fest, dass es einen Neubau geben wird. Graumann wehrte sich gegen die Unterstellung, eine Standortauswahl treffen zu wollen. "Es geht alleine um die Frage, ob an dieser Stelle saniert oder neu gebaut werden soll." Die Entwicklung des Deustergeländes sei eine völlig andere Aufgabenstellung und kurzfristig nicht zu lösen.
Nachdem Karl-Heinz Schmidt (UsW) einen konkreten Antrag seitens der CSU verlangte und Jutta Wallrapp (FW-FBG) eine neue Vorlage von der Stadtverwaltung wünschte, brach OB Müller die Debatte ab und kündigte die Fortsetzung nach der Sommerpause an.
Eine Lösung, die Klaus Rützel akzeptiert, die ihn aber nicht gerade glücklich macht. Er geht davon aus, dass die Halle in diesem Jahr nicht mehr provisorisch abgedichtet wird und dass die Schäden über den Winter noch zunehmen werden. Wie lange die beiden Schulen für den Sportunterricht in den Innopark ausweichen müssen, kann Rützel natürlich nicht beantworten. Bei der Frage, ob ein Neubau oder eine Generalsanierung bis zu den Sommerferien 2013 abgeschlossen sein kann, runzelt er die Stirn.