VOLKACH

Volkacher Soldaten in Afghanistan: Weihnachten fällt heuer aus

Bald wird es drei Monate her sein, dass der Volkacher Bundeswehrstandort knapp 200 Soldaten an den Hindukusch entsandte. Wie geht es der Truppe in Afghanistan?
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Im Camp Marmal hat sich Oberstleutnant Frank Dannenberg (links) mit einem Teil seiner Soldaten um einen Weihnachtsbaum und um das Ortsschild von Volkach versammelt, welches er vom Volkacher Bürgermeister Peter Kornell mit auf die Reise bekam. Foto: Fotos: Bundeswehr
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Bald wird es drei Monate her sein, dass der Volkacher Bundeswehrstandort knapp 200 Soldaten in einem bewegenden Verabschiedungsappell in die Welt entsandte, um dort bei internationalen Missionen mitzuwirken. Von Volkach ging es in den Kosovo, nach Afrika, den Nordirak und auch nach Afghanistan, wo der größte Teil der Truppe tätig ist. In Afghanistan ist Masar-e-Scharif (MES), die viertgrößte Stadt Afghanistans mit etwa 500 000 Einwohnern, Einsatzort.

Kontakt zu den Soldaten

Aufgeteilt in verschiedene Gruppen starteten die Soldaten des Logistikbataillons 467 von Deutschland nach Masar-e-Scharif. Der dortige Flughafen wird ausschließlich militärisch genutzt und ist streng abgesichert. Direkt daneben befindet sich das internationale Feldlager „Camp Marmal“ , das von der Bundeswehr geführt wird. Ein riesiges Areal von etwa 3,75 Quadratkilometern mit höchstem Sicherheitsstandard. Es ist das größte Feldlager der Deutschen im Ausland.

Auch der Kommandeur des Volkacher Logistikbataillons, Oberstleutnant Frank Dannenberg ist dort in leitender Funktion untergebracht. Mit ihm und Teilen seiner Mannschaft gelang es der Redaktion, kurz vor Weihnachten in Kontakt zu kommen. Dabei galt es die Sicherheitsbestimmungen einzuhalten und nicht alles zu berichten, denn die Lage in Afghanistan ist alles andere als sicher. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht über fürchterliche Anschläge in den Medien berichtet wird.

Nur in Gruppen unterwegs

Die afghanischen Sicherheitskräfte haben seit Monaten massive Schwierigkeiten, den Angriffen der radikalislamischen Taliban standzuhalten. Dennoch ist der deutsche Missionschef gelassen: „Jeder Soldat ist für diesen Einsatz speziell geschult und trainiert. Wir sind nur in Gruppen unterwegs, wenn wir das Camp verlassen müssen, und große Strecken werden mit dem Hubschrauber zurückgelegt.“ Wie er weiter berichtet, kommt es eher selten vor, dass die Soldaten aus dem Camp hinausfahren. Zu privaten Unternehmungen nie. Selbst der Landeplatz der Versorgungsflugzeuge ist dem Camp direkt angeschlossen.

Fregattenkapitän Lars D., Pressesprecher des Kontingentes, beschreibt die Ausstattung des Lagers so: „Wir haben hier gute Betreuungsmöglichkeiten. Dazu gehören neben Fitnessräumen und Sporthallen auch ein paar kleine Restaurants. Mit Sportveranstaltungen wird zusätzlich der Ehrgeiz unter den Soldaten geweckt.“ Offensichtlich ist alles mit der wohlbekannten militärischen Gründlichkeit durchorganisiert. Das gilt auch für den wichtigen Punkt der medizinischen Versorgung: Es gibt im Camp ein Feldlazarett, das in seiner Ausstattung mit der eines deutschen Kreiskrankenhauses vergleichbar ist.

Noch kein Lagerkoller aufgetreten

Für die unmittelbare Versorgung der Soldaten in oder außerhalb des Feldlagers stehen mobile Notarzttrupps zur Verfügung. In Bezug auf die Verpflegung setzt man ebenfalls ausnahmslos auf europäischen Standard. Eine nahezu rund um die Uhr geöffnete eigene Truppenküche gibt pro Tag drei Mahlzeiten aus; die Soldaten können zwischen unterschiedlichen Gerichten auswählen.

Der gefürchtete „Lagerkoller“ ist nach Angaben des Kommandeurs noch nicht aufgetreten. „Aufgrund des zu bewältigenden Arbeitspensums und der gebotenen Möglichkeiten zur Ablenkung ist das hier kein Problem.“ Die Soldaten arbeiten im Schichtbetrieb; die Hauptarbeitszeit liegt zwischen 6 und 20 Uhr und danach fällt man laut Dannenberg todmüde ins Bett.

Somit sind auch keine größeren Kontakte zur Bevölkerung möglich. Diese bestehen lediglich zu den afghanischen Angestellten, die im Camp arbeiten. Dabei beschreibt der Oberstleutnant die Kontakte als „eher oberflächlich“. Immerhin: Die Soldaten erfahren „eine besondere Wertschätzung“, da Deutschland das Gastland nicht nur in der Ausbildung und Beratung der afghanischen Armee unterstützt, sondern auch einer der größten Geldgeber in der Entwicklungshilfe ist.

Zu Fragen nach besonderen Ereignissen im Camp und in der Umgebung gibt sich der Kommandeur bedeckt: „Für jeden Soldaten ist so ein Auslandseinsatz im Gesamten etwas Besonderes.“ Wichtig für alle Missionsteilnehmer sei der Kontakt zu den Familienmitgliedern zu Hause.

Kommunikation per Internet und Feldpost

Korvettenkapitän Astrid J. berichtet, dass die Kommunikation über Telefon und Internet zwar möglich, die Qualität allerdings manchmal sehr schlecht ist. Doch verfügt die Bundeswehr über eigene Kommunikationsmittel, mit denen es besser geht. „Und außerdem gibt's ja auch noch die gute, alte Feldpost, die immer funktioniert, nur manchmal etwas länger braucht.“

Zur Frage nach der vorweihnachtlichen Stimmung kommt vom Pressesprecher eine eher nüchterne Erklärung: „Sie können sich sicher vorstellen, dass die Gelegenheiten, Weihnachtsstimmung in Wort oder Bild einzufangen, sehr rar sind!“ Ein kleiner, selbst organisierter Weihnachtsmarkt wird die Soldaten an den Festtagen an die Weihnachtszeit erinnern. Aber mehr erlaubt der dienstliche Auftrag nicht.

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