Volkach

Volkacher Narren holen sich den Schlüssel fürs Rathaus

Ohne Blutvergießen schafften es die Aufständischen, die Macht im Volkacher Rathaus zu übernehmen. Bürgermeister Kornell gab sich freiwillig geschlagen.
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Bürgermeister Peter Kornell gibt sich geschlagen. Gefesselt übergibt er beim Volkacher Winterzauber den symbolischen Rathausschlüssel an die aufständischen KVO-Narren mit (von links): Sitzungspräsident Torsten Müller, Vereinspräsident Manfred Krapp, Frank Langhirt und Dieter Keller. Rechts im Bild ist Organisator Marco Maiberger. Foto: Peter Pfannes

"Ab heute regieren, wie ihr wisst, die Narren mit Verstand und List", wandte sich Narrenchef Torsten Müller am Freitagabend lautstark an Bürgermeister Peter Kornell. Nur kurze Zeit spuckte Volkachs Stadtoberhaupt vom Treppenthron des Rathauses große Töne.

Mit närrischer Gewalt stürmten die Rädelsführer der Karnevalsvereinigung Obervolkach (KVO) das Rathaus, ergatterten den Amtsschlüssel und nahmen den Stadtchef in Gewahrsam. Bis Aschermittwoch muss Kornell warten, um seine Amtsgeschäfte bis zur Kommunalwahl Mitte März fortführen zu können.

Eine gesellige Atmosphäre erwartete die rund 270 aus ganz Franken angereisten Karnevalisten im Winterdorf des Volkacher Winterzaubers. Mit Fackeln bewaffnet marschierte der närrische Tross in die Altstadt ein, ohne irgendwo auf Gegenwehr zu stoßen. Kleinlaut verbeugten sich die angetretenen Stadträte vor den Aufständischen, die nur ein Ziel hatten: Die kommunale Macht im Rathaus übernehmen. Kornells anfänglicher kämpferischer Widerstand ("Was Ihr sagt ist allerhand, ich glaub es fehlt euch der Verstand") machte KVO-Sitzungspräsident Müller und den Vereinspräsidenten der Narrentruppe Manfred Krapp noch wütender. "Das hab ich mir gedacht, dass Ihr heute wieder Zicken macht", rief Obersturmführer Müller gen Bürgermeister.

Warum Kornell nicht mehr antritt, ist für die Narren klar

Warum Kornell bei den nächsten Bürgermeisterwahlen nicht mehr antritt, war für Faschingskapitän Müller bei den vielen anstehenden Problemprojekten in der Weinstadt so klar wie Kloßbrühe: "Diese Nummern sind für ihn zu groß, aus Angst macht er sich in die Hos´." Unmissverständlich forderte er die friedliche Herausgabe des Rathausschlüssels, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden.

Weil die Narren das Nichtantreten von AFD und Linken bei der bevorstehenden Kommunalwahl für erfreulich befanden, lenkte das Stadtoberhaupt ein. Bei solch´ versöhnlichen Worten öffne er gerne die Rathauspforten, sagte Kornell und bedauerte die aktuelle Finanzsituation: "Die Stadtkasse ist leer, das ist bekannt, wie alle Kassen in unserem Land." Mit breiter Brust übernahm die närrische Streitmacht unter dem Applaus von etwa 500 Winterzauberbesuchern den Rathausschlüssel.

Offen blieb, ob das Rathaus die nächsten Wochen geöffnet ist oder geschlossen bleibt, da die Frauen und Männer der KVO in ihrem Heimatort selbst reichlich Arbeit zu verrichten haben. Schließlich müssen bis zum Ende der fünften Jahreszeit drei Prunksitzungen und einige Gastauftritte über die Bühne gebracht werden. Und ob die städtischen Angestellten unter närrischer Aufsicht wie gewohnt ordentlich ihren Job verrichten werden, ist ebenso fraglich.

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