Gestern Morgen meldete ein Nutzer auf der Facebook-Seite "Blitzer Kitzingen": "Blitzer Ortsausgang Kaltensondheim Richtung Erlach in der 50er Zone." Er ist einer derrund 1 800 Freunde der Seite derzeit - Tendenz steigend. Offenbar haben alle die Nase voll davon, Strafzettel zu bekommen. Das Prinzip, wie sie das vermeiden wollen, ist denkbar einfach: Sobald ein Facebook-Nutzer einen Blitzer oder einen Polizist mit Laserpistole sieht, kann er mittels eines internetfähigen Handys binnen weniger Sekunden eine Nachricht auf Facebook hinterlassen. Alle Freunde von "Blitzer Kitzingen" werden dann automatisch benachrichtigt - und tappen zumindest an der betroffenen Stelle nicht in die Radarfalle.
Harald Hoffmann, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Kitzingen findet derartige Angebote nicht verwerflich. "Wenn es mit der Botschaft verbreitet wird, dass langsam fahren wichtig ist, kann ich gut damit damit leben." Vielleicht , sagt Hoffmann, fühlen sich dadurch auch Fahrer angesprochen, die nicht auf Strecken unterwegs sind, an denen die Polizei gerade misst. Er hofft, dass die Leute dadurch automatisch langsamer fahren.

Polizei schreibt 1 100 Anzeigen


Diese Hoffnung hat sich vergangenes Jahr allerdings nicht vollends erfüllt. Noch immer war bei rund 260 Unfällen im Landkreis eine zu hohe Geschwindigkeit die Ursache. Das bedeutet einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr:
"Wir haben letztes Jahr insgesamt 290 Stunden Geschwindigkeit mit unseren Handmessgeräten gemessen. 2010 waren es noch 170 Stunden", sagt Hoffmann. 2011 hat die Polizeiinspektion Kitzingen insgesamt 450 Anzeigen geschrieben. Das heißt, die 450 Fahrer fuhren entweder inner- oder außerorts mindestens 21 Kilometer pro Stunde zu schnell. "Wir stellen unser Laser-Messgerät so ein, dass uns hauptsächlich die Raser ins Netz gehen", erklärt Hoffmann.
Dabei misst die Polizeiinspektion Kitzingen vor allem außerorts. Eben dort "wo es oft zu Unfällen kommt und wo es ein erhöhtes Beschwerdeaufkommen gebe", sagt Hoffmann. "Wir wollen Raser erwischen", betont er nochmals. "Es geht uns ja nicht ums Geld, das fließt in den Staatshaushalt." Die Polizei stehe an echten Gefahrenherden wie Schulen oder Kindergärten, sagt Helmut Habermann, stellvertretender Leiter der Verkehrspolizei Würzburg-Biebelried, die die PI Kitzingen bei der Verkehrsüberwachung unterstützt. "Und natürlich an unübersichtlichen Stellen in Ortschaften, an denen häufig Unfälle passieren." "Die Auswertung der Gefahrenstellen übernimmt die Dienststelle in Kitzingen", erklärt Habermann die Zusammenarbeit. An besagten Stellen hat die Verkehrspolizei vergangenes Jahr rund 450 Stunden im gesamten Landkreis gemessen. In diesem Zeitraum hat sie 651 Anzeigen geschrieben.
Doch nicht alles verhängten Bußgelder landet direkt in der Staatskasse: "Anders verhält es sich, wenn sich Gemeinden für eine kommunale Verkehrsüberwachung entschieden haben", sagt Hoffmann. Dies treffe auf rund die Hälfte aller Verwaltungsgemeinschaften im Landkreis Kitzingen zu.
Doch ganz gleich ob durch die Polizei oder der kommunalen Verkehrsüberwachung geblitzt wird könnte es schon bald auf "Blitzer Kitzingen" heißen: "Blitzer in der Gartenstraße." Anwohner haben sich beschwert, dass dort gerast würde.
Die Organisatoren, die hinter "Blitzer Kitzingen" stehen, wollten mit der "Kitzinger" nicht über ihre Facebook-Seite sprechen. Polizist Habermann kann mit deren Angebot jedenfalls ebenso gut leben wie sein Kollege Hoffmann: "Es ist uns egal, warum sich die Leute an die gebotene Geschwindigkeit halten. Uns ist wichtig, dass sie langsam fahren."