Abtswind

Vielfältige kleine Beere

Man schnuppert unwillkürlich, wenn Axel vom Berg am Seil zieht und das nächste Rolltor sich langsam öffnet. Mal riecht es nach Kamille, mal nach Salbei, mal nach Zwiebeln. Beim Gang durch die Hallen von Kräuter Mix wird der Besucher von verschiedensten Düften begleitet. Seit einiger Zeit riecht es in Halle 3 vor allem nach Wacholder. Für die kleinen dunklen Beeren hat das Abtswinder Unternehmen jetzt in eine neue Produktions- und Trocknungsanlage investiert – und verstärkt damit seine Position sowohl in der Lebensmittel- als auch in der Getränkeindustrie.
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Duftintensiv: Dr. Anja Weisgerber schnuppert an Gewürzen, die Produktionsleiter Axel vom Berg ihr reicht. Mit der Bundestagsabgeordneten schauten sich Landtagsabgeordneter Dr. Otto Hünnerkopf (links) und Wiesentheids Bürgermeister Dr. Werner Knaier bei Kräuter Mix um.
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Man schnuppert unwillkürlich, wenn Axel vom Berg am Seil zieht und das nächste Rolltor sich langsam öffnet. Mal riecht es nach Kamille, mal nach Salbei, mal nach Zwiebeln. Beim Gang durch die Hallen von Kräuter Mix wird der Besucher von verschiedensten Düften begleitet. Seit einiger Zeit riecht es in Halle 3 vor allem nach Wacholder. Für die kleinen dunklen Beeren hat das Abtswinder Unternehmen jetzt in eine neue Produktions- und Trocknungsanlage investiert – und verstärkt damit seine Position sowohl in der Lebensmittel- als auch in der Getränkeindustrie.

„Vor allem die Spirituosenindustrie ist ein sehr interessantes Feld“, sagte Bernhard Mix, Prokurist und ältester Sohn von Firmeninhaber Christoph Mix, am Mittwoch bei der Vorstellung der neuen Wacholder-Produktionsanlage. Diese Beere gehörte zwar früher schon zu den Produkten, die in Abtswind verarbeitet werden. Aber seit etwas mehr als einem Jahr hat sich der Bereich deutlich verstärkt, denn Kräuter Mix führt die Geschäfte der Weisgerber GmbH aus Schwebheim fort.

Elli und Karl-Heinz Weisgerber hatten keinen Nachfolger in der Familie, Tochter Anja ist bekanntermaßen auf dem politischen Feld tätig. In der Familie Mix fanden sie den idealen Partner, man wurde sich schnell einig, wie Elli Weisgerber jetzt in Abtswind sagte.

Den Umweltschutz stets im Blick

Bei ihrem Besuch schaute sich Anja Weisgerber am Mittwoch aber nicht nur an, was aus dem Werk ihrer Eltern geworden ist, sondern würdigte als örtliche Bundestagsabgeordnete auch die Arbeit des „sehr erfolgreichen und bedeutenden Unternehmens“ in ihrem Wahlkreis. Besonders hob sie hervor, dass Kräuter Mix kürzlich die Emas-Zertifizierung erhielt. Dieses anspruchsvolle, von der Europäischen Union entwickelte System sei der Beleg dafür, dass das Abtswinder Unternehmen weit mehr für den Umweltschutz tue als der Gesetzgeber verlangt.

2013 gab es die ersten Kontakte zwischen Kräuter Mix und der Weisgerber GmbH. „Seitdem dreht sich hier viel um die kleine Beere“, sagte Bernhard Mix, der gemeinsam mit seinem Bruder Steffen Mix und Produktionsleiter Axel vom Berg durch die Hallen führte. Teile der Schwebheimer Anlage wurden nach Abtswind transportiert, die Anlage erweitert und extra für die Verarbeitung von Wacholder auch wieder eine Trocknungsanlage angeschafft. Seit September befindet sich nun der sogenannte „Juniper Center“ in Abtswind, mit Misch- und Mahlanlagen, Keimreduzierungsanlagen und vielem mehr.

Gleich das erste Jahr sollte sich allerdings hinsichtlich der Rohware als schwierig erweisen: „2013 war ein schlechtes Wacholderjahr“, so Bernhard Mix. Für das angestrebte Qualitätsprodukt ist die Rohware natürlich entscheidend, „damit fängt alles an.“ Die Beeren werden aus Italien, Mazedonien, Bosnien, Serbien und dem Kosovo bezogen. Inzwischen wurden die Geschäftsbeziehungen mit Lieferanten nicht nur erweitert, sondern alle Wacholder-Lieferanten auch erfolgreich auditiert.

Vielfältige kleine Beere

Im Vertrieb hätten sich durch den neuen Schwerpunkt Wacholder große Chancen für das Abtswinder Unternehmen ergeben. Nicht nur etablierte Kunden konnten mit dem erweiterten Produktangebot beliefert werden, sondern auch neue und ehemalige Weisgerber-Kunden mit Wacholder-Artikeln und zusätzlichen Produkten von Kräuter Mix.

„Wacholder hat eine ungeheuere Vielfalt“, erklärte Bernhard Mix, „man wirft fast nichts weg.“ Er wird in Beerenform als „Riesen“ vermarktet, als dreifach qualitätssortierte Beeren, als Industrie- und Räucherware, geschrotet, gemahlen oder gequetscht. Der Fokus liege dabei auf der Spirituosenindustrie. Aus Abtswind können nun nationale und internationale Hersteller von Gin, Genever und Schnäpsen beliefert werden. Dieses Segment sei vorher nicht in diesem Maße bedient worden. „Hier bietet sich uns die große Chance, unser Geschäftsfeld auszubauen.“

Die Ziele, die durch die Fortführung der Schwebheimer Firma gesetzt wurden, seien erreicht, sowohl beim Einkauf als auch im Vertrieb. Umsatz und Absatz konnten gesteigert, neue Arbeitsplätze geschaffen und der Produktionsstandort erweitert werden. Bernhard Mix: „Das Produkt passt perfekt.“

Das hörten natürlich nicht nur die Weisgerbers gern, sondern auch Abtswinds Bürgermeister Jürgen Schulz und sein Wiesentheider Kollege Werner Knaier, denn dank des Wacholdergeschäfts rollen auch am Standort Wiesentheid die Bagger. Dort schafft Kräuter Mix einen weiteren Wacholder-Lagerbereich. In Abtswind wird das Unternehmen außerdem im kommenden Jahr noch einmal in eine modifizierte Trocknungsanlage investieren. Die Trocknung ist ein wesentlicher Schritt bei der Verarbeitung der kleinen Beere, sowohl was Inhaltsstoffe als auch Geschmack und Aussehen angeht.

Kräuter Mix in Abtswind

Geschichte: Die Firma Kräuter Mix wurde 1919 durch Christoph Mix in Abtswind gegründet. Geschäftsgegenstand war die Sammlung, Trocknung und der Vertrieb von Heilkräutern. Ab 1951 führten Bernhard und Walter Mix das Geschäft fort, seit 1973 ist Christoph Mix Geschäftsführender Gesellschafter. Mit Bernhard und Steffen Mix ist inzwischen auch die vierte Generation im Unternehmen tätig.

Produkt- und Leistungsprogramm: Zum Produktprogramm gehören Lebensmittel-Rohstoffe wie Trockengemüse, Küchenkräuter, Gewürze und Pilze, zudem Heilkräuter und pflanzliche Arzneimittel, Früchte- und Kräutertees. Außerdem veredelt das Unternehmen Rohstoffe – dazu gehört die Keimreduzierung, das Schneiden, Reinigen, Mahlen und Mischen der Ware sowie der Vorratsschutz und das Abpacken.

Daten und Fakten: Kräuter Mix hat 300 Mitarbeiter und arbeitet im Drei-Schicht-Betrieb. Die meisten Mitarbeiter gibt es am Hauptsitz in Abtswind, einen kleineren Teil am Standort Wiesentheid, wo derzeit die Lagerkapazität erweitert wird. Die Rohware für die Produktion wird aus der ganzen Welt bezogen. Auch Kunden hat das Unternehmen in aller Welt. Der Export-Anteil liegt über 57 Prozent.



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