SEGNITZ/OBERNBREIT

Verzweifelte Versuche, in Sicherheit zu kommen

„Wenn ihr hier ankommt . . .“ lautet der Titel einer Ausstellung, die vom 13. bis 27. Oktober in der ehemaligen Synagoge in Obernbreit zu sehen ist. Organisatoren sind der Arbeitskreis Kultur & Tourismus Segnitz und der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit. Erzählt wird das Schicksal der jüdischen Familie Mosbacher, deren Vorfahren im 19. Jahrhundert in Segnitz und in Marktbreit gelebt haben.
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Die zwölfjährige Eva Mosbacher entkam 1939 durch einen Kindertransport nach England dem nationalsozialistischen Massenmord. Ihre Eltern wurden dagegen Opfer des Holocaust. Eine Ausstellung in der ehemaligen Synagoge in Obernbreit erzählt das Schicksal der Familie. Foto: Foto: Archiv Christoph Gann

„Wenn ihr hier ankommt . . .“ lautet der Titel einer Ausstellung, die vom 13. bis 27. Oktober in der ehemaligen Synagoge in Obernbreit zu sehen ist. Organisatoren sind der Arbeitskreis Kultur & Tourismus Segnitz und der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit. Erzählt wird das Schicksal der jüdischen Familie Mosbacher, deren Vorfahren im 19. Jahrhundert in Segnitz und in Marktbreit gelebt haben.

Der Weinhändler Elias Mosbacher aus Burgpreppach bei Hofheim in Unterfranken siedelte sich im Jahr 1852 mit seiner aus Marktbreit stammenden Ehefrau Johanna in Segnitz an. 1865 zog er dann mit seiner Familie nach Marktbreit.

Sein in Segnitz geborener Sohn Hermann und sein Enkel Otto lebten später als Geschäftsmänner in Nürnberg. Dort mussten Otto Mosbacher, seine Ehefrau Hedwig und die 1926 geborene Tochter Eva die wachsenden antijüdischen Drangsale und Verfolgungsmaßnahmen der Nationalsozialisten erleiden. 1937 entschloss sich die Familie schließlich, in die USA zu emigrieren.

Pflegefamilie in Cambridge

Verzweifelte Versuche, dort Aufnahme zu finden und damit die Ausreisegenehmigung zu erlangen, scheiterten. So entschieden sich die Mosbachers im Jahr 1939, zunächst ihre zwölfährige Tochter mit Hilfe eines Kindertransports nach England in Sicherheit zu bringen. Eva fand schließlich in Cambridge eine Pflegefamilie wo sie aufgewachsen ist und dem nationalsozialistischen Massenmord entkommen konnte. Sie lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 1963 in London. Ihre Eltern dagegen wurden nach weiteren erfolglosen Bemühungen, ins rettende Ausland zu kommen, 1942 ins Ghetto Belzyce bei Lublin in Polen deportiert und dort ermordet.

Die Ausstellung des Meininger Richters Christoph Gann gibt einen Einblick in die unmenschliche Behandlung der Juden während der NS-Diktatur und die vergebliche Hoffnung, dieser zu entrinnen. Im Mittelpunkt aber steht die Familie Mosbacher als Beispiel für das Schicksal zahlloser jüdischer Familien während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Anhand von Bilddokumenten und Briefen werden die Verzweiflung und die vergebliche Hoffnung der Eltern und des Kindes auf ein Wiedersehen in erschütternder Weise vor Augen geführt. Ergänzt wird die Ausstellung durch einige Dokumente über die Segnitzer Zeit der Mosbachers und mit der Broschüre „12 Jahre, Jude, 10.5.39 abgemeldet nach England - das Schicksal Eva Mosbachers und ihrer Eltern“.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung wird am Sonntag, 13. Oktober um 14 Uhr eröffnet. Sie ist vom 13. bis 27. Oktober samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr und mittwochs von 14 bis 19 Uhr zu sehen. Sonderführungen können mit Friedrich Heidecker vereinbart werden, Tel. (0 93 32) 94 69.

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