Kitzingen
Gesundheit

Verwirrung um Rezeptsammelstellen von Apotheken

Nur wenige Gemeinden der Region haben noch eine Apotheke. Um eine Unterversorgung zu vermeiden, gibt es das Modell der Rezeptsammelstellen. Doch es bleiben Fragen.
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Medikamente schnell an Kunden liefern, die nicht selbst zur Apotheke kommen können. Alexander Hein hat einen guten Service im Blick, will sich über die Modalitäten noch kundig machen. Foto: tom
Medikamente schnell an Kunden liefern, die nicht selbst zur Apotheke kommen können. Alexander Hein hat einen guten Service im Blick, will sich über die Modalitäten noch kundig machen. Foto: tom
Im Landkreis Kitzingen spielt sich aktuell ein Fall mit vielen Fragezeichen ab. Ausgelöst hat ihn die Kitzinger Stern-Apotheke, der sich gleich die Mainstockheimer Main-Apotheke anschloss. Beide Apotheken richteten vor Kurzem eine recht spezielle Anfrage an die Gemeinden Albertshofen, Biebelried, Buchbrunn und Sulzfeld. Die Frage an die jeweiligen Gemeinderäte: Gibt es eine Zustimmung für eine "Rezeptsammelstelle" im Gemeindegebiet?

Unterschiedliche Reaktionen

Während die eine Gemeinde recht schnell das Vorhaben befürwortete und lediglich noch prüfen wollte, welcher Standort als ideal zu betrachten sei, fand eine andere auch sofort einen Platz dafür. Albertshofen stellte den Vorschlag erst mal zurück. Die Gemeinde will vom Landratsamt geklärt haben, ob nicht eine Wettbewerbsverzerrung entstehen kann.
Verzerrt ist an diesem Fall aber so schon ziemlich alles.
Sowohl den Gemeinden als auch den Apotheken ist nämlich nicht bewusst, was da überhaupt aufgestellt werden soll, welche oder wie viele Apotheken an dem Modell mitwirken können und wer hier was zu genehmigen hat.
Eine Frage lautet: Rezept- oder Pickup-Sammelstelle?

Unklarheiten

Diffus ist schon einmal der Name des Modells. Die Gemeinderäte hatten laut Agenda in ihren Sitzungen über die Aufstellung von "Sammelstellen für Arzneirezepte" und "Rezeptbriefkästen" zu beraten. Korrekt ist laut Apothekenbetriebsordnung nur der Begriff der "Rezeptsammelstelle". In Paragraf 24 dieser Betriebsordnung ist genau geregelt, was darunter zu verstehen ist. Wer nun denkt, damit seien alle Unklarheiten beseitigt, wird schnell getäuscht.
"Wir wollen gar keine Rezeptsammelstelle errichten", erklärt auf Nachfrage Alexander Hein, Inhaber der Stern-Apotheke. "Uns geht es um die Errichtung einer Pickup-Sammelstelle".
Dieser Begriff findet sich definitiv auf keiner Agenda der angefragten Gemeinderäte. Worüber wird somit überhaupt abgestimmt? Und wer genehmigt das Eine, wer das Andere?
Auf Nachfrage beim Landratsamt heißt es, dass die Errichtung von - Achtung: "Rezeptsammelstellen" - nur anzeigenpflichtig sei. Genehmigt werden müsse vom Landratsamt aber nichts in dieser Sache. "Wir leiten das Ganze an die Regierung von Unterfranken weiter", so Pressesprecherin Corinna Petzold. Diese wiederum erklärt sich aber auch nicht zuständig und verweist an die Bayerische Landesapothekenkammer. Und die ist in der Tat zuständig, aber nur für Rezeptsammelstellen, nicht aber für Pickup-Sammelstellen.
"Die beteiligten Apotheken müssen hier wirklich aufpassen, dass sie nicht in eine Falle tappen, wenn sie das Eine wollen und in Wirklichkeit das Andere realisieren", warnt Dr. Volker Schmitt, Geschäftsführer der Bayerischen Landesapothekerkammer. Was die genannten Apotheken nämlich vorhaben, ist exakt der Betrieb einer Rezeptsammelstelle.
Die muss aber von der Landesapothekerkammer genehmigt werden und funktioniert folgendermaßen: Eine Art Briefkasten wird in einer Gemeinde aufgestellt, deren Entfernung zur nächsten Apotheke mindestens sechs Kilometer beträgt. Die darin eingeworfenen Rezepte werden von einem Boten der Apotheke abgeholt und am Nachmittag oder am Vormittag des Folgetages von derselben Apotheke dann an die Haustür des im Ort ansässigen Kunden geliefert. "Wir sind damit schneller als das Internet", betont Alexander Hein den Vorteil aus Sicht der Apotheke.
Bei einer Pickup-Sammelstelle holt der Kunde das Medikament zum Beispiel im örtlichen Drogeriemarkt persönlich ab. Beliefert wurde dieser dann aber von einer Versandhandelsapotheke. Das Risiko, dabei auch mal das falsche Medikament oder eines mit anderen Wirkstoffen zu erwischen, liegt in diesem Fall beim Verbraucher. Apothekerverbände sehen dieses Modell mit großer Skepsis.
Die Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung bei Rezeptsammelstellen ist laut Dr. Volker Schmitt nicht gegeben. "Eine Rezeptsammelstelle wird von uns für die Dauer von 36 Monaten genehmigt", erklärt Schmitt. "Sind zwei Apotheken beteiligt, dann betreibt die erste Apotheke die Sammelstelle exakt 18 Monate lang, die nächsten 18 Monate ist dann die zweite Apotheke für die Rezepte zuständig." Zwei oder mehr Apotheken zur gleichen Zeit können somit keine Rezeptsammelstelle im gleichen Ort betreiben.

Vorteil gegenüber dem Internet

Fazit: Das Vorhaben der Apotheken ist gut gemeint und hat mehrere Vorteile. Patienten, die nicht eben mal in die Stadt fahren können, erhalten schnell und sicher ihre Medikamente. "Wir können auch nach wie vor unsere Patienten beraten", betont Hein, "was bei der Bestellung via Internet definitiv nicht der Fall ist".
Die Apotheke bindet so auch Kunden an sich, die ihr ohne diesen Service verloren gingen. Die Gemeinderäte brauchen keinerlei Genehmigung einer übergeordneten Stelle, um grünes Licht geben zu können. Vorsicht ist auf Seiten der Apotheker gefordert. "Wir müssen uns da noch genauer schlau machen", resümiert auch der Leiter der Stern-Apotheke. "Wie dieser Rezeptbriefkasten aussehen muss und wer den Fahrdienst dann wirklich durchführt, das alles wird noch geklärt."

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