Kitzingen

Vermieter wollte Kaution ergaunern

1400 Euro muss ein 50-Jähriger zahlen, weil er von seiner Mieterin unberechtigt 1000 Euro einbehielt. Der Verteidiger forderte Freispruch.
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Weil ein Vermieter die Kaution seiner ehemaligen Mieterin einbehielt, stand er jetzt in Kitzingen vor Gericht. Foto: Christopher Schulz

Die Mühlen der Justiz mahlen gelegentlich langsam: Das gilt für einen Fall, dessen Anfänge im Jahr 2012 liegen, schon mal das Zivilgericht beschäftigt hat und jetzt für einen Vermieter mit der Verurteilung wegen versuchten Betrugs erst einmal endete. Der Mann hatte versucht, von einer Mieterin die Kaution für eine angeblich herunter gewirtschaftete  Wohnung einzubehalten. Zu Unrecht, wie die Strafrichterin am  Amtsgericht in Kitzingen feststellte und den 50-Jährigen zu 1400 Euro (70 Tagessätze zu 20 Euro) verurteilte.

Es war nicht ganz einfach, nach sieben Jahren und unterschiedlichen Aussagen zum Kern der Geschichte vorzudringen. Nach fünf Zeugen war es doch soweit. Für den Staatsanwalt und das Gericht war klar: Der Mann hatte einer Frau eine angeblich komplett sanierte, aber tatsächlich nur notdürftig hergerichtete Wohnung  in einem Sechs-Familien-Haus vermietet. Als die Frau nach drei Jahren wieder auszog, hat er dann die angeblich herunter gewohnte Wohnung moniert und gedroht, die Kaution von rund 1000 Euro plus x einzubehalten. In einem Zivilverfahren kam er damit allerdings nicht durch und jetzt musste er sich wegen eines versuchten Betrugs verantworten.

Umfassende Sanierung

Davon wollte er allerdings nichts wissen. "Die Wohnung ist umfassend saniert worden", sagte er dem Gericht. Der Mann hatte ein Mehrfamilienhaus gekauft und die sechs Wohnungen saniert, überwiegend in Eigenleistung und mit "reiner Nachbarschaftshilfe". Drei der unbezahlten Helfer hatte er als Zeugen aufgeboten. Allerdings fielen deren Aussagen so aus, dass das alles für  die  Richterin nach Absprache roch. "Drei Zeugen, drei Meinungen, das ist ein bisschen viel für einen Nachmittag", fasste sie ihren Eindruck zusammen.

Glaubwürdiger schienen ihr die Aussagen der Mieterin und der unbeteiligten Frau, die sie 2012 bei der Besichtigung der Wohnung begleitet hatte. Danach war die Wohnung zwar einigermaßen hergerichtet, allerdings gab es jede Menge "Mängel und Macken", wie es der Staatsanwalt später sagte. Dass die Mieterin dennoch zugriff, lag daran, dass sich unbedingt eine Wohnung wollte sowie bereit und in der Lage war, die Räume selbst herzurichten und auf Vordermann zu bringen. "Sie war begeistert, ich hätte sie nicht genommen", sagte die Zeugin über Mieterin und Wohnung.

Verteidiger fordert Freispruch

Dass das der Vermieter nach drei Jahren nicht honorierte und die Kaution behalten wollte, brachte die Sache vor Gericht. "Sie wollten 1000 Euro plus x ergaunern", hielt der Staatsanwalt dem Angeklagten vor. Eine Geldstrafe von 2700 Euro (90 Tagessätze zu 30 Euro) hielt er für den versuchten Betrug für angebracht. Freispruch forderte dagegen der Verteidiger.

Er stellte die Kompetenz der "ehrbaren Damen" bei der Beurteilung einer Wohnungssanierung in Frage. Die Wohnung sei im Zuge der Generalsanierung des Hauses ordnungsgemäß saniert und übergeben worden. Dass die Mieterin dann Wände farbig strich, begründe den Anspruch des Vermieters auf Schadenersatz und die Einbehaltung der Kaution. Er wollte auch von Absprachen bei den Zeugenaussagen nichts wissen, also: Freispruch.

Dem folgte das Gericht nicht. Es wurde eine Geldstrafe. Ob die das Ende der Geschichten ist, oder ob es in der nächsten Instanz ein weiteres Kpitel gibt,blieb am Ende offen.

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