Kitzingen

Verein löst sich auf: WVC Germania Kitzingen ist Geschichte

Kurz vor seinem 100. Geburtstag befindet sich der Wander- und Vergnügungsclub in Liquidation. Für den Untergang des Vereins gibt es mehrere Gründe.
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Aldo Michalek war bis zu seinem Tod der letzte Vorsitzende des WVC Germania. Foto: Willi Paulus
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"Die Germania darf nicht untergehn'", so heißt es im Lied des Wander- und Vergnügungsclubs Germania (WVC Germania e.V.) in Kitzingen. Doch genau das ist jetzt passiert: Einer der traditionsreichsten Kitzinger Vereine, der in seiner Blütezeit fast 400 Mitglieder zählte, wird aufgelöst. Im Vereinsregister des Amtsgerichts Würzburg wurde die Liquidation eingetragen. Damit ist die Germania zwei Jahre vor ihrem 100-jährigen Bestehen Geschichte.

Wo sind die Gründe zu suchen? Zum einen verstarb unerwartet der bisherige Vorsitzende Aldo Michalek. In der einberufenen Generalversammlung fand sich trotz intensiven Bemühens kein neuer Vorstand. Einige der bisherigen Amtsinhaber sind bereits um die 80 Jahre alt und wollten keine neue Amtszeit absolvieren.

Anschluss an anderen Verein fand kein Mehrheit

Generell litt der Verein in den vergangenen Jahren auch unter der Überalterung. Der Nachwuchs blieb aus. Das führte zu einem Rückgang der Mitgliederzahlen auf zuletzt rund 110. Auch der Rettungsversuch von Ehrenvorstand Hans Hartner, der den Club selbst rund drei Jahrzehnte geleitet hatte, schlug fehl. Sein Vorschlag, sich einem anderen Kitzinger Verein anzuschließen, fand keine Mehrheit bei der Versammlung.

Die Geschichte der WVC Germania beginnt mit der Vereinsgründung durch sechs junge Männer am 28. Oktober 1921 im Gasthaus "Würzburger Hof". Die Idee der Gründer, Wandern und Geselligkeit zu verbinden, fiel auf fruchtbaren Boden. Die Mitgliederzahlen stiegen ständig und einer vorbildlichen Clubkameradschaft war es zu verdanken, dass der Verein die schwierigen Kriegsjahre überdauerte, wenngleich er schmerzliche Lücken im Verein riss.

Theatergruppe, Kegelabteilung und Waldfest

Neben den Wanderungen wurden auch "Luftwagenausflüge", Teeabende sowie Walzer- und Theaterabende angeboten. Es gründete sich eine Theatergruppe, eine Kegelabteilung sowie eine Mandolinengruppe. Unvergessen sind den Älteren auch die Waldfeste bei den "Hunnenhügeln" im Tännig, bei denen 800 Gäste keine Seltenheit waren.

Hans Hartner, der 1987 die Vereinsführung übernahm, rief eine Jugendabteilung mit eigenem Jugendwart ins Leben. Beim Ball "Bunter Spätherbst" erhielt Brigitte Hartner im Oktober 1992 die Wanderkette als erste "Wanderkönigin" des Vereins. Nicht unerwähnt bleiben darf die "Vereinskapelle" mit den Musikern Karl Weiskopf und Gottfried Ludwig.

In der Neuzeit brachte das übergroße Angebot der neuen "Spaßgesellschaft" Veränderungen im Vereinsleben. Dazu kam der Abriss des langjährigen Vereinsheims "Wilhelmshöhe". Großen Anklang fanden Feste, wie die "Sommernacht unter Palmen" und die Kappenabende am Fasching. Bei der Jubiläumsfeier zum 90-jährigen Bestehen lautete das Motto "Ein alter Club bleibt ewig jung!". Dies ist nun Geschichte.

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